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Anwohner-BeschwerdenKonflikt um Gladbacher Ponyhof wird zur Chefsache

Lesezeit 3 Minuten
Wie viele Kinder und Jugendliche hat auch die 20-jährige Johanna die Patenschaft für ein Pony übernommen.

Wie viele Kinder und Jugendliche hat auch die 20-jährige Johanna die Patenschaft für ein Pony übernommen.

Bergisch Gladbach – Die Stadtverwaltung sucht nach einer Lösung für den Ponyhof Sonnenschein in Moitzfeld.

Jedoch ohne dabei konkret zu sagen, wie es weitergehen könnte. Bürgermeister Lutz Urbach hat den Konflikt inzwischen zur Chefsache erklärt. Er möchte aber keine Versprechungen machen oder falsche Hoffnungen wecken: „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht.“

Bei einem Gespräch mit allen Beteiligten im Rathaus – Vertretern der städtischen Bauaufsicht, des Ponyhofs sowie des Hauptbeschwerdeführers – sei „der Sachstand erörtert und konstruktiv diskutiert worden“, teilt das Pressebüro der Stadt Bergisch Gladbach mit – ausschließlich von dort kommen von nun an Auskünfte zu dem Thema. Alle anderen haben sich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Den Beteiligten seien „Prüfaufträge“ mit auf den Weg gegeben worden, die jetzt auf ihre Umsetzbarkeit hin untersucht würden. Urbach sehe in dem angedachten Lösungsweg eine Chance, „dass wieder Ruhe in Klein Hohn einkehrt“. Ohne inhaltlich darauf einzugehen, wie ein Kompromiss aussehen könnte.

Beschwerden von Nachbarn

Wie berichtet, hat die Bauaufsicht die Ponyhof-Besitzerin Sabine Hoff unter Androhung eines Zwangsgeldes aufgefordert, den Betrieb ihres Ponyhofes einzustellen. Beschwerden aus der Nachbarschaft hätten das behördliche Verfahren in Gang verbracht, rechtfertigt die Stadt ihr Vorgehen.

Denn der Betrieb des Reitplatzes sei im Jahr 1998 nur unter der Bedingung geduldet worden, dass Nachbarn sich nicht belästigt fühlten. Vor allem ein zugezogener Nachbar, dessen Haus unmittelbar an den Reitplatz grenzt, sei mit dem Pferdebetrieb nicht einverstanden und habe sich wegen des aufwirbelnden Staubs durch das Hufgetrappel und Lärmbelästigung mehrfach bei der Stadt beschwert. Angeblich seien die vereinbarten Ruhezeiten nicht eingehalten worden. Dies bestreitet jedoch Betreiberin Sabine Hoff.

Das mögliche Aus der Anlage bewegt viele Großeltern, Eltern, Kinder und Jugendliche. Schon mehr als 12 400 Unterzeichner einer Online-Petition äußern ihr Unverständnis darüber, dass das Naturerlebnis in Klein Hohn verboten werden soll. Die Initiatorin Marion Hintermaier hat die Petition „Rettet den Ponyhof Sonnenschein“ persönlich an Bürgermeister Urbach adressiert.

„Mir geht es darum, auf diese Weise für einen Dialog zu sorgen“, sagt Marion Hintermaier. Gerade als Nachbarn müsse man sich doch einigen können. In dem Ponyhof sehe sie ein wertvolles Angebot: zuerst nur für ihre siebenjährige Tochter, inzwischen aber auch für sich selbst. „Vor drei Jahren hat meine Tochter die Pflegepatenschaft für ein damals krankes Pony übernommen“, erzählt sie. Sie möge sich nicht vorstellen, was mit diesem Tier und den anderen 24 passiere, wenn hier jetzt Schluss sein sollte. Wie für ihre Tochter seien die Besuche bei den Ponys sowie die Reit- und Voltigierangebote für viele Kinder und Jugendliche zu einem festen Bestandteil der Freizeitbeschäftigung geworden, sagt Marion Hintermaier. Für manche sogar zu noch mehr, wie für die 20-jährige Johanna. Sie sagt, der Ponyhof sei für sie zu einem zweiten Zuhause geworden.

Die vor einem Jahr gegründete Initiative „Kinder und Tiere in der Natur“ hat den Ponyhof Sonnenschein jetzt zu ihrem aktuellen Projekt gemacht.

Die 65 Mitglieder machen es sich allgemein zur Aufgabe, über Aktivitäten zum Tier- und Naturerleben zu informieren und Angebote für Kinder und Tiere in Bergisch Gladbach und im Großraum Köln zu unterstützen. Marion Hintermaier, Sprecherin der Initiative in Bergisch Gladbach, will auch diese Plattform nutzen, um sachlich über die Geschehnisse auf dem Ponyhof zu berichten. So möchte sie verhindern, dass sich die Atmosphäre in der Nachbarschaft der Anlage weiter vergiftet.

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