Abo

CDU-NeujahrsempfangChefin des Automobilindustrie-Verbands spricht in Bensberg über Energie

3 min
Hildegard Müller steht hinter einem Pult und hält eine Rede

Hildegard Müller möchte Gerechtigkeit bei Energiekosten. 

Gastgeberin Hildegard Müller war bislang die einzige weibliche Bundesvorsitzende der Jungen Union.

Wer soll idealerweise die deutsche Automobilindustrie repräsentieren? Zum Image würde wohl ein lautes, männliches Alphatierchen passen. Aber so will sich die Branche selber sicher nicht sehen. Dann doch besser eine sympathische, kluge Frau – um gleich zu zeigen, dass die Automobilindustrie eben ganz anders als ihr Ruf ist.

Hildegard Müller ist die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie und war die Gastrednerin beim Neujahrsempfang der CDU im Kardinal-Schulte-Haus in Bensberg. Müller hat auch ein CDU-Parteibuch und war bislang die einzige weibliche Bundesvorsitzende der Jungen Union. Vor rund 100 Gästen präsentierte sich Müller als eine Frau, die einen Verband vertritt und dabei nicht parteiisch erscheinen will.

In Brüssel lässt sich Frau von der der Leyen auch lieber mit Vertretern von Naturschutzverbänden fotografieren als mit mir
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie

Und was für einen Verband: Indirekt beschäftigt die Automobilindustrie in Deutschland rund vier Millionen Menschen. Wichtiger geht eigentlich nicht. Wenn auch nicht sehr beliebt. Müller: „In Brüssel lässt sich Frau von der der Leyen auch lieber mit Vertretern von Naturschutzverbänden fotografieren als mit mir.“

Aber ihr Vortrag drehte sich hauptsächlich nicht um die Automobilindustrie, sondern um den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa, der akut gefährdet sei. Und in einer Zeit, in der viel davon die Rede ist, Produktionslinien wieder zurück nach Europa zu holen, war ihr Vortrag so etwas wie ein leidenschaftlicher Appell für die Globalisierung. Anders seien die globalen Probleme auch gar nicht zu lösen.

Müller will ehrliche Energiedebatte

Sie erinnerte daran, dass ein Land wie Indien 2070 CO2-neutral produzieren wolle. Und die Freude darüber, dass wir die hohen Energiekosten relativ gut überstehen, relativierte sie: „Andere Länder können diese Kosten nicht stemmen.“ Gastanker, die ihren Kurs ändern, weg von ärmeren Ländern in Richtung Deutschland, weil wir mehr fürs Gas bezahlen können, seien global gesehen ein riesiges Problem. Müller warb für eine ehrliche Diskussion, eine ehrliche Energiedebatte, um an dieser Stelle dann doch die Interessen ihres Verbandes nach vorne zu stellen.

Von 300 Euro auf über 1000 Euro seien die Energiekosten pro erzeugtem Fahrzeug gestiegen. In den USA seien es aktuellen 350 Euro pro Fahrzeug. „Das sind die Wettbewerbsnachteile, mit denen wir kämpfen.“ Das Ende des Verbrennungsmotors sei global gesehen überhaupt nicht absehbar. Deshalb müsse diese Technologie auch weiter entwickelt werden. Zum Beispiel mit umweltfreundlichen Kraftstoffen.

Aber auch in Deutschland sei es unmöglich, in kurzer Zeit auf Elektrofahrzeuge umzustellen. Selbst wenn die Automobilindustrie so viele Autos produzieren würde und es auch genügend Ladestationen gebe – „jeder weiß, dass es die nicht gibt“ – fehle es an klimaneutralen Kraftwerken, um den Strom für all diese Autos zu produzieren. Thomas Hartmann, der CDU-Vorsitzende des Stadtverbandes, bedankte sich Hildegard Müller und versprach den Mitgliedern weitere Veranstaltungen zu den Neujahrsempfängen , die eher zum Nachdenken anregen.