Abo

Nach Brand in FlüchtlingsunterkunftAngeklagter erhält ein Jahr Haft auf Bewährung

3 min

Für einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei sorgte das Feuer im Flüchtlingsheim.

Bergisch Gladbach – Das Schöffengericht hat am Dienstag einen 29-jährigen Angeklagten wegen schwerer Brandstiftung und Körperverletzung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der aus Afghanistan stammende Familienvater hatte am 6. August 2018 seine Wohnung in der Flüchtlingsunterkunft an der Gladbacher Straße angezündet, vermutlich, um sein Leben zu beenden. Bei dem Versuch, ihn zu retten und das Feuer zu löschen, erlitten mehrere Mitbewohner und Sicherheitsleute schwere Verletzungen.

Bei der Strafzumessung für den vor den Taliban geflüchteten Mann folgte das Gericht dem Gutachten des Sachverständigen Professor Dr. Tilman Elliger, der dem Angeklagten angesichts einer Alkoholkonzentration von 2,5 Promille verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt, aber keine Hinweise darauf gefunden hatte, dass der Mann untergebracht werden müsste.

Angeklagter musste in eine Psychatrie

Der gestrige Prozess war bereits der zweite Versuch, das Geschehen an dem Augustabend vor einem Jahr strafrechtlich zu würdigen. Der erste Prozess war am 29. Januar geplatzt, weil ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden sollte.

Im Prozess am Dienstag räumte der Angeklagte über seinen Verteidiger Dr. Karl-Christoph Bode erneut die Brandstiftung ein, schwieg aber ansonsten weitgehend. Aus den Ermittlungen der Polizei, der Aussage eines ehrenamtlichen Flüchtlingshelfers, zweier Mitbewohner, eines Sicherheitsmannes sowie des Sachverständigen ergab sich aber das Bild eines tief traumatisierten Mannes.

Brandstifter und Familie müssen um ihr Leben fürchten

Sali B. (Name geändert) hatte erst in der afghanischen Armee gedient und später für das US-Militär gearbeitet. Was genau er dort tat, blieb unausgesprochen, weil, so der Sachverständige, „wir alle nicht wollen, dass das in der Zeitung steht“. Offenbar war es aber so gefährlich, dass erst Sali B. selbst und nun auch seine Familie – Ehefrau und zwei Kinder im Grundschulalter – um ihr Leben fürchten und sich verstecken müssen.

Brand Flüchtlingsunterkunft

Der Containerraum der Flüchtlingsunterkunft, in dem das Feuer gelegt wurde,  ist provisorisch gesichert worden.

Eine Familienzusammenführung in Deutschland ist kompliziert. Mittlerweile ist der Antrag bei der deutschen Botschaft in Pakistan gestellt, Sali B. hofft, seine Familie noch im Herbst wiederzusehen.

Am Tatabend gab es viel Stress im Flüchtlingsheim. Für Sali B. kam noch ein belastendes Telefonat mit der Ehefrau hinzu, die ihm vorwarf, sich nicht genügend um die Familienzusammenführung zu bemühen. An dem Abend trank Sali B. viel, vergoss Öl in seiner Bleibe, verbarrikadierte die Tür und zündete das Öl an – um seinem Leben ein Ende zu setzen, wie er nach der Tat sagte. Heute bestreitet er das, stellt es als alkoholbedingten Unfall dar – aus Scham, wie der Sachverständige vermutet.

Angeklagter: „Ich akzeptiere das Urteil“

In seinem letzten Wort räumte Sali B. ein: „Ich habe das Leben anderer Menschen in Gefahr gebracht und akzeptiere das Urteil.“ Dass sein Verteidiger nach der Entscheidung von Richterin Birgit Brandes und den beiden Schöffinnen trotzdem nicht sofortigen Rechtsmittelverzicht erklärte, liegt daran, dass der Jurist erst einmal überprüfen will, ob sich das so auch von Oberstaatsanwältin Almut Breitenbach geforderte Strafmaß auf den Asyl-Status von Sali B. auswirken kann.