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Neue GesetzeSpielhallen müssen Abstand einhalten

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Für die Spielstätten in Bergisch Gladbach gibt es seit Ende 2012 deutlich strengere Auflagen – einige werden schließen müssen.

Bergisch Gladbach – Die Fenster sind mit blickdichter Folie zugeklebt, die Einrichtung ist spärlich. Heimelig ist anders. Aber ums Wohlfühlen geht es auch nicht. Es geht darum, Geld zu verspielen. Und zwar so viel wie möglich. Besuch in einer Spielhalle in der Bensberger Straße – einer von 20 Spielhallen in Bergisch Gladbach. Der einzig anwesende Spieler an diesem Sommerabend zieht trotz 30 Grad Außentemperatur stoisch seine Bahnen zwischen dem Tresen und diversen Spielautomaten. Fünf davon bespielt er ohne Pause. Dass die Automaten zeitgleich laufen können, dafür sorgt eine eingebaute Automatiktaste. Der Spieler muss lediglich Einsatzhöhe und das Spiel vorgeben – und natürlich regelmäßig Kleingeld nachwerfen. Die Geldscheine wechselt ihm die junge Frau hinter der Theke kommentarlos. Ein Griff in die bereitgestellte Bonbonschale, ein gegrummeltes „Dankeschön“: Weitere 15 Minuten Spiel sind sichergestellt. Danach kommt der Mann wieder. Wechselt Geld. Spielt. Wieder und wieder. Die größten Gewinne bringt den Spielhallen vor allem eine Klientel: die Spielsüchtigen.

Seit der Liberalisierung der Spielerverordnung 2006 hat die Anzahl der Spielautomaten in Deutschland stark zugenommen –in Nordrhein-Westfalen von 26 000 auf 40 000. Verena Verhoeven, Leiterin der Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas Rhein-Berg, spricht von einer „epidemischen Ausbreitung“. Auch in Bergisch Gladbach? Im Jahr 2011 gab es 18, im Jahr 2013 20 Spielhallen. Ein zumindest leichter Aufwärtstrend. Dazu kommen Wettbüros, deren Zahl Stadtsprecher Martin Rölen auf zehn bis 15 beziffert. Genauere Zahlen kann er nicht nennen: Die Büros befänden sich noch in einer Grauzone, was die „Erlaubnispflicht“ angehe.

Keine Ausnahme

Durch den sogenannten Glücksspieländerungs-Staatsvertrag des Landes NRW, der Ende 2012 in Kraft getreten ist, könnte sich die Zahl der Spielstätten in Bergisch Gladbach in Zukunft drastisch reduzieren. Denn der Vertrag sieht vor, dass eine Spielhalle 350 Meter Luftlinie zur nächsten Spielhalle entfernt sein muss. Allein auf der unteren Hauptstraße gibt es aber mehr als ein halbes Dutzend Spielhallen. „Auf der unteren Hauptstraße könnten die Köpfe rollen“, sagt Anja Christiani salopp. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamts ist dafür zuständig, das Gesetz umzusetzen – für Neuanträge, aber auch für bestehende Spielhallen.

Für Geschäfte, die vor dem 28. Oktober 2011 ihren Betrieb aufgenommen haben, gilt ein Bestandsschutz – aber der ende, so Christiani, in fünf Jahren. Auf der unteren Hauptstraße wäre dann höchstens eine Spielhalle erlaubt – vielleicht aber auch gar keine: Denn das Gesetz sieht vor, dass auch Schulen und Jugendeinrichtungen mindestens 350 Meter entfernt liegen müssen. Für die zwei Spielstätten, die nach dem Stichtag erbaut wurden, gilt sogar nur ein Jahr Bestandsschutz. Diese müssten in einem Jahr schließen, prognostiziert Christiani. Dass der Spieler, der mehrere Automaten gleichzeitig bedient, keine Ausnahme darstellt, bestätigt Kay Funk, Leiter der Caritas-Suchthilfe Rhein-Berg: „In der Praxis sieht es oft so aus, dass die süchtigen Spieler an fünf bis sechs Automaten gleichzeitig spielen.“ Bei einem gesetzlich vorgeschriebenen Maximalverlust von 80 Euro pro Stunde sind das auf sechs Automaten hochgerechnet 420 Euro, die ein Spieler in nur einer Stunde verzocken kann. Das ist mehr, als einem Hartz-IV-Empfänger im Monat zum Leben zusteht.

Begrenzte Öffnungszeiten

Laut einer Statistik des Drogen- und Suchtberichts 2013 ist in Deutschland jeder 200. Bürger zwischen 16 und 65 Jahren ein krankhafter Glücksspieler. Jeder 204. soll suchtgefährdet sein. In Bergisch Gladbach müssten laut dieser Statistik mehrere hundert Betroffene leben. Theoretisch ist es möglich, dass viele Spielhallen in Bergisch Gladbach in fünf Jahren einfach umziehen. Dorthin, wo sie alle Auflagen erfüllen, zum Beispiel in Randlagen der Stadt. Fraglich ist aber, ob sich ein Standort in deutlich unattraktiverer Lage für alle rechnet. Christiani vermutet, dass es vielen Betreibern „zu heiß“ werde. „Die werden das Geschäft nur für die nächsten fünf Jahre noch mitnehmen“, sagt die Ordnungsamtsmitarbeiterin. „Das sind einschneidende Veränderungen für uns“, kommentiert Björn Opterweidt die neue Lage. Opterweidt ist Geschäftsführer-Assistent des Unternehmens Spielkisten, das zwei Spielstätten in Bergisch Gladbach führt. Werbung für die Hallen sei nunmehr tabu, das Wort „Casino“ auch. Für viel Geld musste das Unternehmen bereits entsprechende Logos ändern.

Außerdem dürften die Casinos jetzt nur 18 Stunden anstatt wie früher rund um die Uhr geöffnet sein. „Das bedeutet auch den Verlust von Arbeitsplätzen.“ Von einer Existenzbedrohung für das Unternehmen möchte er aber nicht sprechen. Opterweidt verfolgt aufmerksam, dass der Deutsche Automatenverband derzeit eine Klage gegen das Land Nordrhein-Westfalen anstrengt. „Einiges an dem Gesetz wird sicherlich zurückgezogen werden. Es wird ja nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Für Thomas Lübbe, Leiter des Fachdiensts Prävention in Bergisch Gladbach, sind Spielhallen längst nicht das einzige Problem. Einzelne Spielautomaten in Kneipen seien weitaus gefährlicher: „Diese suggerieren möglicherweise, dass diese Art des Glücksspiels immer harmlos und unproblematisch ist. Dabei haben ausgerechnet diese Automaten, wie Studien zeigen, ein erhöhtes Suchtpotenzial.“ Sie sind von der Gesetzesänderung nicht berührt.Immer häufiger sind Jüngere, sogar Minderjährige von Spielsucht betroffen und wenden sich an die Suchthilfe. Verhoeven: „Wir haben hier 18-Jährige, die schon zweijährige Spielerkarrieren hinter sich haben.“ Für sie ist eine Abschaffung aller Spielautomaten in der Gastronomie „eine absolute Minimalforderung“.