Abo

KindertagesstättenBetreuung in Gladbach am teuersten

3 min

Bergisch Gladbach – Keine Stadt liebt es, ins Fadenkreuz des Bundes der Steuerzahler zu geraten. Gladbach hat es geschafft, und das mit dem sozial und bevölkerungspolitisch brisanten Thema Elternbeiträge für Kita und Kindergarten. Da hält die Kreisstadt nämlich den Landesrekord: 800 Euro im Monat werden hier fällig für die Betreuung eines Unter-Zweijährigen.

Jedoch nur für recht gut verdienende Eltern, die sich in diesem Falle wohl lieber nach einer Tagesmutter, einem Au-pair-Mädchen oder einer Kinderfrau umsehen. 130 000 Euro und mehr muss der Haushalt im Jahr einnehmen, um in die Spitzengruppe vorzustoßen.

Sozial gerecht oder frauenfeindlich

Manch einer mag das gerecht finden, wenn solche Familien gleich 10 000 Euro im Jahr für ein einziges Kind an das Jugendamt abführen müssen. Allerdings braucht man kein Bankenchef zu sein, um die 130 000-Euro-Latte zu reißen: Das schafft auch ein gut verdienendes Akademiker-Ehepaar, Lehrer zum Beispiel. In diesem Falle bleibt die Mutter dann nach dem Erziehungsurlaub oft doch noch ein paar Jahre zu Hause oder begnügt sich mit einer Teilzeitstelle – und zwar nicht aus Gluckentrieb, sondern um den exorbitanten Betreuungskosten auszuweichen. Was sozial gerecht daher kommt, wirkt so frauen- und gleichstellungspolitisch als Ohrfeige. Stadtpressesprecher Martin Rölen: „Das ist eine Folge der Umstellung der Gebührentabelle vom Frühjahr 2011.

Spitzenreiter auf den Plätzen drei bis fünf: Recklinghausen 673 Euro, Marl 665, Castrop-Rauxel 664. Die Günstigsten nach Siegen sind: Velbert, 364 Euro, Lippstadt 393 sowie Rheine und Troisdorf 394 (für die ersten beiden Lebensjahre; Iserlohn nimmt 380 für drei Jahre). Insgesamt sieben Städte bleiben unter 400 Euro.

Bei den Großstädten ist Münster mit 661 Euro/Monat Spitzenreiter, und das auch noch für die ersten drei Lebensjahre. Leverkusen fordert 627 Euro für die ersten beiden Jahre und Köln 491 Euro (bis zum 3. Lebensjahr einschließlich). (gf)

Das ist vom Rat so abgesegnet und politisch gewollt. Stichwort: Soziale Ausgewogenheit.“ Die Änderung der Gebührensatzung wurde damals heiß diskutiert. Bergisch Gladbach setzte 2011 die Bemessungsgrenze von 80 000 auf 130 000 Euro hinauf, um weitere fünf Beitragsstufen zu schaffen. Gleichzeitig werden Kinder unter zwei Jahren seitdem mit doppeltem Beitrag belegt. Geschwisterkinder kosten nur die Hälfte oder nichts. Unter 20 000 Euro ist die Kita gratis. So stellt der Kindergarten für untere Einkommensschichten eine spürbare Bremse beim Verarmungsrisiko dar, wie jüngst eine Bertelsmann-Studie ergab.

Das alles erklärt aber nicht, warum die Hitparade der kreisabhängigen NRW-Städte so gravierende Sprünge ausweist. Die niedrigste Gebühr wirft Siegen aus mit nur 350 Euro für die Ganztagsbetreuung (45 Stunden) der Unter-Zweijährigen in der höchsten Einkommenstufe. In der „Mittelverdiener“-Klasse der 60 000-Euro-Bezieher liegen die beiden Städten aber nur vier Euro im Monat auseinander (Gladbach 160, Siegen 156). Der Unterschied beim Spitzenwert liegt auch nicht daran, dass Siegen eine niedrigere Einkommenshöchstgrenze zieht: Dort geht die Gebührenskala sogar bis 150 000 Euro Jahresbruttoverdienst, doch die Kurve ist weitaus flacher. Im Schnitt hören die Städte bei 104  000 Euro auf weiterzusteigern.

Der Durchschnitt der 25 kreisangehörigen NRW-Städte für den Höchstwert liegt bei 537 Euro/Monat. Zehn Städte verlangen über 600 Euro, Grevenbroich liegt mit 792 Euro nur knapp hinter Gladbach – doch dieser Beitrag wird in Grevenbroich für Kinder bis drei Jahre erhoben, nicht nur wie in Gladbach bis zwei Jahre. Damit ist die Vollversorgung für den Gesamtzeitraum von null bis drei Jahren dort fast 50 Prozent teurer als in Gladbach. „Der Steuerzahlerbund vergleicht eben schon mal gerne Äpfel mit Birnen“, kommentiert Rölen diesen Vergleich. Auch die drei Städte zwischen 500 und 600 Spitzen-Monatsbeitrag ziehen die Altersgrenze, bis zu der der doppelte Beitrag zu leisten ist, bei drei statt bei zwei Lebensjahren.

www.steuerzahler-nrw.de