Ein Alpenüberquerung ist immer ein besonderes Erlebnis, mit dem Heißluftballon wird sie zum Abenteuer - wie für Markus Pieper aus Wiehl.
Unvergessliches AbenteuerWiehler überquerte mit dem Heißluftballon die Alpen

Auf der Fahrt mit dem Heißluftballon boten sich den beiden Piloten aus dem Ballon beeindruckende Ausblicke auf die Alpen.
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Ein grandioses Erlebnis hat sich der Wiehler Ballonpilot Markus Pieper zum Jahresausklang verschafft: Er hat mit dem Rundschau-Ballon kurz vor Silvester von Bayern aus die Alpen überquert. „Das habe ich mir schon lange wieder einmal gewünscht“, sagt der Ballonfahrer. Sein Waldbröler Pilotenkollege Marcus Strauf – zu der Zeit im Allgäu unterwegs – hatte ihn über die sehr guten Bedingungen informiert.
„So eine Alpenüberquerung ist immer sehr stark wetterabhängig“, erläutert Pieper. Grundsätzlich brauche es ein Tiefdruckgebiet und ein nachfolgendes Hoch, die beide nach Osten ziehen. Genau dazwischen entwickle sich eine Luftströmung von Norden nach Süden. Diese müsse allerdings in 4000 bis 5000 Metern Höhe auch eine Mindestgeschwindigkeit von 60 bis 70 Stundenkilometern haben, damit die Fahrt nicht zu lange dauert. Ansonsten könne es mit dem Gasvorrat knapp werden.
Sehr aufwendige Vorbereitungen
Die Vorbereitungen für eine solche Tour beschreibt der Pilot als aufwendig, zumal der Startpunkt rund 600 Kilometer von Oberberg entfernt liegt: „Ich versuche, eine Strömung zu finden, bei der ich südlich des Gardasees und nördlich von Venedig ankomme – das ist eine Grundvoraussetzung für die Planung.“
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Till Rimbach (l.) und Markus Pieper im Ballon.
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So hat er den ursprünglich vorgesehenen und näher am Alpenrand liegenden Startpunkt bei Füssen verworfen, weil er dabei in die Region Mailand gekommen wäre: „Eine Fahrt in den Luftraum des Flughafens Malpensa ist ein absolutes No-Go.“ Zudem müssen ein Mitfahrer und ein Verfolger organisiert sowie die Technik gründlich überprüft werden. Das sind neben Funkgerät und Transponder für die Radarerfassung auch zwei unabhängige Sauerstoffsysteme und jede Menge Gas: „Wir brauchen rund 200 Kilogramm, um fünf Stunden in der Luft bleiben zu können.“
Es ist nicht die erste Alpenüberquerung für Pieper. Doch sei es jedes Mal eine Herausforderung, sagt der Ballonfahrer. Eine große Hilfe bei der Planung seien die inzwischen von Wetterdiensten bereitgestellten Trajektorien, die Luftströmungen detailliert für unterschiedliche Höhen und Orte darstellen. „In früheren Jahren hatten wir Ausrüstung dabei, um notfalls eine Nacht in den Bergen verbringen zu können.“
An der Alpenkante waren schon zwei Gasflaschen leer
Am Montagabend waren die Vorbereitungen abgeschlossen und dann ging es nach Bayern. Auf eine kurze Nacht folgte der Start um 7.40 Uhr: „Für Ballonfahrer beginnt der Tag eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang.“ Mit seinem oberbergischen Studienfreund Till Rimbach erreichte Pieper recht schnell die angestrebte Reisehöhe von rund 4000 Metern. Sorgen machte ihm der anfangs hohe Gasverbrauch wegen der kalten Luft und fehlender Sonneneinstrahlung: „Bereits an der Alpenkante waren zwei der neun Flaschen leer.“
Doch dann lief es wie am Schnürchen – Windgeschwindigkeiten von 80 bis 90 Stundenkilometern glichen das Defizit aus. Für Überraschungen sorgten Linsenwolken über den Bergspitzen: „Die zeigen Aufwinde von fünf bis sechs Metern pro Sekunde und danach geht es mit der gleichen Geschwindigkeit wieder hinunter, obwohl der Brenner läuft.“ Bei dem unverhofften Aufstieg von mehr als 1000 Metern sei es wichtig, die Sauerstoffversorgung nachzuregulieren: „Wir haben ständig Kopfrechenaufgaben gelöst, um festzustellen, ob wir noch klar denken können.“
Fahrt geht an die Grenzen der Technik und des eigenen Leistungsvermögens
Pieper betont, dass so eine Fahrt an die Grenzen der Technik und des physischen Leistungsvermögens gehe. Gut, dass sie an heißen Tee gedacht hatten: „Das übrige Trinkwasser war bei minus 15 Grad gefroren.“ Trotz permanenter Nachkalkulation der Reiseroute und der Kontrolle der Gasflaschen sei Zeit gewesen, den spektakulären Ausblick über die Berge zu genießen: „Die Skiläufer bei Cortina d'Ampezzo wirkten wie Ameisen.“
Nicht unproblematisch war schließlich das Ende der vierstündigen Fahrt wegen starkem Bodenwind. Doch gelang die Landung sicher auf einem abgeernteten Maisfeld bei Pordenone, etwa 50 Kilometer von der Mittelmeerküste entfernt. „Das war ein unvergessliches Abenteuer“, sagt Pieper.

