Rad parken? Für Neukunden wird das an der Radstation am Gladbacher S-Bahnhof seit kurzem zur digitalen Hürde.
Bergisch GladbachRadler stehen ratlos vor der Radstation

Seit die Werkstatt an der Radstation geschlossen ist, läuft die Buchung für das Fahrradparkhaus nur noch online. Bereits herausgegebene Chipkarten für Monats- oder Jahresabos funktionieren aber noch weiter.
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Smartphone raus, QR-Code scannen, registrieren, online buchen, online bezahlen – und mit etwas Glück öffnet sich danach sogar die Tür. Die Radstation am S-Bahnhof soll Fahrräder eigentlich sicher und unkompliziert unterbringen. Das „unkompliziert“ hat man offenbar gestrichen. Neukunden müssen durch ein digitales Buchungs- und Bezahlsystem. Wer kein Smartphone hat oder bei der Online-Zahlung hängen bleibt, steht vor verschlossener Tür. Einfach nebenan bar bezahlen? Geht nicht mehr: Die Fahrradwerkstatt an der Radstation ist seit kurzem geschlossen. Stammkunden mit Monats- oder Jahreskarte und Chip kommen immerhin noch rein.
Aber wer jetzt als Neukunde bezahlen will, landet genau bei jenen Konzernen, von denen sich Europa eigentlich lösen möchte. Denn die Europäische Union will sich von Donald Trump nicht länger vorführen lassen. Bei der Verteidigung nicht, bei der Technologie nicht – und auch beim Bezahlen nicht. Die Abhängigkeit von amerikanischen Konzernen wie Visa und Mastercard ist der Europäischen Union inzwischen so unangenehm, dass sie mit dem Digitalen Euro an einer eigenen Lösung arbeitet.
Soweit die Theorie. Vor der führt der Weg derzeit ausgerechnet über amerikanische Bezahldienste. Denn auf der Bezahlseite warten unter anderem Apple Pay und „Link“, der Bezahldienst des US-amerikanisch-irischen Zahlungsriesen Stripe. Direkt mit Kreditkarte geht es ebenfalls: Visa, Mastercard, American Express und weitere.
Kein Zugang mit GirocardNur jene Karte, die Millionen Deutsche ganz selbstverständlich im Portemonnaie tragen, sucht man als direkte Bezahlmöglichkeit vergeblich: die Girocard. Was einfach nur nach einer lustigen Posse klingt, hat tatsächlich Bedeutung. Und eine Kreditkarte hat längst nicht jeder. Nach der jüngsten Studie der Bundesbank besitzt gerade einmal rund die Hälfte der Befragten eine. Die Girocard dagegen steckt bei 90 Prozent der Befragten im Portemonnaie.
Die Radstation am S-Bahnhof gibt es seit 2015. Rund 250 Fahrräder können dort geschützt abgestellt werden. Dazu gehörte bislang auch eine Fahrradwerkstatt mit Reparatur und Verkauf. Träger ist das Diakonische Werk Köln und Region. Die Radstation ist zugleich ein soziales Beschäftigungsprojekt, das Menschen beim Einstieg oder Wiedereinstieg ins Berufsleben unterstützt. Doch dieses Modell wird gerade umstrukturiert. Die Diakonie beendet den Service- und Werkstattbetrieb in der Radstation. Reparaturen und Ersatzteilverkauf werden künftig im Radwerk an der Hauptstraße gebündelt.
Das Radwerk ist ebenfalls eine Erprobungs- und Integrationsmaßnahme für Menschen ohne Arbeit oder mit Schwierigkeiten, einen geregelten Alltag zu finden. Sie können dort mitarbeiten, werden geschult und qualifiziert. Für Kunden gibt es gebrauchte und überholte Fahrräder, Reparaturen und Hilfe bei selbst ausgeführten Arbeiten. Das Fahrradparkhaus am Bahnhof bleibt dagegen bestehen. Bis dahin gilt am S-Bahnhof: Wer eine Chipkarte hat, kommt rein. Wer keine hat, braucht Internet – und beim Bezahlen hilft Amerika dann gerne weiter.
