- Eigentlich stellt der Wipperfürther Dirk Möller Zäune her.
- Eines Tages hatte er eine Schnapsidee, die eine kleine Revolution in der Welt des Grills auslöste.
- Heute verkauft er seine Kreation an Spitzenköche aus der Republik.
Wipperfürth – Ein stabiler Sockel, ein Fass, reichlich Eisen und eine richtig gute Idee – fertig ist die kleine Revolution aus dem Bergischen, die in diesem Sommer Grillfans aus ganz Deutschland aufhorchen lässt.
Die erste „Tonado“-Grilltonne fertigte der Wipperfürther Dirk Möller noch aus einer Schnapsidee heraus – in diesen Tagen diskutiert er mit den Spitzenköchen der Republik über Hitzezonen und die besondere Konstruktion seines Ofens.

Die Tonados stellt Dirk Möller in Handarbeit her.
Copyright: Jens Schmitz
Besuch in Möllers Schlosserei im Gewerbegebiet Klingsiepen: Aus der Ferne erinnert der „Tonado“ zunächst an einen gewaltigen Stehtisch. Ein 200-Liter-Fass thront auf einem Unterbau aus Stahl. Auf einer umlaufenden Reling aus Holz stützt man die Unterarme ab und blickt direkt auf die acht Millimeter dicke Eisenplatte, die auf der Tonnenspitze aufliegt. „Vorbild des Tonado ist die Plancha, also das Grillen auf heißer glatter Fläche. Die Idee entstand vor Jahrhunderten in Mexiko, später übernahmen sie die Spanier, die sie bis heute praktizieren“, erklärt Möller und legt das Schweißgerät beiseite.
An neun Versionen hat der Schlossermeister getüftelt, bis die Tonne zu seiner Zufriedenheit glühte. „Das Fett darf nicht von der Platte laufen – sowas stellt sich ja sonst niemand auf einen hochwertigen Terrassenboden“, berichtet Möller von Kinderkrankheiten der Fass-Konstruktion. Gleich unter der Eisenplatte ist die Brennkammer mit Zylinder installiert, die mit Holz oder Kohle befeuert wird – die Trommel einer ausrangierten Waschmaschine, wie Dirk Möller verrät. Nachschub erhält er regelmäßig von einem Elektro-Schrotthändler aus dem Ruhrgebiet. „Vom Fass bis zur Brennkammer steht der Grill für Recycling und Nachhaltigkeit.“

Die Grilltonnne Tonado beim Testgrillen im Stoi. Der frühere Bauernhof gehört dem Spitzenkoch Ludwig Maurer, hierher lädt er regelmäßig bekannte Kollegen ein. Das Besondere am Tonado ist die Platte mit den unterschiedlichen Temperaturzonen.
Copyright: Dirk Möller
Die Hitze überträgt sich auf das Eisen. Vier Zonen hat Möller dabei ausgemacht. Auf dem kleinen Rost direkt über der Flamme herrschen Temperaturen bis zu 600 Grad, etwa zum kurzen harten Anbraten von Steaks. Im äußersten Ring nahe der Holztheke sind es gerade noch um die 90 Grad. „Die richtige Wärme zum Nachgaren, um Käse zu schmelzen oder Burger-Buns zu toasten“, erklärt der Wipperfürther. Die Schaffung dieser Zonen war bei der Konstruktion kein Selbstläufer. Lange hat Möller nach der richtigen Metallmischung gesucht, um die Hitze wie gewünscht zu leiten.
Deutscher „Fleischpapst“
Die Möglichkeit des gemütlichen Zonengrillens auf einem Gerät ließ den bayerischen Edel-Gastronomen Ludwig Maurer aufhorchen, den Medien gerne als deutschen „Fleischpapst“ betiteln und der mit vielen Sterne- und Fernsehköchen zusammenarbeitet. Im Frühsommer stellte Dirk Möller seine Erfindung im „Stoi“ vor, dem zur Event-Bühne umgebauten Hof der Familie Maurer – mit durchschlagendem Erfolg. Seither klopfen die Luxusausrüster der deutschen und europäischen Grillgemeinde an Möllers Tür, Anfragen für den Export in die USA liegen vor.
Wie der Wipperfürther damit umgehen soll, weiß er noch nicht so recht. „Natürlich sind wir wahnsinnig stolz auf die tollen Reaktionen“, lächelt Möller. Andererseits: „Da stehen mitunter Stückzahlen im Raum, die ich gar nicht herstellen kann.“ Bislang waren Zäune und Tore sein Kerngeschäft, das er auch nicht aufgeben möchte.
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Dirk Möller hat inzwischen Feierabend. Freunde kommen nach Klingsiepen, der allererste „Tonado“ wird befeuert. Seine Gäste schätzen vor allem die Geselligkeit rund um die Tonne. Im Herbst wärmt sie durch die abstrahlende Hitze von unten, trotzdem bleibt das Bier oben auf der Holzreling kalt. Jeder ist mit einer kleinen Schaufel ausgerüstet und grillt sein Gericht selbst. „Die Zeiten, in denen einer am Grill stand und der Rest abseits wartete, sind mit der Tonne vorbei“, erklärt Dirk Möller. Der „Tonado“ ist seine Idee, die nun sehr weite Kreise zieht.
Informationen zur Grilltonne und Kontakt zu Dirk Möller gibt es hier.
Am Sonntag, 17. September, wird die Tonado-Grilltonne auch in der Fernseh-Doku „Deutschland grillt“ des Nachrichtensenders N-TV ab 19 Uhr vorgestellt.

