Ein Geschäftskonto von Michael Atug aus Wipperfürth hat sich bei der Kreissparkasse Köln in Luft aufgelöst. Wie? Das bleibt unklar.
Böse ÜberraschungKonto eines Wipperfürthers war plötzlich gelöscht

Der Wipperfürther Michael Atug wartet noch auf Antworten der Kreissparkasse Köln.
Copyright: Michael Atug
Da staunte Michael Atug nicht schlecht, als er sich letzten Donnerstag in seinem Büro an den Computer setzte, um sich in ein Geschäftskonto bei der Kreissparkasse Köln einzuloggen: Das seit Jahren genutzte Konto, auf dem ein mittlerer fünfstelliger Betrag lag, existierte plötzlich nicht mehr. War weg. Verschwunden. Von jetzt auf gleich.
„Nach dem Einloggen konnte ich weder eine Übersicht sehen noch mein Guthaben. Aber im Postfach fanden sich immerhin die alten Kontoauszüge“, berichtet Atug, Inhaber der MAW Werkzeuge GmbH in Wipperfürth. Er war also ins richtige Konto eingeloggt.
Und da sagt mir die Beraterin am Telefon ganz entsetzt: Tut mir leid, ich sehe gerade: Ihr Konto wurde vor 14 Tagen gelöscht!
Sein erster Gedanke war, dass der Fehler mit dem neuen Aktivierungs-PIN zusammenhängen könnte, den er gerade eingegeben hatte. Also rief er kurzerhand bei der Kreissparkasse an, um Klärung herbei zu führen. „Und da sagt mir die Beraterin am Telefon ganz entsetzt: Tut mir leid, ich sehe gerade: Ihr Konto wurde vor 14 Tagen gelöscht!“
Das saß! Als er nach einer Stunde immer noch keine weiterführende Rückmeldung seines Kreditinstitutes bekommen hatte, fasste er noch mal nach: „Ich habe wieder angerufen, ich wollte endlich wissen: was ist da passiert? Und vor allem: Wo ist mein Geld?“
Was er zu hören bekam, sorgte nicht unbedingt für Beruhigung. „Da hieß es bei der Kreissparkasse, irgendein Mitarbeiter hätte das Konto versehentlich gelöscht.“
Atug: „So was gibt’s doch nicht! Ich bin jetzt seit 32 Jahren selbstständig und man erlebt im Geschäftsleben ja wirklich viel Verrücktes – aber das ist für mich echt die Krönung. Ich habe nix falsch gemacht, und plötzlich wird das Konto ohne Vorwarnung gelöscht.“
Mit fernmündlichen Entschuldigungen und dem Eingeständnis, der ganze Vorfall sei ihnen selbst völlig schleierhaft und dem Versprechen, man werde das alles wieder regeln, wollte sich der Wipperfürther dann aber nicht zufrieden geben. „So billig sollen dir mir nicht davon kommen“, sagt er und forderte die KSK auf, eine ausführliche schriftliche Stellungnahme zu schicken.
E-Mail: Geld sei wieder da
Eine erste schriftliche Entschuldigung kam recht schnell: „Es hat sich um einen bedauerlichen Fehler unsererseits gehandelt. Das hätte nicht passieren dürfen und wir verstehen Ihren Unmut darüber vollkommen“, heißt es darin. Die Behebung sei bereits angestoßen und die Wiederherstellung des Kontos sei in Arbeit. „Ihr Guthaben war selbstverständlich zu keinem Zeitpunkt gefährdet.“ Am Freitagabend kam dann noch eine E-Mail mit dem kurzen Hinweis, sein Geld sei nun wieder auf dem Konto. „Eine Unverschämtheit“, findet der Unternehmer. Denn den treiben jetzt natürlich etliche Dinge um.
Was ist da genau passiert? Kann das wieder passieren? Wer hat an dem Konto rumgefummelt und warum? Und wo ist das Geld eigentlich hin? Und was ist mit den ganzen Kontodaten passiert?
„Ich habe viele Fragen. Zum Beispiel: Was ist da genau passiert? Kann das wieder passieren? Wer hat an dem Konto rumgefummelt und warum? Und wo ist das Geld eigentlich hin? Und was ist mit den ganzen Kontodaten passiert? Was ist denn mit dem Datenschutz? Wie sollen wir jetzt nachvollziehen, ob und von wem in der Zwischenzeit Geld eingegangen ist? Und nicht zuletzt: Wenn das Konto mit Geld drauf schon gelöscht wird – wieso meldet sich denn dann niemand bei mir und fragt, wohin sie das Geld jetzt überweisen sollen? Was wäre denn passiert, wenn ich mich jetzt nicht gemeldet hätte? Oder wenn ich nicht anhand der Kontoauszüge hätte nachweisen können, wie viel Geld auf dem Konto war? Wäre die Sache dann einfach im Sande verlaufen und das Geld wäre verschwunden?“
Spannend ist natürlich auch: „Kriegen die das Konto wieder so hin wie es war – mit der alten Kontonummer? Und was kommt da jetzt sonst noch alles auf mich zu?“
Kreissparkasse gibt sich schmallippig
Bis gestern hatte er auf all diese Fragen keine erschöpfende Antwort erhalten. Und auch auf unsere Anfragen hin gab sich das Kreditinstitut ziemlich schmallippig: Es sei richtig, dass das Konto ihres Kunden Michael Atug irrtümlich gelöscht wurde. „Es handelte sich dabei um einen menschlichen Fehler und Einzelfall, welcher nicht hätte passieren dürfen. Wir bedauern den Vorfall ausdrücklich. Unmittelbar nach Kenntnis des Fehlers haben wir das Konto wieder aktiviert. Das Guthaben des Kunden war zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Wir haben den Vorfall intern aufgearbeitet, um künftig ähnliche Fehler zu vermeiden.“
Auf Nachfrage, ob über diese kurzen Zeilen hinaus denn noch mit Antworten auf die konkreten Fragen zu rechnen sei, hieß es lediglich, dass sich die Kreissparkasse über dieses Statement hinaus nicht zu diesem Fall äußern werde.
