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Neuanfang
41-Jähriger wird Pfleger in Gladbacher Krankenhaus

RB Pflegefachkraft (41)

Tino Wittkamp gefällt am Pflegeberuf vor allem der Kontakt zu den Menschen. 

Bergisch Gladbach – Zwei Bettpfannen zu balancieren und dabei noch die Tür vom Patientenzimmer schließen – für Tino Wittkamp ist das eine leichte Übung. Anfang Oktober hat der 41-Jährige die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft begonnen. Er ist sich sicher, dass dieser Beruf ihn erfüllen wird.

Im August 2021 kam er als Ein-Euro-Jobber in die Abteilung Hauswirtschaft des Evangelischen Krankenhauses (EVK), „Eine Wiedereingliederungsmaßnahme, eine coole Sache, bei der man echt die Chance kriegt, zu beweisen, dass man was kann, dass man pünktlich ist“, sagt Wittkamp. Er ist dankbar, dass ihm Sebastian Schneider, Leiter der Hauswirtschaft, so viel Vertrauen entgegenbrachte.

Bergisch Gladbach: Start als Ein-Euro-Jobber

In der Bettenzentrale hat er die Schmutzwäsche von den Betten abgezogen, die Betten hygienisch aufbereitet – körperlich anstrengend, manchmal auch kompliziert. Schnell hat er aber gemerkt, dass er auch mit den Patienten einen guten Kontakt hatte, wenn er das Krankenbett aus dem Zimmer holte. Schon nach zwei Monaten Ein-Euro-Job wurde ihm eine 100 Prozent-Stelle angeboten, als ein Kollege wechselte. Und nun die Ausbildung zur Pflegefachkraft. „Ich glaube, ich habe ein kleines Talent für den Umgang mit den Patienten – ich komme gut mit allen Leuten klar“, sagt Wittkamp. „Man muss einschätzen, wie der Mensch drauf ist, dafür habe ich ein Gefühl.“

Als sich vor einigen Wochen herausstellte, dass in der EVK-Bildungsstätte für Pflege Rhein-Berg noch Plätze frei waren für die Ausbildung zur Pflegefachkraft, hospitierte er sofort in der Altenpflege, denn das Praktikum war Voraussetzung für den Ausbildungsvertrag. „Die Kollegen haben mir sofort gesagt, du musst direkt die harten Sachen machen und schauen, ob du das hinkriegst“, erinnert er sich.

Angehender Pfleger hat keine Berührungsängste

„Also, Berührungsängste habe ich nicht, der Sprung ist schon krass, aber Popo abwischen gehört eben auch dazu.“ Verinnerlicht hat er den Tipp vom Kollegen, nicht zu viel darüber nachzudenken, wenn was komisch riecht, und weitermachen in der Pflege. Von romantischen Vorstellungen ist Tino Wittkamp also weit entfernt, aber er freut sich auf den Kontakt mit den Menschen und die Ausbildungszeit in der Alten- und Krankenpflege. Ein bisschen Sorge, ob er den Stoff schafft, hat er hin und wieder. Aber er ist optimistisch: „Ich schaffe das, ich traue mir das zu.“

Es ist eine Herausforderung, aber zugleich ein großer Ansporn für den 41-Jährigen, der ein „paar Jährchen“ arbeitslos war. „Ich habe einen holprigen Lebenslauf, war nirgendwo mehr als drei Jahre“, erzählt er über sein Leben. „Mit der großen Lücke war es schwierig, in die Arbeit reinzukommen. Bei den Bewerbungsgesprächen konnte ich wohl nicht vermitteln, dass ich auch länger als drei Jahre bleiben würde.“

Gelernt hat er Rollladen- und Jalousienbauer, hat eine Ausbildung zum Luftsicherungsassistenten am Flughafen absolviert, als Handformer in einer Steingießerei und als Verkäufer im Einzelhandel gearbeitet. Und er hat sein Abitur nachgeholt.

Chance in Bergisch Gladbach ergriffen

Als er nach langer Arbeitslosigkeit in die Wiedereingliederungsmaßnahme der Arbeitsagentur und der Förderinitiative in Trägerschaft des EVK Mensch und Arbeit aufgenommen wurde, ergriff er seine Chance: „Ich werde in diesem Jahr 42 Jahre alt, ich will sesshaft werden, Karriere machen, was Vernünftiges tun.“ Ansporn für ihn ist auch das alte Haus vom Opa, das er geerbt hat und sanieren will, und seine Lebenspartnerin. Seine vielschichtigen Lebens- und Berufserfahrungen könnten ihn dabei unterstützen, alle Pläne umzusetzen Zug um Zug.

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