Die Kommunale Wärmeplanung gibt überall in Oberberg den Startschuss für eine klimaneutrale Zukunft. Was kommt auf die Hausbesitzer zu?
WärmeplanungOberberg nimmt Abschied von der Gasheizung

Öl und Gas werden früher oder später aus den Heizungskellern verschwinden, schon aus wirtschaftlichen Erwägungen.
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Nun hat auch die Stadt Wiehl den Entwurf für ihre Kommunale Wärmeplanung vorgelegt. Eigentlich haben Kommunen dieser Größe Zeit bis Mitte 2028, doch viele oberbergische Nachbarstädte und -gemeinden werden sogar noch früher fertig als die Wiehler. Die meisten haben ebenfalls das Wuppertaler Büro BMU Energy Consulting beauftragt. Und die Ergebnisse ähneln sich: Die allermeisten Oberberger sollten sich langsam mit dem Gedanken an die Anschaffung einer Wärmepumpe anfreunden.
Der Bundesgesetzgeber hat die Kommunen verpflichtet, eigene Wärmepläne zu erstellen. Das im Wärmeplanungsgesetz formulierte Zieldatum für die CO2-neutrale Erzeugung ist 2045. Der Wiehler Energiebeauftragte Torsten Richling warnt: „20 Jahre hören sich lange an, sind aber schnell rum. Das wird eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten.“ Es geht um eine Strategie für das ganze Gemeindegebiet. Wie wird derzeit geheizt? Wie kann die Wärmeversorgung klimaneutral werden? Welche Maßnahmen sind dafür erforderlich?

Das Gutachten für die Stadt Wiehl sagt voraus, dass elektrisch betriebene Wärmepumpen bald dominieren werden.
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Die Antworten des Wuppertaler Gutachtens für die Stadt Wiehl kann jedermann nun im Internet nachlesen, das Dokument kann von der städtischen Homepage heruntergeladen werden. Der städtische Energiebeauftragte Richling sieht in dem Gutachten eine Bestätigung naheliegender Annahmen, vor allem aber eine reichhaltige Quelle von sehr konkreten Informationen für die kommunale Energiepolitik.
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Öl und Gas werden früher oder später aus den Heizungskellern verschwinden, schon aus wirtschaftlichen Erwägungen: Fossile Brennstoffe werden mit größter Wahrscheinlichkeit zügig teurer. Die Prognose der Gutachter orientiert sich dennoch am politisch fest gelegten Jahr 2045. Demnach nimmt der Gesamtwärmebedarf in den kommenden 30 Jahren um 26 Prozent ab, weil energetische Sanierungen den Gebäudebestand sukzessive verbessern. Der Wiehler Gebäudebestand bietet viel Energiesparpotenzial, denn 85 Prozent der Häuser sind älter als 30 Jahre. Die Gebäude mit einem Baujahr zwischen 1961 und 1980 sind besonders schlecht gedämmt und machen in Wiehl immerhin rund ein Drittel des Bestands aus.
20 Jahre hören sich lange an, sind aber schnell rum. Das wird eine Mammutaufgabe für alle Beteiligten.
Im Jahr 2030 beträgt der Anteil der aus Wärmenetzen gelieferten Wärme lediglich drei Prozent und erreicht auch 2045 nur einen Anteil von fünf Prozent am Gesamtverbrauch, sagen die Gutachter voraus. Der Ausbau der Wärmenetze beschränkt sich entsprechend auf kleinere Gebiete. Wärmenetze wird es, wenn überhaupt, in den Industriegebieten in Bomig und Marienhagen geben und einem kleinen Bereich am Altenheim Drabenderhöhe.
Kein Wärmepotenzial ergibt sich in Wiehl aus industrieller Abwärme. Die dortigen Unternehmen nutzen diese selbst zur Beheizung. Nur im Gewerbegebiet Marienhagen gibt es diese Option, dort steht aber auch eine Freifläche zur Verfügung, die für eine regenerative Wärmeversorgung genutzt werden kann. Etwa mit Erdsondenfeldern oder Großwärmepumpen.
94 Prozent der Wiehler werden elektrisch heizen
Laut Zielszenario des Gutachtens werden dagegen mehr als 94 Prozent der Wiehler künftig eine Wärmepumpe, Strom-Direktheizung oder ein Hybrid dieser Technologien nutzen. Die Umstellung auf diese dezentrale Wärmeversorgung wird eine erhebliche Zusatzbelastung für die Stromnetze mit sich bringen. Zugleich werden die Gasleitungen mit jedem Haus, das aussteigt, immer unwirtschaftlicher.
Das sind eher Probleme für die Energieversorger. Der Wiehler Experte Richling rät aber: „Jeder kann jetzt sehen, dass es bei ihm zu Hause in Angfurten oder einem anderen Wiehler Dörfchen kein Wärmenetz geben wird. Die Hausbesitzer müssen sich also die Frage stellen, auf welche Technik sie umsteigen wollen. Oder ob sie nicht zunächst mal neue Fenster brauchen.“ Man sollte nicht in Panik verfallen. Sinnvoll sei es jedoch, möglichst früh einen Energieberater hinzuzuziehen und dann am besten mit einem örtlichen Heizungsbauer ein Modernisierungskonzept zu entwickeln.
Für das oberbergische Handwerk werde die Wärmewende eine Herausforderung, rechnet der Experte vor: Wenn 8000 Wiehler Heizungsanlagen in 20 Jahren umgerüstet werden sollen, müssen Jahr für Jahr 400 abgearbeitet werden.
Bereits im Mai 2025 gab es in Wiehl eine Bürgerinformationsveranstaltung, in der die Ergebnisse der Potenzialanalyse in komprimierter Form vorgestellt wurden. Der komplette Bericht kann nun auch aus dem Internet heruntergeladen werden. Anregungen dazu nimmt Torsten Richling entgegen unter t.richling@wiehl.de.
„Schritt für Schritt vorgehen“

Michael Becker ist Geschäftsführer der BMU Energy Consulting GmbH, Wuppertal.
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Gibt es bei der Wärmeplanung typische Erkenntnisse und Perspektiven für die Kommunen des Oberbergischen Kreises?
Michael Becker: Die Kommunale Wärmeplanung schreibt nichts vor, sondern zeigt, was möglich ist: Wo ist ein Wärmenetz denkbar, wo wird man sich selbst kümmern müssen. Wärmenetze haben einen langen Planungsvorlauf, und man muss die Bürger früh ins Boot holen. Wärmenetze sind dort wirtschaftlich, wo es in der Nähe Freiflächen für die Wärmeerzeugung gibt und die Wärme ohne langen Transport verteilt werden kann. In eng bebauten Ortskernen sind viele Gebäude aufgrund von Lärmemissionen nicht für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe geeignet. Biomasse ist aufgrund der bereits starken Nutzung kein weiterer relevanter Faktor.
Worin liegen die Unterschiede?
Wir haben uns die Kommunen sehr kleinteilig angesehen. Großräumigere Studien berücksichtigen die Gegebenheiten vor Ort nicht ausreichend. Dann spiegelt sich die Topographie in den Ergebnissen nicht wider. Bergneustadt ist beispielsweise wegen der engen Tallage kaum für Wärmenetze geeignet. Beim Potenzial der Wärmedämmung kommt es sehr auf Alter und Bauart des Gebäudes an. Eine Schieferverkleidung abzunehmen und durch eine moderne Dämmung auszutauschen, kann teuer werden, so dass es gegebenenfalls besser ist, eine größer ausgelegte Wärmepumpe zu installieren.
Was empfehlen Sie den Hauseigentümern?
Der Einbau von Heizungen mit 65 Prozent erneuerbaren Energien ist erst ab Juli 2028 vorgeschrieben. Das steht aber zur Diskussion und kann sich noch ändern. So oder so sollte man dennoch möglichst früh eine Energieberatung in Anspruch nehmen, die auch gefördert wird. Es ist wichtig, einen Plan zu haben, bevor die alte Heizung kaputt geht. Dann kann man Schritt für Schritt vorgehen und die Finanzierung klären, ohne unter Zugzwang zu geraten.

