In Bergisch Gladbach haben die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen einen Masterplan für die Innenstadt beantragt.
PlanungEin Masterplan soll Gladbachs City neu ordnen

Die Stadthäuser an der Gohrsmühle
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Mit der Entwicklung des ehemaligen Zanders-Geländes steht der Bergisch Gladbacher Innenstadt eine große Veränderung bevor. In einem gemeinsamen Antrag beauftragen CDU und Grüne/SPD die Stadtverwaltung, einen städtebaulichen Masterplan für die Stadtmitte zu erstellen, der eine detaillierte Betrachtung einzelner Teilbereiche beinhaltet: Bahnhofsumfeld, Postgelände, alte Stadthäuser und Stadtbücherei. Es ist das erste Mal nach der Kommunalwahl 2025, dass die drei großen Fraktionen im Stadtrat bei einem bedeutenden Zukunftsprojekt an einem Strang ziehen.
Dabei ist allen drei Fraktionen wichtig, „die Nutzungsmöglichkeiten der städtischen Flächen im Zusammenhang zu betrachten“, heißt es in dem Antrag, der am 5. März im Planungsausschuss auf der Tagesordnung steht. Der Stadtverwaltung wird eine Art Handlungsbaukasten an die Hand gegeben mit der klaren Zielsetzung: Einzelentscheidungen, etwa zur Zukunft der alten Stadthäuser in allerbester Lage, sollen auf einer „funktionalen Gesamtvision beruhen“.
Vorher gab es Differenzen
Verschiedene Szenarien für die Innenstadt sollen städtebaulich sowie hinsichtlich verschiedener möglicher Nutzungen präsentiert werden, um eine „begründbare und nachvollziehbare Verteilung etwa von Wohnen, Hotel, Gewerbe, öffentliche Bereiche “ zu erkennen. Zuletzt, als es Ende November darum ging, was aus dem großen Areal der städtischen Bürogebäude im Zentrum wird, konnten sich die beiden Lager CDU und SPD/Grüne nicht über das Vorgehen einigen. Zu groß waren die Differenzen.
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Obwohl die Zeit drängt. Denn die Immobilien werden leer stehen, wenn die Stadtverwaltung jetzt im Frühjahr umzieht in das umgebaute, frühere AOK-Gebäude in Heidkamp. Die wichtigen Fragen Erhalt/Teilerhalt oder Abbruch der Gebäude sowie die Frage, wie Investoren gewonnen werden können, wurden vertagt. Jetzt der Schulterschluss zwischen CDU und der Koalition SPD/Grünen und damit eine breite Mehrheit.
Stadt für Konzeptverfahren
Die Stadtverwaltung hatte vorgeschlagen, jetzt schnell im Rahmen eines sogenannten Konzeptverfahrens, bei dem Interessenten ihre Nutzungsvorschläge vorstellen können, in die Suche nach potenziellen Investoren für die Stadthäuser einzusteigen. Stattdessen soll nun, laut Antrag von CDU und SPD/Grüne, zuvor eine „vertiefende Bearbeitung“ vorgeschaltet werden. Hierzu sollen bildliche Darstellungen und Varianten erarbeitet werden, die städtebauliche Strukturen im Zusammenhang mit der Bebauung in der Umgebung veranschaulichen.
Für die Gestaltung der entlang der Straße An der Gohrsmühle – Stadtkante genannt – gelegenen Grundstücke vieler verschiedener Eigentümer wird die Zusammenarbeit mit der Entwicklungsgesellschaft NRW.Urban angestrebt, darauf einigten sich die drei Fraktionen. Die 100-prozentige Tochtergesellschaft des Landes Nordrhein-Westfalens solle die Planung und Durchführung des Prozesses übernehmen.
Mit der Papierfabrik
Bei der Erarbeitung eines Masterplans müsse zudem zwingend das Zanders-Gelände einbezogen werden, um die Innenstadtfunktion zu stärken. Zudem sollen insbesondere die Verzahnungen und Wegebeziehungen zur City konkret ausgearbeitet werden. Ihrem Antrag fügen CDU, SPD und Grüne noch zwei Prüfaufträge bei.
Die Verwaltung soll zum einen klären, ob entlang der Straße am Konrad-Adenauer-Platz eine Einbahnregelung für die Busse möglich ist, einschließlich der Auflistung von Vor- und Nachteilen sowie Lösungen zur Verlagerung der zweiten Bushaltestelle. Zum anderen soll geprüft werden, ob die Bushaltestelle „Markt“ in Fahrtrichtung Turbokreisel verlegt werden könne, um die Situation für zu Fuß gehende zu verbessern.
Tomás M. Santillán, Einzelratsmitglied (Linke), meldet sich mit einem Änderungsantrag zu Wort: Er hält bei der Erstellung des Masterplans eine Bürgerbeteiligung für unverzichtbar. Die Stadtverwaltung soll ein Konzept mit mindestens drei öffentlichen Formaten – Spaziergänge, Werkstätten, Planungsforen – erarbeiten. Die im Antrag genannten Flächen beträfen die Lebensrealität vieler Bürger, betont Santillán.
Bücherei zieht in die Kantine
Die Prüfaufträge, Visualisierungen, Darstellungen verschiedener Varianten werden allerdings viel Zeit benötigen – das könnte ein Nachteil sein an einem Gesamtkonzept. Leer stehende Bürotürme sind kein schöner Anblick und nicht gut für die Bausubstanz, das muss man auch wissen.
Der Auszug der Stadtbibliothek aus dem Forum-Gebäude steht zudem noch in weiter Ferne. Da ist eine schnelle Entscheidung , was aus dem maroden Gebäude wird, gar nicht nötig. Die Bücherei soll, wie berichtet, in die ehemalige Kantine auf dem Zanders-Gelände ziehen. Doch zuvor muss erst noch ein Fachbüro die bibliotheksfachliche Umsetzung in dem zweigeschossigen Gebäude prüfen.
Erst dann können Umbau und Einrichtung der früheren Kantine stattfinden. Die Kosten werden von der Stadt aktuell mit 20 Millionen Euro veranschlagt.

