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EishockeyNaemi Bär will es mit dem ERC Ingolstadt in der Ersten Liga noch einmal wissen

4 min
Naemi Bär sitzt auf einer Mauer.

Zwischen Training und Bachelorarbeit macht sich Naemi Bär mit ihrem neuen Wohnort Ingolstadt vertraut – im Hintergrund die Donau und das Neue Schloss.

Die ehemalige Eishockey-Nationalspielerin Naemi Bär aus  Drabenderhöhe feiert ihr Erstliga-Comeback in Oberbayern. 

Die Müdigkeit nach einem Training, das hat Naemi Bär schnell festgestellt, ist bei einem Erstliga-Klub dann doch ein bisschen größer. „Alles ist intensiver und anstrengender, die Spielerinnen haben eine bessere Technik, sie schießen härter, und auch die Einstellung zum Trainingsbesuch ist eine andere“, zählt die Eishockey-Spielerin aus Drabenderhöhe auf.

Seit Anfang August wohnt die 26-Jährige in Ingolstadt, das Trikot des Zweitligisten Kölner Haie hat sie mit dem des ERC Ingolstadt getauscht, des Deutschen Meisters von 2022. Drei bis vier Eiseinheiten pro Woche, dazu Athletiktraining, und das alles knapp 500 Kilometer entfernt von daheim in der Ingolstädter Saturn-Arena: Ein großer Schritt für Bär, die das Thema Erstliga-Eishockey eigentlich schon abgehakt hatte.

Naemi Bär spielte bis 2022 mit den Kölner Haien in der DFEL

„Bis 2022 habe ich mit Köln in der DFEL gespielt, aber es gibt einfach keinen Standort mehr in Nordrhein-Westfalen“, erklärt die Oberbergerin. Köln und Bergkamen haben sich aus der Deutschen Frauen-Eishockey-Liga (DFEL) zurückgezogen, die nur noch aus vier deutschen und zwei ausländischen Vereinen besteht (siehe Kasten) besteht. „Man verdient kein Geld mit Frauen-Eishockey, muss sogar alles selbst bezahlen – ich verstehe jede, die da aufhört“, sagt Bär.

Es war ihre gute Freundin und ehemalige Teamkollegin Aileena Dopheide aus Köln, die 2025 nach einem Aufenthalt am US-College zu den Ingolstädter Pantherinnen wechselte – und damit auch bei Bär den alten Ehrgeiz weckte. Ihre Bachelor-Arbeit für das Studium der Ernährungswissenschaften könnte sie doch überall schreiben, warum sollte sie es da nicht auch noch mal auf dem höchsten nationalen Niveau probieren? Schließlich galt die Offensiv-Allrounderin einst als großes Talent und kann auf die Erfahrung von mehr als 100 Erstliga-Einsätzen zurückblicken.

Zur Freude der Pantherinnen nahm Naemi Bär die Herausforderung an

International spielte Bär bei einer Nachwuchs-Weltmeisterschaft mit heutigen Nationalspielerinnen wie den Welcke-Zwillingen Luisa und Lilli oder Celina Haider. 2019 lief sie mit der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes bei der A-WM auf.

Um später nicht bereuen zu müssen, es nicht noch mal probiert zu haben, gab sich Naemi Bär einen Ruck und sagte Ingolstadt zu – sehr zur Freude der Pantherinnen, die immer auf der Suche nach Verstärkungen sind. Neben Dopheide kennt Bär auch andere ERC-Spielerinnen schon von früher, was den Einstieg deutlich erleichterte. Als der Klub ihren Wechsel in den Sozialen Netzwerken verkündete, „haben mir schon ein paar Leute geschrieben und gesagt, dass sie sich freuen“.

Die 26-Jährige lobt die guten Trainingsbedingungen in Ingolstadt

Mit dem Umzug nach Oberbayern hat die groß gewachsene Linksschützin kein Problem: „Ich bin ja auch mit 18 schon nach Berlin gegangen, um dort zu spielen.“ Außerdem kommt Freund Duncan, ein Crossfit-Coach, im Oktober nach. Dann will Bär das Zimmer, das sie aktuell zur Untermiete bewohnt, gegen eine gemeinsame Wohnung eintauschen. „Es ist nicht selbstverständlich, dass er das macht. Aber er unterstützt mich und findet es toll, dass ich so einen Spaß am Eishockey habe“, sagt sie.

Naemi Bärs erster Eindruck von der Audi-Stadt ist positiv: „Mir gefällt die schöne Altstadt“, sagt sie. Auch die Eishalle und die Trainingsbedingungen seien im Vergleich zu Köln deutlich angenehmer: „Wir haben eine schöne, eigene Kabine. In Köln hatten wir keine, da musste ich meine Tasche immer mitschleppen.“

Die Ingolstädterinnen beschäftigen mit der französischen Eishockey-Ikone Marion Allemoz eine neue hauptamtliche Trainerin und zahlreiche neue Spielerinnen. Die erste Vorbereitungspartie verloren die Pantherinnen trotz eines Bär-Treffers mit 2:3 nach Verlängerung in Mannheim, an diesem Samstag testen sie daheim gegen Zürich.

Das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft dürfte ein durchaus realistisches Saisonziel sein. Persönlich hat sich Naemi Bär vorgenommen, „gut in die Liga reinzufinden und das Team nach vorne zu bringen“. Und wenn das klappt, wäre sogar ein Comeback in der Nationalmannschaft nicht ausgeschlossen. Für diese Ziele lohnt sich auch das anstrengende Training.


Die DFEL

Die Deutsche Frauen-Eishockey-Liga (DFEL) besteht aus sechs Klubs, nur vier davon sind aus Deutschland: Dauermeister ECDC Memmingen, Eisbären Berlin, ERC Ingolstadt und die Mad Dogs Mannheim. HK Budapest aus Ungarn und ganz neu das Hockey Team Petrzalka aus der Slowakei komplettieren die Spielklasse. Die neue Saison beginnt am 12. September, Ingolstadt startet am 19. September (16 Uhr) mit einem Heimspiel gegen Vizemeister Berlin. Nach der Hauptrunde wird der Titel im Play-off-Modus ausgespielt.