Blick hinter die Kulissen: Ein Abend mit der Gladbacher Prinzengarde unterwegs zu Wurzeln, Bühnen und stillen Momenten.
Gladbachs PrinzengardeSeit 60 Jahren die Kraft im Rücken jedes Dreigestirns

Staatse Kerle: Das Tanzpaar ist „Aushängeschild“ der Prinzengarde.
Copyright: Guido Wagner
„Wir sind im Endspurt“, sagt Prinz Thomas III., „aber wir genießen jeden Moment – mit unserer Prinzengarde.“ Das Publikum im Bürgerzentrum Schildgen applaudiert – die Prinzengardisten hinter Prinz, Bauer Maurice und Jungfrau Lea lächeln. Wenn's dem Dreigestirn gut geht, freut das die Garde. Seit sechs Jahrzehnten begleitet sie jedes Trifolium durch seine Session. Traditionsbewusst, wertschätzend und hilfsbereit. Die Männer kennen jede Bühne, jede Schule, jedes Seniorenheim, das in der Session besucht wird – und sie machen Eindruck. Und wie.

Das Dreigestirn macht Stimmung im Bürgerzentrum Schildgen, die Prinzengarde hält ihm den Rücken frei.
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„Wollt Ihr unser Sessionslied hören?“, ruft Thomas III. in den Saal, erntet ein kollektives „Jaaa“. Prinzengardist Tobias Brück, der am Pult des Saaltechnikers steht, drückt den entsprechenden Button auf seinem Tablet und „Dat sin mir drei“ fährt ab.
Langer Arbeitstag und trotzdem viel Spaß bei der Begleitung des Dreigestirns
Das Dreigestirn wirbelt über die Bühne, das Publikum stimmt ein. Zum Ende der Session kennen viele Text und Melodie des Lieds, das die drei mit den „Flöckchen“ geschrieben haben. Der Sitzungspräsident staunt. Kaum zu glauben, dass die drei schon seit dem frühen Morgen unterwegs sind. Ebenso wie die meisten Prinzengardisten hinter ihnen. Ein wohlmeinender Gast möchte den in mehreren Reihen aufmarschierten Männern von hinten einen Kranz Kölsch anreichen. Gardist Reinhold Feistl winkt dankend ab. „Ist zu eng hier“, raunt er dem hilfsbereiten Getränkebringer lächelnd zu.
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Prinzengarde-Geschäftsführer Philip Wallraf (l.) und Kommandant Marco Wasserberg mit Nachwuchs auf dem Weg zur Bühne beim karnevalistischen Biwak.
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Zwei Schildgener aus den Reihen der Prinzengarde werden nach vorne gerufen, auf ihre Herkunft angesprochen. In der Prinzengarde spielt die kaum eine Rolle: Wer den roten Rock trägt, steht gemeinsam mit den anderen hinter jedem Dreigestirn, egal aus welchem Winkel der Stadt es kommt. Allein bei den eingeschworenen Busgemeinschaften, in denen die Gardisten von Auftritt zu Auftritt fahren, gibt's schon eine gewisse Nähe der Heimatadressen. Ist halt praktischer beim Abholen und Nach-Hause-Bringen.

Prinzengardist Tobias Brück hat die Musik im Griff.
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Prinzengardist Tobias Brück achtet auf die Worte des Kommandanten auf der Bühne und tippt wieder auf sein Tablet: Ausmarsch. In einer Reihe marschieren die Gardisten durch den Saal. Erst vor der Halle wird's legerer, teilen sich die Männer auf „Bärenexpress“ und „Groß-Gronau-Express“, die „Mühlenrunde“, den „ReHa-Express“, die Bensberger „Berg-Bahn“, den „Nussbaum-Express“, den „Standarten-Express“ und die im vergangenen Jahr neu hinzugekommene „Linie 1“ auf. Tanzmarie Leonie Bochnig und Tanzoffizier Conrad Wirth haben ihren eigenen „Tanzpaar-Express“.
Mancher Prinzengarde-Bus ist besser ausgestattet als eine Disko
Behutsam werden die Dreispitze mit den eingearbeiteten Perücken auf Styroporköpfen im Kofferraum der von Unternehmen für die Session zur Verfügung gestellten Busse drapiert, Säbel in speziellen Halterungen verstaut und der Getränkevorrat in den Sitzreihen aus Schubladen im Heck nachgefüllt. Türen schlagen, Motoren starten, dann setzt sich die Kolonne in Bewegung – und im Inneren geht die Post ab.
Mancher Prinzengarde-Bus ist im Inneren besser ausgestattet als eine Disko – Ambientebeleuchtung wie im Luxus-Wohnmobil inklusive. „Alles selbst eingebaut“, sagen die Buskommandanten nicht ohne Stolz. In der Prinzengarde gibt's Handwerker der unterschiedlichsten Provenienz ebenso wie Firmenchefs und Angestellte. Im Karneval spielt all das keine Rolle. „Hauptsache: Wir geben ein gutes Bild ab“, sagt Kommandant Marco Wasserberg lächelnd.

Auch Gladbachs Bürgermeister Marcel Kreutz (Mitte) zog einige Male mit der Prinzengarde mit und auf Bühnen auf.
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Erstmal heißt es allerdings am nächsten Stopp in Gronau: Luft anhalten. Dicht gedrängt stehen Gardisten und Dreigestirn im Vorraum des Pfarrsaals, um die, die gerade von der Bühne kommen, durchzulassen.

Die Prinzengarde Gladbach lässt Eikamps Jungfrau Georgina aus dem Saal ausziehen.
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Gardist Alexander Stier liest sich das aktuelle Veranstaltungsprogramm durch – kann sich sehen lassen. Dann: ein Pfiff. Kommandant Marco Wasserberg gibt das Zeichen für den Einmarsch. Auch für ihn hat Gronau und der Saal eine ganz besondere Bedeutung, wie er nach den Worten des Prinzen bekennt. Nicht nur Jungfrau Lea ist ein „Gronauer Mädchen“ – „Ich bin da drüben in den Kindergarten gegangen, bin hier Messdiener gewesen, und Mama und Papa sind heute Abend auch hier“, beschreibt Wasserberg sein „Heimspiel“ in einem Stadtteil, aus dem schon viele große Karnevalspersönlichkeiten kamen.

Zu einem Geburtstagsständchen für Ur-Labbes Michael Niesen (r.) ruft Prinzengarde-Kommandant Marco Wasserberg auf.
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Einer ist an diesem Abend da – und hat Geburtstag: Der Mitbegründer der einst weithin bekannten Band „Labbese“, Michael Niesen. Klar, bekommt er ein Ständchen. „Du bist nichts hier vorne, wenn du nicht eine starke Familie hast“, sagt Wasserberg mit Blick nicht nur auf die eigene Familie und dankt den Organisatoren der Sitzung, dass sie diesen ursprünglichen Karneval weiterleben.

Große-Gladbacher-Präsident als Gast im Saal grüßt Prinzengarde-Kommandant Marco Wasserberg beim Auszug der Prinzengarde.
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Beim Ausmarsch klatschen die Gardisten ihren Gardekollegen und Präsidenten der Großen Gladbacher, Alexander Pfister, ab, selbst ein Gronauer. Große-Gladbacher-Vorsitzender Frank Haag trifft im Prinzengarderock vor der Tür noch einen anderen Ex-Labbes: Norbert Wielpütz hat gleich mit „Pütz und Band“ einen Auftritt. Für Dreigestirn und Prinzengarde geht's derweil weiter: von der kleinen Bühne auf die ganz große im Löwen. Kostümsitzung der Schlader Botze. Hier haben die Tänzer beim Korpstanz schon mehr Platz.

Frank Haag mit Ex-Labbes Norbert Wielpütz vor dem Sitzungssaal in Gronau.
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„Aber jede Bühne hat ihren Reiz“, sagt Prinzegarde-Geschäftsführer Philip Wallraf. Er muss es wissen, kennt er doch als Veranstaltungstechnik-Dienstleister die größten wie die abgelegensten Auftrittsorte. Und natürlich auch die als Ausweichort für die gesperrten Schulaulen hergerichtete alte Zentralwerkstatt auf dem Zanders-Gelände. Dort stoppen die Prinzengarde-Busse als nächstes.

Sorgen auch beim Auftritt auf großer Bühne für mächtig Stimmung: Prinz Thomas III., Bauer Maurice und Jungfrau Lea.
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Steht seit 60 Jahren fest hinter jedem Dreigestirn: die Prinzengarde,
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Imposanter Blick über die Prinzengarde bei deren letztem großen Auftritt der Session am Samstagabend bei der Löwen-Party der Großen Gladbacher KG.
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Prinzenführer Frank Mehren hat den Auftrittsplan und die Uhr stets im Blick.
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Ein echtes Gänsehautgefühl ist der Weg durch das Meer der Jecken auf die Bühne. Und das Dreigestirnslied zündet ebenso wie die Medleys der drei durch. Besonderer Clou immer wieder: das Kuhglockensolo von Dreigestirn und Tanzpaar. „Das haben die sich im Vorfeld der Proklamation ganz allein überlegt“, sagt Marco Wasserberg am Rande der Bühne. Die Prinzengarde lebe eben Tradition, sei aber immer auch offen für Neues.
Nur so lässt sich wohl auch erklären, warum sie seit 60 Jahren so ankommt in der Kreisstadt – und so verwurzelt ist. Denn auch wenn der „Arbeitstag“ heute mal gute 15 Stunden lang war, bleiben viele Gardisten nach dem Ausmarsch noch, um Freunde zu treffen – oder dem Kommandanten der Strunde-Pänz um Mitternacht zum 18 . Geburtstag zu gratulieren. Wie war das noch? „Irgendwie ist das alles doch eine große Familie.“ Stimmt genau.
Was macht die Bergisch Gladbacher Prinzengarde aus?

Kommandant Marco Wasserberg
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Die Prinzengarde ist traditionsbewusst und ist doch immer offen auch für Neues. Sie ist Gemeinschaft, Zusammenhalt, und ein gutes Netzwerk – wie eine Familie.

Gisbert Schweizer
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Die Gladbacher Prinzengarde ist für mich seit 1980 ein wirkliches Stück Heimat im Karneval und bedeutet viel Spaß – jetzt schon seit 46 Jahren.

Hanno Pütz
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Prinzengarde ist für mich Gemeinsamkeit, Zugehörigkeit und Disziplin – ohne viel Diskutiererei wie es sie in anderen Gruppen bisweilen gibt.

Michael Hiltscher
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Eigentlich ist die Prinzengarde ja ein Sechs-Wochen-Verein, weil man in den sechs Wochen, da man das Dreigestirn begleitet, ganz eng zusammen ist.

Jörg Köhler
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Die Prinzengarde ist für mich Kameradschaft, ohne eine Führungsaufgabe übernehmen zu müssen – das genieße ich sehr. Und es macht Spaß, das Brauchtum zu pflegen.

Maximilian (12)
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Die Prinzengarde, das ist einfach eine tolle Gemeinschaft und es macht Spaß, mit Opa mitzukommen, wenn er mit der Prinzengarde unterwegs ist.

