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KircheGemischte Gefühle der Gläubigen zum Zusammenschluss der Pfarreien in Oberbergs Südkreis

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Weihbischof Ansgar Puff bei einer Predigt.

Weihbischof Ansgar Puff hielt im Festgottesdienst die Predigt und appellierte an die Gläubigen, ihre vielfältigen Fähigkeiten nicht zu verstecken.

In Waldbröl wurde am Neujahrstag im Rahmen eines Festgottesdienstes der Start der neuen Großpfarrei „St. Michael und St. Gertrud“ gefeiert.

Unter dem Motto „Eine Pfarrei – viele Gemeinden“ ist am Neujahrsnachmittag die Fusion der bisherigen Seelsorgebereiche „An Bröl und Wiehl“ mit „Morsbach-Friesenhagen-Wildbergerhütte“ zur Großpfarrei „St. Michael und St. Gertrud“ mit einem Gottesdienst in der voll besetzten Kirche St. Michael gefeiert worden. Der Festgottesdienst wurde von Weihbischof Ansgar Puff geleitet.

In seiner Begrüßung schilderte Kaplan Markus Brandt, dass der Gang zu dieser Verbindung im April 2021 mit der Bildung des Sendungsraums Oberberg-Süd beschritten worden sei. Seitdem hätten sich die Gemeinden mit ihren Stärken und Schwächen kennenlernen können.

Weihbischof Ansgar Puff: Fusion als Ermutigung und Herausforderung

Weihbischof Ansgar Puff lobte vor seiner Predigt den großen Chor unter Leitung von Dirk van Betteray und den kräftigen Gesang der Gemeinde. Mit Bezug auf die beiden vorhergehenden Lesungen beschrieb Puff die Fusion als Ermutigung und Herausforderung: „Gott ist da – auch in der neuen Pfarrei.“ Der Heilige Geist bewirke eine geheimnisvolle Nähe und lasse dadurch Gemeinschaft entstehen. Diese begründe sich im Wesentlichen jedoch nicht durch Sympathie oder räumliche Nähe, sondern durch mathematische Gesetze.

Der Weihbischof verglich die Gläubigen mit den vielen Punkten auf der Grundlinie eines Dreiecks: „Je mehr sie sich zur Spitze Jesus Christus bewegen, desto näher kommen sie sich untereinander.“ Er betonte die vorhandene Vielfalt an Begabungen der unterschiedlichen Gemeindemitglieder und appellierte: „Verstecken Sie Ihre Fähigkeiten nicht – sie werden in der Gemeinde gebraucht.“

Die Zukunft der Pfarrei hinsichtlich der Leitung sei indes noch unklar. Und es werde auch andere Herausforderungen geben. Dafür sei es hilfreich, sich ein Vorbild an der Gottesmutter Maria zu nehmen: „Es ist gut, unverständliche Dinge erst einmal im Herzen zu bewahren und gründlich darüber nachzudenken, anstatt vorschnell zu urteilen.“

Die Gläubigen sehen die neue Fusion mit gemischten Gefühlen. Verständnis für den Schritt gibt es angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen und Personalmangel in der Seelsorge. Eine Frau äußerte: „Ich bin gläubig und gehe gerne in die Kirche. Es wäre schade, wenn eine Gemeinde ganz aufgegeben würde.“ Kritiker bemängelten vor allem die Aufgabe der bisherigen Kirchenvorstände: „Der neue Gesamtvorstand hat die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinden nicht mehr so im Blick.“


Personalien

Neben der Fusion zum Neujahrstag bringt der Jahreswechsel auch einige personelle Veränderungen mit sich. Pfarrer Klaus-Peter Jansen tritt nach Vollendung seines 75. Lebensjahres in den Ruhestand, wird der neuen Pfarrei aber weiterhin als Subsidiar zur Verfügung stehen. Zudem scheiden mit Kirchenmusikerin Brigitte Anders und Pastoralreferent Markus Müller zwei langjährige Mitarbeiter aus dem Dienst aus. Trotz intensiver Bemühungen konnten ihre Stellen bislang nicht nachbesetzt werden. Nach Angaben von Pfarrverweser Markus Brandt wird das Pastoralteam deren Aufgaben im kommenden Jahr auffangen. (kup/höh)