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NeustartIn Waldbröl-Eichen wartet viel Arbeit auf die neue Leitung der Bürgergemeinschaft

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Nach der Schließung des Nachbarschaftsbüros nutzt die Bürgergemeinschaft „Wir in Eichen“ die bereits 1994 aufgestellten Wohncontainer an der Eichener Straße wieder als Vereinsstandort. Neue Leiter der Waldbröler Gemeinschaft sind Alfred Wedel (Vize-Vorsitzender, links) und Peter Hildebrandt (Vorsitzender).

Nach der Schließung des Nachbarschaftsbüros nutzt die Bürgergemeinschaft „Wir in Eichen“ die bereits 1994 aufgestellten Wohncontainer an der Eichener Straße wieder als Vereinsstandort. Neue Leiter der Waldbröler Gemeinschaft sind Alfred Wedel (Vize-Vorsitzender, links) und Peter Hildebrandt (Vorsitzender).

Peter Hildebrandt und Alfred Wedel bilden den neuen Vorstand, der künftig auf das Nachbarschaftsbüro verzichten muss und nun auf Hilfe hofft.

Wer an Eichen denkt, der soll nicht gleich die Hochhauszeilen vor Augen haben. Und erst recht nicht diesen Stadtteil Waldbröls ein Ghetto nennen. Viel zu oft haben Peter Hildebrandt und Alfred Wedel dieses Wort gehört, in der Kindheit, in der Jugendzeit. „Eichen soll stehen für ein offenes, ein freundliches Viertel, in dem viele Kulturen friedlich zusammenleben“, nennt Hildebrandt eines seiner großen Anliegen.

Im vergangenen Dezember ist der 50 Jahre alte Lehrer der städtischen Realschule in Waldbröl zum neuen Vorsitzenden der Bürgergemeinschaft „Wir in Eichen“ gewählt worden, der Elektrotechniker Wedel (39) ist sein Stellvertreter.

Dass sie kein leichtes Erbe antreten und viel Arbeit vor sich haben, das wissen die beiden. „Wir wollen bewahren und ausbauen, was der frühere Vorstand um Helmut Rafalski aufgebaut hat“, verspricht Hildebrand. Der heute 74 Jahre alte Waldbröler hatte den Verein seit April 2012 geleitet, gegründet hat sich die Bürgergemeinschaft im Jahr 1994. Nach Angaben aus dem Rathaus leben derzeit 2282 Menschen aus 44 Nationen in diesem Teil der Marktstadt und auf der nahen Maibuche.

Eichener wollen die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien verlässlich fortführen

Seit Beginn dieses Jahres aber muss Eichen nun ohne das stark frequentierte Nachbarschaftsbüro auskommen, das die IB West, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft des Internationalen Bundes, seit November 2009 geführt hatte. Unter diesem Dach bot auch die Bürgergemeinschaft Programme und Familienberatungen an. Die Schließung des Büros an der Mecklenburger Straße bezeichnete Helmut Rafalski als „schweren Schlag gegen die Sozialarbeit“.

Leider sei noch immer nicht klar, ob die in Eichen fest verwurzelte IB-Beraterin Olga Rifinius bleibe oder in das neue Familienbüro in der Stadtmitte wechsle, bedauert Nachfolger Hildebrandt. „Denn das neue Büro an der Vennstraße ist für uns Eichener viel zu weit weg, es wird nie wieder so sein wie früher.“ Auf Anfrage dieser Zeitung verweist die IB West darauf, dass sie sich zu Personalien nicht äußern dürfe, aber für Gespräche mit dem neuen Vorstand offen sei.

Das verlässliche Fortführen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ebenso die Betreuung von Familien liegen ihm und Alfred Wedel besonders am Herzen. „Bei uns leben nicht die reichsten Menschen“, erklärt Wedel. „Viele Familien haben oft große Probleme, sind zerrissen – sie brauchen Unterstützung und eine feste Anlaufstelle.“

Sprachbarrieren gibt es nach Angaben der Bürgergemeinschaft in Waldbröl-Eichen kaum

Sprachbarrieren gebe es dagegen kaum, betont Peter Hildebrandt: „In Eichen spricht man Deutsch.“ Die größten Sprachgruppen seien Russisch, Türkisch, Polnisch und Arabisch, zählt der Vereinschef auf. Er selbst ist 1987 aus der Sowjetunion gekommen, hat drei Kinder (19,22 und 23 Jahre alt). Wedel ist ebenfalls Vater von drei Kindern (sieben, 15 und 16), er lebt seit 1999 in Eichen und stammt aus Kirgistan.

Weil die Vielfalt eben so groß ist in Eichen, möchte die Bürgergemeinschaft vor den Sommerferien, an einem Samstag im Juni, nach längerer Pause das „Fest der Kulturen“ wieder aufleben lassen, das letzte ist 2019 gestiegen. Im Frühling will man erneut mit Kindergruppen ausrücken zum Abfallsammeln. „Eichen soll sauber bleiben und noch sauberer werden, die Kinder sollen Verantwortung lernen“, führt der Pädagoge Hildebrandt aus. Und dass der jüngste Sankt-Martins-Zug so viele Menschen – mehr Menschen als zuvor erwartet – gelockt hat, das macht den neuen Vorstand mächtig stolz.

Zurzeit dienen die beiden eigentlich längst viel zu kleinen, bereits im Gründungsjahr aufgestellten Container an der Eichener Straße der Gemeinschaft als Standort, auch für die so wichtigen Beratungsgespräche. Sie sollen jetzt aufgemöbelt werden. „Unser großer Wunsch ist es, dass wir Unterstützung aus der Stadtpolitik bekommen – und das gerne auch mit Geld, damit wir etwas neues aufbauen können“, schildert Peter Hildebrandt.

Politisch werden will die Bürgergemeinschaft indes nicht. „Aber wir wollen zeigen, dass es in Eichen für rechtes Gedankengut keinen Platz gibt“, betont er, etwa mit Blick auf den Erfolg der AfD auf der Maibuche bei der Kommunalwahl im September – gleichwohl bei überaus schwacher Wahlbeteiligung dort. „Vielmehr wollen wir den Menschen in Eichen vermitteln, dass viele von ihnen wählen dürfen und mitbestimmen können.“