Ein Betrüger hat einen in Bergisch Gladbach wohnenden Kölner Geschäftsmann um 270.000 Euro erleichtert. Er muss für zwei Jahre in Haft.
ProzessFalscher Freund betrügt Geschäftsmann in Bergisch Gladbach um 270.000 Euro

270.000 Euro Bargeld wolle er über die Grenze nach Luxemburg schaffen, um so legal Steuern zu sparen, versprach ein Betrüger, behielt das Geld aber für sich.
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Ein in Bergisch Gladbach lebender Kölner Geschäftsmann ist in der Hochphase von Corona von einem Betrüger um mehr als eine Viertelmillion Euro geprellt worden. Jetzt mussten sich der Gauner, ein in Haft sitzender gescheiterter Betriebswirt, und seine Lebensgefährtin und Mutter seines Kindes, eine Krankenschwester, vor dem Bensberger Schöffengericht verantworten.
Nachdem sich der Angeklagte im Prozess anfangs gesperrt hatte, legte er am Ende des ersten Verhandlungstages doch noch ein Geständnis ab und kassierte die Quittung: Zwei Jahre Haft ohne Bewährung. Das Verfahren gegen die Krankenschwester wurde eingestellt.
Bargeld-Übergabe an der Autobahnauffahrt Köln-Dellbrück
Auf den Geschädigten, einen heute 72 Jahre alten Geschäftsmann, hatte der Gauner äußerst überzeugend gewirkt, wobei dahingestellt sei, ob da zu große Vertrauensseligkeit, Naivität oder auch Gier die entscheidende Rolle spielte.
Denn was bringt einen in einem prächtigen Anwesen lebenden betuchten Menschen mit viel Berufs- und Lebenserfahrung dazu, seinem neuen Mieter erst 110.000 Euro Bargeld auszuhändigen und ein paar Wochen später noch einmal 160.000 Euro? Und das Ganze einmal zu Hause und beim zweiten Mal an der Autobahnauffahrt Köln-Dellbrück?
270.000 Euro haben Adam (42) und Eva (33) laut Anklage auf diese Weise ergaunert. Die Kölner Staatsanwaltschaft warf den Eltern eines kleinen Jungen (die in Wirklichkeit natürlich anders heißen) gemeinschaftlichen besonders schweren Betrug in zwei Fällen vor.
Betrüger mietete sich mit Familie im Ferienhaus in Gladbach ein
Laut Anklage hatten sich die beiden Angeklagten zusammen mit ihrem damals knapp einem Jahr alten Kind zum 10. Dezember 2020 unter falschen Namen in das Ferienhaus des Geschäftsmannes und seiner Ehefrau eingemietet. Es steht auf dem gleichen Grundstück wie das Wohnhaus.
Die Gauner hätten sich, so die Staatsanwältin weiter, als eine aus Amerika kommende Familie ausgegeben, die ursprünglich aus Stuttgart stamme. Adam habe behauptet, er sei leitender Mitarbeiter und Vermögensberater der amerikanischen Vermögensverwaltungsfirma Blackrock, der für einige Monate in Deutschland zu tun habe, und Eva habe zeitweise als Intensivärztin gearbeitet.
Gauner gab sich als Mitarbeiter von „Blackrock“ auf Geschäftsreise aus
In den folgenden Wochen habe sich das hoch stapelnde Pärchen das Vertrauen der wohlhabenden Gladbacher erschlichen. Der falsche Vermögensberater habe sodann angeboten, das Vermögen der Vermieter zu mehren. Die Eheleute aus Gladbach eröffneten ein Depot bei einer Bank, füllten es mit 300.000 Euro auf und ließen laut Anklage Adam damit arbeiten.
Nach einigen Wochen habe Adam behauptet, er habe bereits große Gewinne erzielt. Das Geld könne er in bar über die Grenze nach Luxemburg schaffen, dort einzahlen und anschließend wieder dem Depot gutschreiben lassen. Auf diese Weise könne der Geschäftsmann legal Steuern sparen.
Böses Erwachen kam nach Ostern
Der Mann habe die Lüge geglaubt und am 11. März 2011 zuerst 110.000 Euro Bargeld und am 30. März 2021 weitere 160.000 Euro überreicht. Das böse Erwachen folgte: Über die Ostertage, zwischen dem 3. und dem 7. April, setzten sich Adam und Eva mit ihrem Kind ab. Es erging Haftbefehl, der Polizei gelang es, die Gesuchten aufzuspüren.
Zum Prozessauftakt am späten Donnerstagvormittag wurde Adam aus der Zelle vorgeführt. Der mehrfach einschlägig vorbestrafte Angeklagte, der wie seine Partnerin im Kosovo geboren wurde, seit frühester Kindheit aber in Deutschland lebt, brummt aktuell frühere Strafen ab. Dagegen befand sich seine Lebenspartnerin und Mutter des Kindes auf freiem Fuß.
Nach Verlesung der Anklage und einem fast einstündigen Rechtsgespräch sprach Adam zunächst wortreich darüber, dass er ohne jede Betrugsabsicht in das Ferienhaus eingezogen sei. Später am Tag, nachdem auch der betrogene Geschäftsmann seine Zeugenaussage gemacht hatte, legte Adam auf gutes Zureden seines Verteidigers doch noch ein Geständnis ab.
Für die Beute in Höhe von 270.000 Euro verfügte Richterin Brandes die Wertersatzeinziehung: Sollte Adam noch einmal legal zu Geld kommen, würde die Staatsanwaltschaft zugreifen. Das Verfahren gegen Eva stellte das Gericht wegen geringer Schuld ein. Der geschädigte Geschäftsmann hatte vor Gericht ausgesagt, dass sich der Betrug ausschließlich zwischen den beiden vermeintlichen Männerfreunden abgespielt hatte.

