Große Leinwand, viele Augenpaare im Publikum – und die eigene Idee muss jetzt sitzen. Nicht irgendwann bei einem späteren Arbeitgeber oder vor einem Kunden, sondern bereits während der Ausbildung. Zum Abschluss des Semesters haben Studierende des bib International College in Bergisch Gladbach sieben Projektarbeiten vorgestellt. Dabei ging es nicht allein darum, fachlich gute Ergebnisse abzuliefern. Die jungen Leute mussten ihre Konzepte auch so präsentieren, wie sie es später im Berufsleben tun sollen: verständlich, selbstbewusst und überzeugend.
Der Pitch als Übung für den Beruf
„Das gehört zu einer Ausbildung am bib unbedingt dazu“, sagt Standortleiter Jörg Pottbeckers. Wer nach der Ausbildung in Werbung, Marketing, Mediendesign oder IT arbeite, müsse schließlich nicht nur gute Ideen entwickeln, sondern diese auch präsentieren können. Die Simulation eines echten Pitches sei deshalb „eine wunderbare Übung“.
Von Spandau bis zur Volkshochschule
Die Bandbreite der Projekte war groß. Unter dem Titel „Love Spandau“ beschäftigte sich eine Gruppe mit dem Berliner Bezirk und entwickelte daraus eine eigene Markenidee samt „Spandauer Mindset“. Andere Studierende nahmen sich einer Volkshochschule an und konzipierten eine Software, mit der Kurse, Anmeldungen und Daten übersichtlich verwaltet werden können.
„Bubble bib“: Ein komplettes Markenuniversum
Besonders umfassend fiel das Projekt „Bubble bib“ aus. Hier entstand nicht einfach nur die Idee für ein Getränk. Die Studierenden entwickelten gleich den gesamten Markenauftritt dazu – vom Verpackungsdesign über Website und Werbespot bis zur Marketingkampagne. Bestandteil war auch der mit Künstlicher Intelligenz geschaffene Influencer Leo Lumen.
Für den 17-jährigen Mediendesigner Phil Glaser bot die Arbeit daran einen Vorgeschmack auf den späteren Beruf. „Es war cool“, sagt er. Man habe einen richtigen Einblick bekommen, „wie das so sein könnte, wenn man ein richtiges Kundenprojekt hat“.
Technische Arbeiten: Website-Entwürfe und „EventManager“
Auch technisch ausgerichtete Arbeiten gehörten zum Semesterabschluss. Studierende präsentierten Website-Entwürfe und mit dem „EventManager“ eine Webanwendung, die Veranstaltungen und Anmeldungen verwaltet. Nutzer können sehen, wie viele Plätze noch frei sind; zurückliegende Veranstaltungen werden automatisch archiviert.
Modeprojekt führt zu Interviews und Rechtsfragen
Dass Projektarbeit weit über das eigene Fachgebiet hinausführen kann, erlebte Ellen Wetula. Für ihr Modeprojekt arbeitete die 22-Jährige mit dokumentarischen Elementen und führte Interviews. „Ich habe auf jeden Fall gelernt, mit Menschen in Kontakt zu kommen“, sagt sie. Gleichzeitig musste sie sich mit rechtlichen Fragen wie Jugendschutz und dem Recht am eigenen Bild auseinandersetzen.
Überzeugen statt nur funktionieren
Am Ende genügt es allerdings nicht, dass eine Anwendung funktioniert oder eine Kampagne auf dem Bildschirm gut aussieht. Beim Pitch müssen die Studierenden erklären, warum sie sich für ihre jeweilige Lösung entschieden haben, und sich den Fragen ihres Publikums stellen.
Damit werde bewusst der Schritt vom Unterricht in Richtung Arbeitswelt vollzogen. „Unser Ziel ist es, die jungen Menschen fit zu bekommen für ihren Einstieg ins Berufsleben“, sagt Pottbeckers. Und spätestens wenn die eigene Präsentation auf der großen Leinwand erscheint, wird aus einer Semesteraufgabe schon ziemlich echter Berufsalltag. (wg)
