Das muslimische Leben in der Öffentlichkeit Oberbergs ist laut Othmani unterrepräsentiert.
Mehr Raum für DialogIn Waldbröl konzentrierte sich ein Workshop auf das muslimische Leben

Der Caritas-Experte Jamel Othmani bei seinem Vortrag im evangelischen Gemeindezentrum in Waldbröl.
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„Muslimisches Leben in Oberberg“ – unter diesem Titel stand in Waldbröl jetzt ein Impulsworkshop, zu dem der Waldbröler Freundeskreis Asyl eingeladen hat. Im evangelischen Gemeindezentrum am Wiedenhof berichtete Dieter Brüser aus dem Leitungskreis, dass in Deutschland rund 5,3 Millionen Muslime leben, das sind rund sechs Prozent der Bevölkerung. Und in NRW seien es sogar mehr als acht Prozent. Schon der frühere Bundespräsident Christian Wulff habe gesagt: „Der Islam gehört zu Deutschland.“
Als Gastredner betonte Jamel Othmani, Mitarbeiter für den interreligiösen Dialog beim Caritasverband Oberberg, vor gut 20 Zuhörenden: „Wir wollen etwas bewegen.“ Doch sei das muslimische Leben in der Öffentlichkeit Oberbergs unterrepräsentiert. Kaum einer wisse, dass es mehr als 20 muslimische Gemeinden im Kreisgebiet gebe, dass einige davon gemeinsam mit Christen das Fastenbrechen feiern, dass zwei muslimische Notfallbegleiterinnen aus Nümbrecht und Bergneustadt die Notfallseelsorge ergänzen oder dass es einen Tag der offenen Moschee gibt.
James Othmani gab in Morsbach Einblicke in das muslimische Leben
Othmani gab Einblicke in das muslimische Leben und zeichnete die historische Entwicklung in Oberberg nach – seit den 1950er und besonders in den 1970er Jahren mit einer wachsenden Zahl an sogenannten Gastarbeitern. Er beschrieb die Strukturen der Gemeinden und deren religiöse Ausrichtungen: „Das muslimische Leben ist kein homogener Block.“ Das resultiere auch aus der Vielfalt der ethnischen Prägungen, etwa türkischen, arabischen, afrikanischen, pakistanischen, iranischen, afghanischen, bosnischen und kurdischen Lebens- und eben Glaubensformen. Hinzukämen zum Islam konvertierte Deutsche: „Das ist eine der spannendsten Gruppen“, betonte Jamel Othmani und ergänzte, dass ein Verständnis all dieser Hintergründe unabdingbar sei für einen respektvollen Umgang und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven.
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Der Experte kritisierte, dass muslimisches Leben auf Kreisebene praktisch ausschließlich auf das Thema „Migration“ reduziert werde. In den Kommunen werde es oftmals nur in Problemzusammenhängen, darunter Erziehung, religiöse Praxis, die Rolle der Frau oder Radikalisierung, betrachtet. Das Thema Islam werde vor allem von den Kirchengemeinden fokussiert: „Der interreligiöse Dialog braucht Zeit, Ressourcen und kontinuierliche Beteiligung, um nachhaltig zu wirken.“
Dieser Dialog müsse auf vier Ebenen stattfinden: Bei „Alltag und Nachbarschaft“ gehe es etwa um die Bereiche Schule, Aktionen im Wohnviertel oder Feste, beim Dialog des Handelns stehe der gemeinsame Einsatz für das Gemeinwohl mit Projekten und Hilfsaktionen im Vordergrund. Daneben gebe es den Dialog im theologischen Austausch und den Dialog der religiösen Erfahrung. Bei letzterem könne die Spiritualität etwa in der Besinnung geteilt werden, ohne die Religionen dabei zu vermischen.
Die Bereitschaft ist vorhandenNach seinem Vortrag betrachtete der Caritasvertreter Othmani mit der Gruppe, wie die vorherigen Inhalte auf die lokale Situation übertragen werden könnten. In einem gemeinsamen Brainstorming wurden Ansatzpunkte gesammelt – auch, wie in der Marktstadt Waldbröl Begegnung, Kooperation und Austausch konkret gestärkt werden könnten. Im Ergebnis gab es die Bereitschaft zur Fortführung dieses Prozesses und die gemeinsame Erkenntnis: „Dafür braucht es deutlich mehr Dialogräume.“

