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Glatteis-UnfälleErst in Bergisch Gladbach operieren lassen und danach wieder nach Hause fahren

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Chefarzt und OP-Managerin in OP-Kleidung stehen im Aufwachraum der Patienten und prüfen den Ausdruck für den heutigen OP-Plan.

Unfallchirurgie-Chefarzt Dr. Gereon Schiffer (l.) und OP-Managerin Amila Steinbacher haben das Ambulante Operationszentrum an den Start gebracht.

Im Ambulanten Operationszentrum (AOZ) der GFO Kliniken Rhein-Berg operieren seit 2024 Ärztinnen und Ärzte der Klinik und mit Praxis. 

Schneematsch, Glatteis und Eisregen haben Anfang dieser Woche manchen aus Bergisch Gladbach ins Schlittern gebracht – genauso wie das Team des Ambulanten Operationszentrum (AOZ) im Ärztehaus Marienberg der GFO Kliniken Rhein-Berg. Denn immer wenn für die einen die unfreiwillige Rutschpartie mit einem Knochenbruch endete, musste sich das AOZ-Team um Dr. Gereon Schiffer, Chefarzt der Unfallchirurgie, und OP-Managerin Amila Steinbacher über den schon wohlüberlegten OP-Plan beugen, um Termine für diese Patienten freizuschaufeln.

Es gab viel zu tun, im AOZ und in Bensberg, wo man sich um die stationär zu Versorgenden kümmert. Es sei ein organisatorischer Spagat gewesen, aber insgesamt waren die Fallzahlen (siehe Kasten) noch gut zu bewältigen, so die OP-Managerin. Dank verbesserter Warnhinweise wagten sich bei widrigen Straßenverhältnissen inzwischen weniger Leute auf die Straße, erklärt der Unfallchirurg. Außerdem habe es schon schlimmere Winter mit herausfordernderen Witterungsbedingungen gegeben.

Am Ende des Tages ist entscheidend, dass die Patienten und Patientinnen zufrieden nach Hause gehen.
Dr. Gereon Schiffer, Unfallchirurg und Chefarzt im AOZ

Die Fusion zu den GFO-Kliniken vor einigen Jahren war auch die Geburtsstunde des heutigen AOZ. Damals fiel die Entscheidung, in den Räumen des ehemaligen Marienkrankenhauses ein Zentrum für die ambulante Versorgung mit drei Operationssälen einzurichten. Seit Mai 2024 operieren hier nicht nur Klinik-Ärztinnen und Ärzte der Fachrichtungen Urologie, Gynäkologie, allgemeine Chirurgie sowie Unfallchirurgie sondern auch Unfallchirurgie- und Orthopädie-Kolleginnen und Kollegen mit Praxis.

Für die damals neue Arbeit im AOZ wurde auch ein komplett neues Team aufgestellt. Insgesamt zwölf Fachkräfte kümmern sich hier, teils in Teilzeit, um das Wohl und die Gesundheit der Patienten. „Das Fachpersonal muss Lust haben, hier zu arbeiten. Hier haben wir schnelle Wechsel und keine aufwendigen langen OPs“, beschreibt die OP-Managerin das Arbeitsumfeld. Die Aufgabe des AOZ bestehe letztlich darin, dass die Patienten „am Ende des Tages zufrieden nach Hause gehen“, formuliert es Chefarzt Schiffer. Dazu gehört neben der Operation selbst auch die prä- und postoperative Versorgung, also das Davor und Danach.

Einige Patienten fiebern der OP noch entgegen, andere erwachen in den Nachbarbetten aus der Narkose

Die beginnt beim Empfang der Patienten, wenn alle Unterlagen noch mal geprüft und möglicherweise noch offene Fragen geklärt werden können. Danach geht es zuerst in die Umkleiden, durch die Schleuse und dann in den Vorbereitungsraum, wo die Patienten für die OP verkabelt werden und Infusionszugänge bekommen. Insgesamt ist in diesem nur durch weiße Vorhänge geteilten Raum Platz für neun Betten.

Während einige Patienten ihrer OP noch entgegenfiebern, erwachen in den Nachbarbetten andere gerade aus der Narkose. „Die Vorhänge erinnern manchen vielleicht an ein Lazarett“, schmunzelt OP-Managerin Amila Steinbacher.

Das Ambulante Operationszentrum (AOZ) der GFO Kliniken Rhein-Berg peilt für dieses Jahr 3500 Operationen an

Aber die Patienten störten sich daran nicht, wie Befragungen gezeigt hätten: „Sie möchten versorgt werden und dann wieder nach Hause.“ Bevor es jedoch soweit ist, müssen Ärzte und Fachpersonal erst noch weitere wichtige Fragen mit dem Patienten besprechen: Wie gestalten wir die Schmerztherapie? Welche Tabletten soll die Patientin mit nach Hause nehmen? Wie soll er oder sie sich zu Hause verhalten?

Ein AOZ läuft im Idealfall wie eine gut geölte Maschine, alle arbeiten Hand in Hand. 2025 hat das Zentrum im Ärztehaus Marienberg 3000 Operationen durchgeführt, wobei der dritte OP-Saal allerdings noch nicht voll genutzt wurde. Im Schnitt pro Tag 15 OPs. Für dieses Jahr, wenn perspektivisch alle Säle belegt sind, werden 3500 Operationen ins Visier genommen. Zu 90 Prozent sind das elektive, also geplante Eingriffe.

Speichenbrüche dürfen jetzt auch ambulant operiert werden

Nach dem Jahreswechsel hatten Patienten und Patientinnen, die wegen Speichenbrüchen im Unterarm ärztlich versorgt werden mussten, Glück im Unglück. Dank einer neuen Regelung dürfen diese Verletzungen seither auch ambulant im AOZ versorgt werden, die Betroffenen können sich den stationären Krankenhausaufenthalt mitunter sparen.

Wie Speichenbrüche gehören auch Leistenbrüche (schon seit 1. Januar 2024) zu den Hybrid-DRGs, Diagnosen, die sowohl ambulant als auch stationär ärztlich versorgt werden können. Eine Diagnosis Related Group (DRG) ist eine diagnosebezogene Fallgruppierung. Das pauschalierende Abrechnungssystem legt fest, welche ärztlichen Leistungen die Krankenkassen in welcher Höhe vergüten. Wer sich hingegen das Sprunggelenk oder den Oberschenkel bricht, bleibt ein Fall fürs stationäre Krankenhausbett.