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KonzertWie mit dem Concerto giocoso in Refrath gegen die Winterdepression angespielt wurde

3 min
Eine Frau spielt Flöte in einer Kirche.

Andrea Will spielt die Flöte.

Viele Refrather kamen; die Kirche war sehr gut besucht – und ein wenig kalt. Zumindest Herzen und Seelen wurden schnell warm.

Concerto giocoso – das klingt nach italienischer Sonne, nach einem Augenzwinkern in Noten. Wörtlich: das spielerische, scherzhafte Konzert. Francesco Leoporatti, Orgel, Andrea Will, Flöte und Wolfgang Pohl, Oboe, widersetzten sich musikalisch der Winterdepression. Bei ihrem Konzert am kalten, nassen Neujahrstag 2026 in der Kirche St. Johann Baptist in Refrath.

Viele Refrather kamen; die Kirche war sehr gut besucht – und ein wenig kalt. Wie sich Kälte in Musik verwandelt, hat Antonio Vivaldi vorgemacht. Mit Zähneklappern und stampfenden Füßen trotzen die Menschen der klirrenden Witterung im ersten Satz des „Winters“ aus den „Vier Jahreszeiten“. Leoporatti ließ die Orgel bibbern, ein Staccato wie gefrorener Atem. Das vom Komponisten vorgesehene Orchester vermisste man nicht.

Komponist verwandelt die Orgel in eine lebendige, atmende Bigband

„Na ja, ganz so kalt ist es in der Kirche nun doch nicht“, bemerkte Wolfgang Pohl in seiner Moderation. Er versprach, in der kommenden Stunde würden zumindest Herzen und Seelen warm, und hoffte, kein Zähneklappern zu hören. Das gelang zunächst mit den traumverlorenen Flötenmelodien von Christopher Tambling. Der Komponist starb vor zehn Jahren und hinterließ meist fein klingende Kirchenmusik. Im zweiten Satz wechselte Andrea Will zur Piccoloflöte; die beiden Ecksätze lebten von den in großem Atem und mit Brillanz gespielten Melodien der großen Flöte.

Danach folgte das erste Werk des Leverkusener Komponisten Hans-André Stamm. Er verwandelt die Orgel in eine lebendige, atmende Bigband. Stamm komponiert nicht gegen die Tradition, er lüftet sie. Er nimmt das Erbe Bachs, mischt es mit dem rhythmischen Geist unserer Zeit und garniert es mit einer Prise keltischer Sehnsucht. In der „Hommage an Johann Sebastian Bach“ für Flöte, Englischhorn und Orgel hörte das Publikum diese mitreißende Mischung. Das Programm griff immer wieder in seinen Schatz an Kompositionen. Sie klingen vertraut und überraschen doch. Eine Mixtur, die den Geist lebendig hält.

Ganz zum Schluss wurde es feierlich in Refrath

Zwischendurch bot die Orgel einen Ausflug zum „Nussknacker“. Man hörte den Anfang, den Tanz der Zuckerfee und schließlich den Trepak. Und die Orgel konnte das alles – wie ein Orchester. „Wenn es der Organist auch kann“, bemerkte Pohl launig. Da ließ der Organist keinen Zweifel. Mit schnellen Fingern und klug registriert nahm er die Zuhörer mit in den Traum der kleinen Marie.

Ganz zum Schluss wurde es erst feierlich: eine Paraphrase über „Amazing Grace“. Dann „Salut d'amour“ von Edward Elgar, schon etwas gefühlsduselig. „Dann haben wir noch einen ganzen Eimer Kitsch“, kündigte der Moderator an: die Musik zu „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Herrlich. Ein Ohrwurm für die ersten Tage des neuen Jahres. Gespielt von der lebendigen Flöte, der edel klingenden Oboe und der Orgel, die auch hier das Orchester ersetzte.