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Bergisch GladbachFür die losen Pflaster der Buchmühlenstraße ist Besserung in Sicht

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Zu sehen ist eine Straße mit herausstehenden Pflastersteinen.

Stolperfallen wie diese auf der Buchmühlenstraße können zu Stürzen von Passanten führen.

Anfang März will die Stadt Sanierungsvorschläge für die losen Pflastersteine vorliegen haben.

Passanten meiden bereits die Buchmühlenstraße im Laurentiusviertel. Die Pflastersteine, erst 2013 verlegt, sind in diesem Bereich ein wahres Desaster. Kaputt, lose, locker, kaum ein Stein ist noch heile, besonders in der Passage hin zum Haus der Volkshochschule. Seit einiger Zeit schon sind dort große Matten zur Absicherung über die Straße gelegt. Fußgänger müssen besonders gut aufpassen, um sturzfrei voranzukommen.

Nach Beschwerden zahlreicher Bürger und auch des Vorsitzenden des Seniorenbeirates, Martin Derda, will die Stadt umgehend reagieren. Anfang März soll es für die Öffentlichkeit und Politik einen Zwischenbericht und Sanierungsvorschlag geben, teilt die Verwaltung auf Nachfrage mit.

Durch Asphalt ersetzt

Im Dezember hatte Derda im Mobilitätsausschuss auf das Problem hingewiesen. Damals hatte der Erste Beigeordnete Ragnar Migenda ausgeführt, dass das Buchmühlen-Pflaster entfernt und durch Asphalt ersetzt werde. Das Bild an der Buchmühlenstraße könnte sich also bald deutlich verändern.

Ein Handeln der Stadt sei an dieser Stelle einfacher als beim ebenfalls schadhaften Pflasterbelag an der Hauptstraße, hatte der Erste Beigeordnete berichtet. Dort seien 2013 andere Pflasterverleger unterwegs gewesen. Mit den Pflasterern an der Hauptstraße liegt die Stadt seit fast zehn Jahren in einem langwierigen Rechtsstreit.

Passanten stürzen immer wieder

Was für viele Passanten ein Dauerärgernis ist: An vielen Stellen der Fußgängerzone sieht es beim Pflaster ähnlich aus wie an der Buchmühlenstraße. Das einstige Vorzeigepflaster, mit Fördergeld der „Regionale 2010“ verlegt, ist mittlerweile ein Aufregerthema. Stürze von Passanten gibt es immer wieder, eigentlich sollten die Gladbacher nach dem großen Umbau sicher übers ebene Pflaster „schweben“. Das Gegenteil ist der Fall. Stadt und Baufirma streiten nach wie vor zur Schuldfrage, über Gutachten und Gegengutachten müssen Gerichte entscheiden. 2020 soll ein Sachverständiger nach Informationen dieser Zeitung in einem vorläufigen Gutachten zur Erkenntnis gelangt sein, dass angeblich die Baufirma auf falschem Untergrund verlegt haben könnte. Als Folge müsse das gesamte Pflaster ausgetauscht werden. Die Baufirma bestreitet den Fehler und gibt der Stadt die Schuld. Diese habe das Pflaster nach dem Verlegen nicht „nachgesandet“, sondern Kehrmaschinen eingesetzt. Das habe die Situation verschlimmert.

Aber auch in dieses Thema kommt Bewegung: Voraussichtlich im Mai, werden die städtischen Planer den Blick auf die gesamte Fußgängerzone richten und Varianten für eine mögliche Sanierung der Fußgängerzone Hauptstraße vorstellen. Das berichtet die Stadt ebenfalls auf Nachfrage. Details sind noch in der Vorbereitung. Sollte tatsächlich das gesamte Pflaster neu aufgenommen werden müssen, droht eine monatelange Durststrecke für Einzelhandel und Gastronomie. Es sind aber auch Teillösungen vorstellbar.

Missstände müssen behoben werden

Im Pflasterbelag tauchen mittlerweile immer mehr Asphaltstellen auf. Baukolonnen der Stadt sind regelmäßig in der Fußgängerzone anzutreffen, mit großen Schaufeln und Rüttlermaschinen wird der Kaltasphalt in den Untergrund gepresst. Manchmal sind es vier, fünf oder sechs Steine, die in einem Arbeitsschritt entfernt werden müssen. Der schwarze Asphalt diene der Verkehrssicherung, berichtet die Verwaltung. Die Stadt sei verpflichtet, Missstände und Gefahrenstellen umgehend zu beseitigen. Dies habe im Zweifelsfall auch Vorrang vor dem Urheberschutz. Und so macht sich Asphaltstelle um Asphaltstelle in der Fußgängerzone breit. Das seinerzeit mit viel Hoffnung verlegte Pflaster ist damit deutlich auf dem Rückzug.

Aber warum gibt es derart viele Schäden auf einem Pflaster, das kaum mehr als zehn Jahre alt ist? Die Stadt äußert sich auf Nachfrage jetzt erstmals öffentlich dazu. „Der Hauptgrund ist die mangelhafte Wasserdurchlässigkeit von Schottertragschicht und Bettung, die sich unter dem Pflaster befinden“, erklärt sie. Das führe dazu, dass sich dieser sogenannte „ungebundene Oberbau“ betonartig verhärtet und dem Pflaster beim Überfahren die erforderliche Elastizität, bekannt als weiche Bettung, fehlt und sich die Steine gegeneinander „aufschaukeln.“ Dadurch könne man einzelne Steine nicht mehr ins Gefüge einsetzen. Sprecher Patrick Ortmanns: „Neben einer großflächigen Sanierung bleibt als einzige Möglichkeit die Verfüllung mit Asphalt.“ Dieses Material passe sich aufgrund seiner eigenen Elastizität dem restlichen Pflaster an.

Zum Stand des Gerichtsverfahrens äußert sich die Stadt nicht. Dies sei bei „schwebenden Verfahren“ so üblich. „Da das Gutachten Grundlage eines sehr sensiblen Regressverfahrens ist, nimmt die Stadt öffentlich keine Stellung, um die erstrebten Abstimmungs- und Einigungsprozesse im Verfahren nicht zu gefährden“, hatte die Verwaltung zuletzt mitgeteilt. Auch von einer gerichtlichen Moderation war die Rede gewesen. Die Kostenfrage wird bei den angekündigten Beratungen im Frühjahr ein Thema sein. Das neue Verlegen der Pflastersteine könnte schnell zu einem Millionenprojekt werden.