Der Bergische Naturschutzverein und der Fischereiverein sichern an mehreren Stellen im Kreisgebiet frequentierte Routen mit Amphibienzäunen.
AmphibienschutzDamit auch in Hebborn die Kröten nicht unter die Räder kommen

Die Freiwilligen vom Bergischen Naturschutzverein errichten wieder an wichtigen Amphibien-Routen Schutzzäune. In Bergisch Gladbach-Hebborn konnte man so im vergangenen Jahr mehr als 1100 Erdkröten vor den Autoreifen retten.
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Wann genau ihre große Wanderung beginnt, das hängt vom Wetter ab. Allerdings dürften sie schon in den Startlöchern stehen, oder besser: in den Erdlöchern. Hunderte von Erdkröten und andere Amphibien machen sich bald wieder auf den Weg. Bei milden Temperaturen und viel Feuchtigkeit suchen sie ihre angestammten Laichgewässer auf.
Eine beschwerliche und gefährliche Reise, die sie im Frühjahr auf sich nehmen, um ihre Art zu erhalten. Statt neues Leben zu schaffen, finden viele dabei allerdings den Tod: Hauptfeind auf der Tour: der gemeine Autoreifen. Damit der nicht zu viele Opfer fordert, stellen die freiwilligen Helfer des Bergischen Naturschutzvereins (RBN) – an mehreren Stellen in Zusammenarbeit mit dem Kreisfischereiverein Bergisch Gladbach – an besonders stark frequentierten Routen wieder Schutzzäune auf.
Die grüne Folie schützt wichtige Amphibienrouten im Kreisgebiet
Seit Jahren geschieht das schon in Odenthal-Landwehr, unweit der Dhünn, aber auch im Freudenthal in Overath-Untereschbach hat man damit gute Erfahrungen gemacht. Seit einem Jahr gehört auch der kleine Weg in Bergisch Gladbach, der am Hebborner Hof vorbei zu den Weilern Unter- und Oberholz führt und von Autofahrern gerne als Abkürzung genutzt wird, zu den durch die grüne Folie geschützten Amphibienrouten.
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Gedränge im Eimer: Wie hier in Odenthal-Landwehr sammeln sich die Amphibien im Eimer und müssen dann auf den sicheren Weitertransport und ihre Freilassung warten.
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Am Rande der Wiese treiben acht Frauen und Männer die großen Metallbügel in den weichen Boden, die die Folie halten. An einigen des rund 400 Meter langen Weges ist die Plane schon gespannt. Hier wird die Erde später noch angehäufelt, damit keine kleine Kröte unter der Folie hindurchschlüpfen kann. Dann werden die 20 Fangeimer in den Boden eingelassen. In sie plumpsen später die Tiere, wenn sie die Folie entlangkriechen, um einen Durchlass zu finden.
1160 Erdkröten landeten 2025 im Eimer und nicht unter dem Autoreifen
Ab dort geht es mit dem bequemen und vor allem sicheren Kröten-Shuttle weiter: Freiwillige kontrollieren morgens und abends die Sammelbehälter, zählen und registrieren die Exemplare und tragen die Tiere schließlich im Eimer über die Straße. „Im vergangenen Jahr haben wir 1160 Erdkröten eingesammelt, einige Salamander, Molche und auch einen Grasfrosch“, berichtet Petra Lebek, eine der acht Tatkräftigen, die an diesem Tag mit anpacken.
Sie ist Mitglied im Naturschutzverein, wohnt in der Nachbarschaft und hatte sich schon lange für einen Amphibienzaun an dieser Stelle stark gemacht. „Es ist kein schöner Anblick, wenn man all' die überfahrenen Tiere sieht“, sagt sie. Doch ein Zaun in dieser Länge koste locker zwischen 3000 und 4000 Euro.
Freiwillige helfen den Tieren im Eimer über die Straße
Nun habe man das Geld durch Spenden aufgetrieben und die Rettungsaktion kann starten. Nur den durch die Wiese führenden Hohlweg sollten die Kröten besser meiden. Er ist als Wanderweg ausgewiesen, der kniehohe Amphibienzaun dürfe ihn nicht kreuzen, so Lebek – ein kleines, aber gefährliches Schlupfloch.

Erdkrötenweibchen haben es nicht leicht: Die Männchen lassen sich gerne huckepack zum Laichgewässer schleppen.
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Freigelassen werden die Tiere auf der Wiese gegenüber. Von hier müssen sie aus eigener Kraft zum nahen Teich am Hebborner Hof kriechen – es sei denn, man ist ein Erdkröten-Männchen. Dann macht man es sich einfach auf dem Rücken eines Weibchens bequem und lässt sich Huckepack zum Teich tragen. Wenn es für die Krötendame schlecht läuft, kommen gleich mehrere Männchen auf diese Idee und missbrauchen die Kröte als Mitfahrgelegenheit.
Dank für den weiblichen Kraftakt ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: „Wenn die Männchen im Gewässer nicht loslassen, kommt es vor, dass sie das Weibchen ertränken“, erzählt Amphibienexperte Claus Steck ungerührt. Die Gleichberechtigung ist bei den Erdkröten ganz offensichtlich noch nicht angekommen.

