Bergisch Gladbach – Erzählt sie von ihrer neuen Heimat, gerät sie ins Schwärmen: Brit C. Dehler lebt seit drei Jahren in Schwerin. In der Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ist die gebürtige Bergisch Gladbacherin eine gefeierte Schauspielerin. Jetzt hat die junge Frau für ihre überzeugende und beeindruckende Leistungen den renommierten Conrad-Ekhoff-Preis der Gesellschaft der Schweriner Theaterfreunde erhalten. Mit dem Preis werden besonders begabte junge Künstler geehrt. Ihr Talent für die Schauspielerei hatte Brit C. Dehler schon in ihrem Geburtsort Bergisch Gladbach entdeckt. Hier ging sie zu Schule, besuchte das Gymnasium Herkenrath. Schon kurz nach dem Abschluss schnupperte sie erstmals Theaterluft – nicht weit von ihrer Heimatstadt entfernt. Obwohl ihre Eltern davon nicht begeistert waren, besuchte sie in Köln die Schule des Theaters der Keller. Dort unterrichtete Meinhard Zanger, der 2006 zum Wolfgang-Borchert-Theater nach Münster wechselte. In Münster spielte Brit C. Dehler dann auch ihre erste große Rolle: die Nina in Tschechows „Die Möwe“. Doch zwischenzeitlich zog es sie immer wieder auch in ihre Heimatstadt Bergisch Gladbach zurück. Beim Mörike-Fest 2004 in der Evangelischen Gnadenkirche spielte sie an der Seite von Udo Thies in der Inszenierung „Eduard Mörike:Der Gottesmann und der Mann“ mit.
Die Karriere der Bergisch Gladbacherin ging im Osten weiter. „In Schwerin hat sich in den letzten Jahren sehr viel entwickelt“, erzählt die junge Frau mit den schulterlangen blonden Locken. In der Kulturstadt – wie Schwerin gern bezeichnet wird – zählen das Schloss, das Staatliche Museum und das Staatstheater zu den bedeutendsten kulturellen Einrichtungen. Hier gründete Conrad Ekhoff 1753 die erste deutsche Schauspiel-Akademie und hier ist auch der Arbeitsplatz von Brit C. Dehler. Die erste Rolle, mit der sich die Bergisch Gladbacherin in Schwerin einen Namen machte, war die der Straßengöre Chrystal im Musical „Der kleine Horrorladen“. Hier konnte sie Publikum und Kritiker vor allem tänzerisch und gesanglich überzeugen. Danach übernahm die zierliche Künstlerin mit den blaugrauen, wachen Augen die anspruchsvolle Rolle der Nina in Anton Tschechows „Die Möwe“. Herausforderungen für das schauspielerische Talent waren auch die Titelfigur in „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ oder die Rolle der Emma Pinneberg in Falladas „Kleiner Mann, was nun?“ Dehler bewältigte die Aufgaben mit der ihr eigenen Durchsetzungskraft. „Man fängt immer wieder von vorn an, wenn man sich mit einer Rolle auseinander setzt. Es ist ein ständiger Lernprozess,“ erzählt sie von ihrer Arbeit. Natürlich – da sind die Zweifel. Auch die kämen immer wieder, sagt die junge Frau. Eine „ständige Auseinandersetzung mit sich selbst“ sei die Schauspielerei. Die Auseinandersetzung mit der Rolle erlebt sie in verschiedenen Etappen: Gespräche und Unterhaltungen mit Kollegen und Freunden sind ihr dabei ebenso wichtig wie Literatur und Philosophie zum Thema. Sätze, die sie bei den Stücken besonders berühren, schreibt sie auf und hängt sie schon mal in der Wohnung auf. „Ich muss mit dem Text schwanger gehen. Ich brauche viel Zeit für mich selbst.“ Als unglaublich intensiv hat sie die Arbeit für das Solostück „Fressen, Lieben, Kotzen“ empfunden. Das Stück, das sich mit dem Thema Bulimie beschäftigt, hat einen sehr hohen Identifikationsfaktor. „Es ist so angelegt, dass ich das bin“, erzählt Dehler. Nach 60 Minuten allein auf der Bühne ist meistens nicht Schluss. Die Rolle greift über in die reale Welt: Gespräche mit Klinikärzten oder Selbsthilfegruppen hat sie schon geführt, berichtet die Künstlerin. Schließlich genieße man als Schauspieler nicht nur viele Freiheiten – auch gesellschaftliche Verantwortung müsse übernommen werden.
Entspannung von den kräftezehrenden Auftritten sucht die Bergisch Gladbacherin mit dem strahlenden Lachen vor allem in der Natur. „Ich bin sehr gern im Wald. Das ist für mich Heimat.“ Eine zusätzliche Motivation, die Eltern im Bergischen öfter zu besuchen. Aber auch Weite und Ruhe der mecklenburgische Seenlandschaft weiß die sportliche junge Frau, die gern mit dem Paddelboot unterwegs ist, zu genießen. Wichtig ist ihr auch das gute Arbeitsklima in Schwerin: „Wir sind eine große Theaterfamilie.“ Und dann erzählt sie noch, dass zwei Kollegen des Staatsorchesters ebenfalls aus dem Bergischen kommen. Die bringen aus dem Urlaub schon mal ein paar Flaschen von Dehlers Lieblings-Kölsch mit nach Schwerin. Und wenn es während der Karnevalszeit „innerlich schon kribbelt“, können die Musiker gut nachfühlen, wie es einer gebürtigen Rheinländerin geht.
Eine Traumrolle würde die junge Akteurin gern spielen: „Es ist die Penthesilea von Kleist, die mich schon länger begleitet.“ Bei der Tragödie, in der es um die unerfüllbare Liebe zwischen der Amazonenkönigin Penthesilea und dem Griechenhelden Achill geht, fasziniert Dehler vor allem „die Kraft, die man da hineinlegen kann“. Vielleicht steht das Stück ja in absehbarer Zeit einmal auf dem Spielplan.
