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Große AuszeichnungDas ist Rhein-Bergs Unternehmer des Jahres 2026

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Udo Fielenbach in seinem Unternehmen in Bergisch Glabdach-Herkenrath.

Ob medizinische Instrumente oder Hüftpfannen-Implantate – Udo Fielenbachs Unternehmen Joke sorgt für glatte Oberflächen.

Udo Fielenbach von Joke Technology erhält den Unternehmerpreis 2026 für innovative Entwicklungen und erfolgreiche Unternehmensführung in Bergisch Gladbach.

Angela HilsmannBergisch GladbachGestern Abend wurde es feierlich im Kardinal Schulte Haus: Der Rheinisch-Bergische Kreis, die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft RBW, Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, IHK Köln und die Kreissparkasse Köln haben zum sechsten Mal den Rheinisch-Bergischen Unternehmerpreis verliehen. Preisträger der sechsten Auflage dieser Würdigung ist Udo Fielenbach, Geschäftsführer und Inhaber der Joke Technology GmbH in Bergisch Gladbach.

Jede neue Hürde, jede neue Krise hat immer auch eine Chance. Die müssen Sie finden.
Udo Fielenbach, Geschäftsführer und Inhaber Joke Technology GmbH

Die Jury zeichnete damit einen Unternehmer aus, der 2010 einen angeschlagenen 70 Jahre alten Betrieb übernahm und daraus einen europäischen Marktführer für Oberflächenfeinbearbeitung formte – und auch bereits die Übergabe an die nächste Generation organisiert.

Udo Fielenbach an einer Maschine in seinem Unternehmen Joke.

Die Arbeitsstation „Eneska Postpro“ war bereits preiswürdig.

Joke Technology gilt heute europaweit als Marktführer für Werkzeuge und Geräte zur manuellen Oberflächenfeinbearbeitung – Entgraten, Läppen, Schleifen, Polieren, Laserschweißen im Miniaturformat. Das Spektrum reicht von Spritzgussformen für Kugelschreiber über Hüftpfannen-Implantate bis zu Turbinenschaufeln von Flugzeugtriebwerken.

Udo Fielenbach und sein Sohn Alexander stehen auf einer Treppe.

Udo Fielenbach hat die Firma 2010 übernommen, demnächst übergibt er an Sohn Alexander.

Rund 20.700 Artikel führt das Unternehmen im Katalog, der Exportanteil liegt bei etwa 45 Prozent, aktiv ist Joke in 63 Ländern und zählt mehr als 10.000 Kunden pro Jahr. Die Schwesterfirmen Joke Technology und Joke Mechanix beschäftigen heute zusammen rund 150 Menschen.

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Fielenbach ist überzeugt: „Jede neue Hürde, jede neue Krise hat immer auch eine Chance. Die müssen Sie finden.“ So wie bei der Entwicklung der Arbeitsstation „Eneska Postpro“. Für sie erhielt das Unternehmen 2021 den Innovationspreis „Rheinland Genial“ der Metropolregion Rheinland. Den Anstoß für die Entwicklung gab auch hier eine besondere Herausforderung: 3D-gedruckte Bauteile müssen von Hand nachbearbeitet werden – dabei entstehen Pulver und Stäube, die gesundheitsgefährdend oder sogar explosiv sein können. Fielenbach und sein Team fanden die Lösung für das Problem – die komplett gekapselte, permanent abgesaugte Arbeitsstation, in der Anwender diese Arbeit mit festinstallierten Handschuhen und hinter einer Glasscheibe wie in einem Labor verrichten können. So ist für den nötigen Schutz gesorgt.

Eine Preisverleihungstafel steht vor dem Unternehmen Joke in Bergisch Gladbach-Herkenrath.

Die Firmen Joke Technology Gmbh und Joke Mechanix GmbH von Udo Fielenbach wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

Kunden der Technik sind die Fraunhofer-Institute, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Mercedes, BMW, ein Formel-1-Team, Nike oder Meta. „Man läuft in manche Sackgasse rein“, beschreibt Fielenbach den Entwicklungsprozess, „aber hin und wieder hat man auch da etwas gefunden, was in der Krise der positive Ausweg war.“

Viele Aufträge werden heute schon KI-unterstützt verarbeitet

Rund 150 Aufträge aus nahezu allen Branchen gehen täglich bei Joke ein, erzählt Fielenbach, viele davon werden inzwischen KI-gestützt automatisch erfasst. Dank KI lassen sich auch bei neuen Entwicklungsprojekten erste 3D-Entwürfe innerhalb eines Tages statt in wochenlanger Handarbeit erstellen. Und der Einsatz von KI kann noch weiter gehen: Langfristig möchte der Betrieb Rückmeldedaten aus seinen Geräten im Gebrauch nutzen, um automatisiert die optimalen Einstellungen für neue Anwendungen bei unterschiedlichen Materialien zu generieren. „Dann weiß das Gerät, mit welchem Werkzeug und welcher Drehzahl eine glatte Oberfläche entsteht“, erklärt der Unternehmer. Bis dahin, räumt Fielenbach ein, seien es aber noch einige Jahre Entwicklungsarbeit.

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Auch beim Namen steht ein Wandel bevor. Der Name „Joke“ geht zurück auf die Gründer Joisten und Kettenbaum. Im internationalen Geschäft sorgt das deutsch ausgesprochene „Joke“ indes für Verwirrung. Im Ausland werde es „wie das englische Wort für Witz“ ausgesprochen oder mit „Jockey“ verwechselt. Das soll sich ändern. Weil die firmeneigene Produktfamilie längst unter dem Namen Enesca läuft, soll Joke künftig zwar noch Bestandteil des neuen Namens sein, aber Enesca soll in den Vordergrund rücken.

Nachfolge ist geregelt – alle drei Söhne sind bereits im Unternehmen

Auch die Nachfolge bei Joke ist bereits geregelt. Alle drei Söhne arbeiten im Unternehmen. Designierter Nachfolger ist Alexander Fielenbach, er wird das Unternehmen in Kürze übernehmen.

Vater und Sohn verbindet vieles. Beide, sowohl der 69-Jährige als auch sein 34-jähriger Sohn – gelernter Industriekaufmann in einem Großkonzern, danach bewusster Wechsel in ein Kleinstunternehmen mit nur zwei Mitarbeitenden plus Chef, („Man sieht alles, man macht alles“) – setzen auf Lernen durch Praxis. Udo Fielenbach: „Das ist so ein bisschen wie den Führerschein machen. Sie lernen in der Fahrschule Grundkenntnisse, aber die wirklichen Erfahrungen machen Sie erst danach.“

Sein erstes Unternehmen hat Udo Fielenbach in Köln gegründet

Fielenbach hat sein erstes Unternehmen M-Plan, ein Ingenieurdienstleister vor allem für die Automobilindustrie mit Sitz in Köln und weiteren Standorten, zusammen mit Kollegen gegründet, als gelernter Einzelhandelskaufmann und ohne Studium. 2010 hat er es verkauft. Er sei schon immer „sehr automobilinteressiert“ gewesen, erzählt er. „Und wenn sie interessiert sind, dann kriegen sie mit der Zeit für einen Kaufmann schon ein sehr gutes Niveau“.

Udo Fielenbach (Senior) und sein Sohn Alexander Fielenbach (Junior) im Lager von Joke.

Udo Fielenbach (Senior) und sein Sohn Alexander Fielenbach (Junior).

Eigentlich ist das Interesse mehr eine Leidenschaft für den Motorsport. Beim Vater, der jahrzehntelang im Kartsport unterwegs war, und auch beim Sohn, aktiver Motorsportler. Heute widmet sich Udo Fielenbach, seit 32 Jahren und mit inzwischen rund 2900 Flügen, dem Gleitschirmfliegen, teils mehrtägig und ohne Motor. Zuletzt ging die Reise sogar von zu Hause bis ins polnische Stettin; drei Tage, begleitet von einem hinterherfahrenden Wohnmobil.

In der Corona-Zeit kurzfristig Schutzkittel produziert

Wie pragmatisch Fielenbach denkt, zeigte sich in der Corona-Zeit. Als über den Kreis und die RBW Hilferufe wegen fehlender Schutzausrüstung kamen, ließ er über die Ostertage 2020 kurzerhand Maschinen umrüsten, um Einweg-Schutzkittel zu produzieren. Am Ende liefen bis zu 36.000 Kittel am Tag vom Band, mit neu aufgebauter Logistik und einer Investition in Millionenhöhe.

Udo Fielenbach hät eine Tafel mit künstlichen Hüftgelenken.

Auch bei Hüftpfannen-Implantaten sorgt Joke für glatte Oberflächen.

Auch für die Stadt Bergisch Gladbach wurde Fielenbach aktiv, ganz ohne große Ankündigung. Bei der Übernahme von Joke 2010 hatte die Feuerwehr bereits eine Halle auf dem Firmengelände gemietet. Als das Mietverhältnis 2018 wegen Eigenbedarfs gekündigt werden musste, entstand daraus die Idee, ein komplettes Feuerwehrhaus nach den Wünschen der Stadt zu bauen. Vertraglich fixiert wurde das noch im selben Jahr, 2020 folgte die Übergabe – verbunden mit einem 30 Jahre laufenden Mietvertrag.

Meiner Familie und mir geht es gut, da kann ich gerne etwas zurückgeben.
Udo Fielenbach, Geschäftsführer und Inhaber Joke Technology GmbH

Fielenbach begründet sein Engagement schlicht: „Meiner Familie und mir geht es gut, da kann ich gerne etwas zurückgeben.“ Das zeigt sich in Spenden an regionale Tafeln und Sportvereine oder in Laptop-Spenden an Schulen.

In einem eigenen Fortbildungszentrum, dem „Jokeneum“, in Herkenrath und an weiteren Standorten in Deutschland bietet das Unternehmen Schulungen für Kunden und Mitarbeitende an für den Einsatz der Joke-Produkte. Auch bei der Ausbildung investiert das Unternehmen: Aktuell lernen sechs Auszubildende bei Joke, etwa als Industriekaufleute oder Fachinformatiker. Seit 2016 waren es insgesamt 21 Auszubildende, 20 haben ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen. Hinzu kommen sechs Umgeschulte seit 2017 und acht Praktikanten in den vergangenen sechs Jahren. Der größte Teil der Nachwuchskräfte wird übernommen.

Ganz zufällig ist Fielenbachs Nähe zur Region nicht: Er wohnt „ein bisschen ländlich hinter Lohmar“, wie er sagt. In Lohmar-Birk ist er mit seiner Familie seit Generationen fest verwurzelt. Sein Vater war hier Bürgermeister. Das berufliche Ankommen in Bergisch Gladbach sei anfangs schwer gewesen, bekennt er. Erst über Netzwerke und das besondere, pro-aktive Engagement der Wirtschaftsförderung sei die Verbindung mit Rhein-Berg Stück für Stück gewachsen.