- Weil er keine Atemschutzmaske im Bereich des Gummersbacher Busbahnhofs getragen hatte, war Samuel K. in den Fokus einer Fußstreife des städtischen Ordnungsamtes geraten.
- Seine Kontrolle verweigerte er, die Situation geriet aus dem Ruder.
- Nun stellt der Nigerianer klar: Er sieht seine Hautfarbe als Grund für die eskalierte Maskenkontrolle
Gummersbach – „Warum ausgerechnet ich? Da waren doch noch mehr Menschen am Busbahnhof, die keine Maske getragen haben.“ Der Nigerianer Samuel K. (Name von der Redaktion geändert) aus der Gemeinde Engelskirchen kann immer noch nicht fassen, was ihm am Freitag vergangener Woche in Gummersbach passiert ist.
Weil er keine Atemschutzmaske im Bereich des Gummersbacher Busbahnhofs getragen hatte, war er in den Fokus einer Fußstreife des städtischen Ordnungsamtes geraten. Wie am Montag dieser Woche berichtet, verweigerte der 38-Jährige laut Polizeibericht allerdings seine Kontrolle. Diese konnte deshalb erst die zur Hilfe gerufene Polizei erwirken, allerdings nur unter erheblicher Gegenwehr des Mannes. Nicht nur drei Beamte erlitten durch den Widerstand des Kontrollierten leichte Verletzungen. Auch er selbst trug kleinere Blessuren davon und landete am Ende in Handschellen zumindest vorübergehend im Polizeiarrest.
Ordnungsmitarbeiter folgten ihm
Dass nur er und niemand sonst ermahnt oder kontrolliert worden sei, führt der Afrikaner nach eigener Aussage vor allem auf seine Hautfarbe zurück. Beim Ortstermin mit dieser Zeitung zeigt er uns, welchen Weg er an jenem Freitag genommen hat: Vom Ladenzentrum Alte Post kommend sei er am Busbahnhof von Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes angetroffen worden. „Ich hatte meine Maske unters Kinn gezogen, als die beiden mir zuriefen, dass ich meine Maske hochziehen müsse“, schildert der 38-Jährige den Hergang aus seiner Sicht. Er habe erwidert, dass er gar nicht Bus fahren, sondern zum Steinmüllergelände wolle. Seiner Meinung nach habe er dafür keine Maske tragen müssen.
Dann sei er die Treppe hinuntergegangen in Richtung Steinmüllerallee. Dass ihm die beiden Mitarbeiter der Stadt weiter durch den Stadtgarten gefolgt seien, habe er nicht verstanden, sagt K., denn für ihn war der Fall offenbar schon erledigt.
Ordnungsamt hatte die Polizei um Amtshilfe gebeten
Was er nicht wusste: Das Ordnungsamt hatte inzwischen die Polizei alarmiert. Vier Beamte stellten den 38-Jährigen schließlich im Bereich des Forums vor der Filiale der Volksbank und baten ihn um seine Ausweispapiere.
Dass er die Papiere, wie von der Polizei berichtet, nicht habe zeigen wollen, bestätigt K. dieser Zeitung. Er habe den Beamten allerdings immer und immer wieder gesagt, dass am Busbahnhof Dutzende andere Menschen gestanden hätten, die auch keine Maske getragen hätten und trotzdem nicht kontrolliert würden. Warum dann er?
Der Ortstermin mit dieser Zeitung in dieser Woche bestätigt die Schilderung des 38-Jährigen, was das Tragen von Masken am Busbahnhof angeht: Kaum einer trägt diesen Schutz im Bereich der Bushaltestellen oder in der Unterführung zu den Bahnsteigen.
Abgesehen von zwei kleinen Zetteln, die auf die Maskenpflicht aufmerksam machen sollen, erfahren allerdings auch weder Fußgänger noch Bus- oder Zugreisende, was im Bereich des weitläufigen Areals des Gummersbacher Busbahnhofs denn nun Sache ist.
Das sagen Stadt und Polizei
Dass Samuel K. der Einzige gewesen sein soll, der von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes angesprochen wurde, bestätigt die Stadt Gummersbach keineswegs. Richtig sei vielmehr, wie deren Sprecher Siegfried Frank betont, dass die beiden Kollegen vom Ordnungsamt gleichzeitig mehrere Menschen am Busbahnhof aufgefordert hätten, ihre Masken zu tragen.
Und der 38-Jährige sei laut deren Bericht der Einzige gewesen, der dem nicht nachgekommen sei. Das sei der Grund dafür gewesen, dass man ihn gebeten habe sich auszuweisen. Das habe er abgelehnt. Auf dem Weg zum Steinmüllergelände habe man diese Aufforderung dann noch mehrfach wiederholt, ehe die Polizei um Amtshilfe gebeten worden sei, wie Frank den Hergang aus Sicht der Streife des Ordnungsamtes schildert.
In diesem Zusammenhang macht der Stadtsprecher auch deutlich, dass die Stadt den Standpunkt vertrete, dass das gesamte Areal des Busbahnhofs und des Bahnhofs unter die Maskenpflicht falle. Und die gelte auch, wenn man nur vorbeigehe und nicht mit Bus oder Bahn fahren wolle. Dass dennoch aktuell am Busbahnhof im Grunde niemand eine Maske trage, sei ihm von den Kollegen des Ordnungsamtes bestätigt worden.
Die Sprecherin der Polizei, Monika Treutler, erklärte aus Sicht ihrer Behörde, dass die vier Beamten im Rahmen der Amtshilfe die Mitarbeiter des Gummersbacher Ordnungsamtes bei der Feststellung der Personalien des 38-Jähringen unterstützt hätten. „So ein Amtshilfegesuch stellen wir als Polizei nicht in Frage“, betonte Treutler. Daher sei es zunächst darum gegangen, die Personalien des Mannes zu ermitteln, um zu wissen, wen man vor sich habe. „Und erst danach kommt man dann zum Sachverhalt.“ (ar)

