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SelbstexperimentGladbacher Schüler verzichten drei Wochen lang auf ihr Handy

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Ein Junge schaut auf den Korb, in den die Jugendlichen ihre Handys legen.

Noch ein letzter Blick: Die Smartphones der Schülerinnen und Schüler werden eingesammelt.

Von heute auf morgen offline: So geht es 16 Siebtklässlerinnen und Siebtklässlern, die ihr Smartphone für drei Wochen abgeben.

Wir hören Musik, chatten mit Freunden oder scrollen durch Facebook, Instagram und Co. Egal wann, egal wo, das Handy ist unser treuer Begleiter. Aber wie wäre es, wenn wir unser Smartphone einmal komplett beiseitelegen? Dieser Frage gehen 16 Schülerinnen und Schüler des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums (NCG) in den nächsten drei Wochen nach.

Ganze drei Wochen verzichten die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler auf das Handy. Ihre Smartphones werden in dieser Zeit im Schulsafe eingeschlossen. Das Experiment wurde vom Bildungsministerium Österreich ins Leben gerufen und wird zudem wissenschaftlich begleitet. Das NCG ist eine der ersten Schulen Deutschlands, die teilnehmen.

Wir verbringen so viel Zeit an unserem Handy, dass wir unsere Grundbedürfnisse vernachlässigen, zum Beispiel unseren Schlaf.
Schülerin des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums

Beim Besprechen des Romans „Erebos“ von Ursula Poznanski kam das Thema Computerspielsucht auf. Die Schülerinnen und Schüler waren sich jedoch einig, dass bei ihnen eher Smartphones und vor allem die sozialen Medien problematisch seien. Viele verbringen zu viel Zeit vor dem kleinen Bildschirm. Eine Schülerin erklärte: „Wir verbringen so viel Zeit an unserem Handy, dass wir unsere Grundbedürfnisse vernachlässigen, zum Beispiel unseren Schlaf“.

Als Deutschlehrerin Verena Soworka schließlich das Experiment „3 Wochen ohne Handy“ präsentierte, war die Begeisterung zunächst gering. Die Jugendlichen konnten sich anfangs nichts darunter vorstellen, berichtet sie. Nachdem sie im Unterricht den Film „3 Wochen ohne Handy – Schulexperiment“ sahen, änderten sich die Meinungen nach und nach. Zunächst gab es sechs Freiwillige, später waren es 14 und zum Start nahmen insgesamt 16 Jugendliche teil.

Schüler erhoffen sich mehr Zeit draußen oder mit der Familie

Bevor es richtig ernst wurde, besprachen die Schülerinnen und Schüler noch einmal gemeinsam mit ihrer Deutschlehrerin ihre aktuelle Gefühlslage, sowie ihre Motivation für die kommenden Wochen. Eine allgemeine Aufregung machte sich im Klassenraum breit. Die Jugendlichen schilderten ihren Gemütszustand recht unterschiedlich, einige zeigten sich gelassen, während andere sich ein wenig gestresst und aufgeregt fühlten.

Eine Gruppe von teilnehmenden Jugendlichen steht mit der Deutschlehrerin Verena Soworka im Klassenraum.

Start in ein besonderes Experiment: Die Teilnehmenden gemeinsam mit Deutschlehrerin Verena Soworka.

Die Motivation war aber überwiegend gleich, alle wollen die drei Wochen durchziehen. „Ich möchte mehr Zeit draußen verbringen, kreativer werden und auch nach den drei Wochen weniger am Handy sein“, erzählte eine Schülerin aus der zweiten Reihe. Andere berichteten davon, mehr Zeit mit ihren Familien verbringen zu wollen oder von dem Vorhaben, ihre Konzentration für die Schule zu verbessern.

Anton-Proksch-Institut begleitet das Experiment an der Schule

Schließlich kam dann der spannende Moment, Frau Soworka startete den Countdown. Von zehn zählten alle gemeinsam laut herunter. Bei null angekommen, schalteten alle ihre Smartphones komplett aus. Anschließend wurden die Handys in einem kleinen Korb eingesammelt, um dann in den Schulsafe gebracht zu werden.

Das Projekt wird vom Anton-Proksch-Institut und der Sigmund Freud Privatuniversität Wien wissenschaftlich begleitet. Fragebögen vor, während und nach dem Experiment sollen Erkenntnisse über die Auswirkungen liefern. Auch Verena Soworka und Klassenlehrer Dr. Holger Stawitz nehmen am Experiment teil. Die Deutschlehrerin berichtete, dass auch sie zu Beginn Zweifel hatte, denn das Smartphone begleitet auch rein praktisch durch den Alltag, beispielsweise durch Onlinebanking oder Online-Terminplaner. Sie wollte jedoch mit einem guten Beispiel voran gehen und das Projekt gemeinsam mit ihrer Klasse durchziehen.

Es gehe nicht nur ums Durchhalten, betonte Verena Soworka abschließend. Wer das Experiment abbreche, solle sich nicht schlecht fühlen, sondern stolz auf das sein, was er erreicht habe. Entscheidend sei, aus der Erfahrung zu lernen und persönliche Ziele zu verfolgen. Sie blickt zuversichtlich auf die kommenden Wochen und ist überzeugt, dass sie und ihre Klasse die handylosen drei Wochen schaffen können.