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ÜberfälleAngstraum Gladbacher Innenstadt

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Die Männer treffen sich im Forum-Park zum Kartenspielen. Mit den Überfällen hätten sie nichts zu tun, betonen sie.

Bergisch Gladbach – Vier Männer stehen an einem steinernen Tisch, spielen Skat oder gucken zu. Sie trinken Bier aus der Flasche und rauchen selbst gedrehte Zigaretten. Es ist erst früher Mittag, doch im Forum-Park in der Gladbacher Innenstadt gehen die Uhren etwas anders. Hier treffen sich Menschen, die vom Leben nicht sonderlich bevorzugt behandelt wurden: Arbeitslose, Alkoholabhängige und auch ehemalige Konsumenten härterer Drogen, die jetzt ärztlich betreut werden.

Das war schon immer so, doch seit einigen Tagen stehen sie verstärkt im Fokus. Erst war eine 91 Jahre alte Frau bei einem Handtaschenraub im Park schwer verletzt worden. Am Mittwochabend musste sich die Polizei um einen 39-Jährigen kümmern, der überfallen worden war. Die Ordnungshüter sprechen vom Forum-Park als „innerstädtische Problemlage“. Doch es gibt bislang keine Beweise, dass zumindest der oder die Täter im Handtaschenfall aus der harten Szene im Park kommen.

„Wir haben genug mit uns selbst zu tun. Wir entreißen keiner Oma die Handtasche“, sagt Jochen F. (Namen geändert), der zu dieser „Szene“ gehört. Täter und Opfer der zweiten Tat sollen sich gekannt haben, berichtet er. Das Motiv liege wohl eher im persönlichen Umfeld. Seit den beiden Vorfällen habe man häufiger Besuch von der Polizei bekommen, berichtet sein Kumpel Harald. Neuerdings würden immer mehr Platzverweise ausgesprochen: „Wir ziehen dann für einen Tag ab und kommen am nächsten wieder.“

Auffällig ist, dass es tagsüber durchaus noch andere Besucher des Parks gibt, diese sich aber nach Möglichkeit auf Bänken in einiger Entfernung niederlassen. Gisela Schmidt, die mit ihrer Tochter gekommen ist, möchte dies nicht als Abgrenzung gewertet wissen: „Aber die Herrschaften da drüben rauchen und trinken. Das muss das Kind nicht unbedingt sehen.“

Die Polizei bestätigt, dass die einschlägigen Stellen der Innenstadt aufgrund der beiden jüngsten Taten verstärkt überprüft werden. Sprecher Peter Raubuch: „Es wäre aber falsch, das alles mit der Szene in den Parks in Verbindung zu bringen. Die beiden Delikte im Forum-Park hatten nach unseren bisherigen Erkenntnissen nichts miteinander zu tun. Es ist nicht in Ordnung, die dortige Klientel für alles verantwortlich zu machen.“ Er sagt aber auch: „Es gehen weniger Leute in den Park, weil dort ein Angstraum entstanden ist.“

Als Brennpunkt in Sachen Kriminalität gilt – jedenfalls für Bergisch Gladbacher Verhältnisse – mittlerweile die Region rund um den Bahnhof. Dort tummeln sich in den Nachtstunden durchaus Gestalten, um die man besser einen weiten Bogen macht. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht das eine oder andere Handy gewaltsam den Besitzer wechselt.

„Ja, es ist gefährlicher geworden“, sagt Basak Konasoglu-Kervankiran, die zusammen mit ihrem Mann einen 24-Stunden-Kiosk gegenüber dem Busbahnhof betreibt. Die Nachtstunden hinter dem Tresen habe längst ihr Mann übernommen. Außerdem ist der kleine Laden für Zigaretten, Zeitungen und Getränke videoüberwacht. Sie bekommt auch mit, dass die Polizei bei Dunkelheit verstärkt Streife fährt. In den Jahren von 2009 bis 2012 habe die Polizei pro Jahr 3000 Personalstunden für die Überwachung der Innenstadt aufgewendet, sagt Raubuch. In den Jahren 2011 und 2012 seien zusammen rund 1000 Platzverweise ausgesprochen worden.

Die Zahl der Gewaltdelikte in der Innenstadt hat sich seit 2008 nicht nennenswert erhöht. Aber: Ausgerechnet bei den gefährlichen Körperverletzungen hat sie sich verdoppelt, von 18 im Jahr 2009 auf 36 in 2012. Das zeigt, das die Hemmschwelle niedriger geworden ist, eine Waffe zu benutzen, und sei es ein Messer.

Auch der Stadtverwaltung kann diese Entwicklung nicht egal sein. Sie schickt zweimal pro Woche ihre Stadtwächter gemeinsam mit der Polizei auf Streife. Dabei geht es auch um die öffentliche Wahrnehmung dieser Ordnungskräfte. Wenn es hart auf hart kommt, ist allein die Polizei gefragt.