Xaver Hetzenegger prägte über ein Jahrhundert Sand, leitete ein Geschäft und engagierte sich in Kirche und Gemeinschaft.
Mit 100 Jahren verstorbenEine der bedeutendsten Persönlichkeiten Sands nimmt Abschied

Starb kurz nach seinem 100. Geburtstag: Xaver Hetzenegger aus Sand.
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Ein Jahrhundert lang war Sand seine Heimat. Xaver Hetzenegger erlebte, wie sich der Ort veränderte, und gestaltete diese Entwicklung entscheidend mit. Generationen kannten ihn als Kaufmann, viele auch durch sein kirchliches und ehrenamtliches Engagement. Erst am 6. August hatte Hetzenegger seinen 100. Geburtstag gefeiert. Am Mittwochabend, 16. September, ist eine der prägenden Persönlichkeiten Sands gestorben.
Dabei wäre Hetzenegger beinahe in Bayern geboren worden. Seine Mutter war bereits im sechsten Monat schwanger, als sie 1926 mit ihrem Mann, einem Regensburger Glasermeister, nach Sand zog. „So bin ich ein Sander Junge geworden“, sagte Hetzenegger zum 100. Geburtstag.
Kolonialwarenladen war die Keimzelle des späteren Geschäfts
Seine Eltern übernahmen die Gastwirtschaft Burgmer, die heutige Ommerbornklause, und den benachbarten Kolonialwarenladen. Nach einer Kaufmannslehre beim Gladbacher Papierhersteller Wachendorff übernahm Xaver Hetzenegger Ende der 1940er Jahre das Geschäft und modernisierte es. Es wurde zum Selbstbedienungsladen. Später expandierte der Familienbetrieb nach Dürscheid, Moitzfeld und Herkenrath.
An seiner Seite stand über Jahrzehnte seine Frau Margarete. Kennengelernt hatten sie sich in der katholischen Jugend. 1954 verlobten sie sich im Altenberger Dom, am 2. Februar 1955 heirateten sie in der alten Heidkamper Kirche. Margarete arbeitete im Laden mit; gemeinsam bekamen sie vier Kinder. 2020 feierten die beiden Eiserne Hochzeit. Im selben Jahr noch starb sie.
Xaver Hetzenegger hat seinen Heimatort über ein Jahrhundert geprägt
Xaver Hetzenegger blieb dem Geschäft bis ins hohe Alter verbunden. Noch mit 96 Jahren verbuchte er die Bareinnahmen in Sand und brachte das Geld zur Bank. Dabei war der Kaufmannsberuf ursprünglich gar nicht sein Wunsch gewesen: „Ich wollte Lehrer werden“, erzählte er.
Auch außerhalb des Geschäfts prägte er Sand. Über Jahrzehnte gehörte er dem Kirchenvorstand an, engagierte sich vielfältig und spielte bei Gottesdiensten die Orgel in St. Severin. Einmal im Jahr stieg er in den Kirchturm, um die Glocken zu beiern – zuletzt noch mit fast 90 Jahren. 1951 machte sich der damals 25-Jährige mit einem Freund per Anhalter auf den Weg nach Spanien. Später reiste die Familie nach Tirol und Schweden. „Hier bin ich zu Hause, fühle mich wohl und kenne sehr viele Menschen im Ort“, sagte Hetzenegger kurz vor seinem 100. Geburtstag. Das Jubiläum feierte er mit Familie und zahlreichen Wegbegleitern. Vier Kinder, zwölf Enkel und neun Urenkel gehörten zu seiner großen Familie.
Nun ist der „Sander Junge“ gestorben. Seine Spuren bleiben – in Sand, in seiner Familie, in der Region und in den Geschäften, die seinen Namen tragen.
Die Totenmesse für Xaver Hetzenegger findet am Freitag, 25. September, um 13 Uhr in St. Severin Sand statt, die Beisetzung ist im Anschluss auf dem Friedhof.

