Der Landschaftsverband Rheinland finanzierte das Forschungsvorhaben mit insgesamt 240.000 Euro. Die Ergebnisse sind digital zugänglich.
Schätze geborgenGeschichtsverein Rhein-Berg feiert Ende des Projektes „Bensberger Erzrevier“

Die Grube Lüderich war die bedeutendste Anlage in der bergischen Region. 1978 wurde hier das letzte Erz gefördert.
Copyright: VM Heritage
Sie haben den Schatz gehoben. So wie in früheren Jahrhunderten Bergleute im Bergischen den Untergrund auf der Suche nach wertvollen Metallen durchwühlten, so akribisch ging der Bergische Geschichtsverein Rhein-Berg mit einem Team von Unterstützern den teils verschütteten Spuren nach, die der Bergbau in der bergischen Region hinterlassen hat.
Seit 2023 beschäftigte sich der Verein offiziell mit dem Forschungsprojekt „Bensberger Erzrevier“, suchte nach frühen Spuren und Quellen, dokumentierte Relikte, führte Interviews mit den letzten noch lebenden Zeitzeugen des Bergbaus, dokumentierte die Ergebnisse, ordnete sie in den größeren historischen Zusammenhang ein und digitalisierte schließlich die Funde, um sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Digitale Entdeckertouren laden zu Ausflügen ein
Mit den digitalen Formaten des Landschaftsverbands – Kuladig (Kultur, Landschaft, digital entdecken) und „ClickRhein“ – ist der Bergbau, der schon in römischer Zeit und im Mittelalter betrieben wurde, nur einen Klick entfernt und lädt zu zahlreichen Entdeckertouren ein. Nun feierte man auf Schloss Ehreshoven bei Lindlar mit knapp 50 Gästen den Abschluss des von Landschaftsverband Rheinland mit insgesamt 240.000 Euro geförderten Projektes. Geld, das vornehmlich genutzt wurde, um das Team der Ehrenamtlichen um zwei wissenschaftliche Mitarbeiter zu verstärken.
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Feier des Projektabschlusses auf Schloss Ehreshoven: Dr. Alexander Kierdorf, Lothar Eschbach, Lea Recken, Peter Schönfeld und Samuel Dreßen (von links)
Copyright: Stephanie Peine
Schon Jahre zuvor hatte das Thema den Geschichtsvereinsvorsitzenden Lothar Eschbach umgetrieben. Die eigene Familiengeschichte habe dazu geführt, dass er das Erzrevier schon früh als „verborgenen Schatz des Bergischen Landes“ empfunden habe, sagte er in seiner Begrüßung. Ihn wollte er heben - als IT-Mann nicht nur mit klassischen, sondern auch mit modernen digitalen Methoden.
Die Fläche des Bensberger Erzreviers hat sich verdreifacht
Dabei zeigte sich das Thema schon gleich zu Beginn als reichlich sperrig: Der Begriff des Bensberger Reviers war genauso unbestimmt wie seine Ausdehnung. Am Ende der Untersuchung zur Montangeschichte, ein Großprojekt, das verstreutes Wissen systematisch zusammengeführt habe, habe sich die Fläche des Bensberger Reviers verdreifacht, so Prof. Dr. Jürgen Wilhelm, stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland in seinem Grußwort.
Daher definiert man das Bensberger Revier heute als einen vom Bergbau geprägten Raum, der über bestehende Kreisgrenzen hinausreiche, so Rhein-Bergs Landrat Arne von Boetticher - vom heutigen Rhein-Sieg-Kreis über den Rheinisch-Bergischen bis in den Oberbergischen Kreis. Das Projekt, unterstützt vom Kulturamt Rhein-Berg, habe daher das Profil einer ganzen Region geschärft, meinte Boetticher.
Unter- und oberirdisch wurden viele Schätze entdeckt
Derzeit umfasse der „Bergische Blei-Zink-Bezirk“, den man trotzdem weiter „Bensberger Erzrevier“ nenne - 310 Gruben,so Archäologe Peter Schönfeld, „die wichtigste unter ihnen ist die Grube Lüderich“. Wie Bergleute gingen die Forscher um Schönfeld und den Architekturhistoriker Dr. Alexander Kierdorf vor, drangen immer tiefer in die Materie ein und machten so manchen spektakulären Fund.
Dazu zählt das in Belgien aufgespürte Archiv des Bergbauunternehmens Vielle Montagne Heritage „mit 50 Originalaufnahmen von bergischen Gruben. Aufnahmen, die bisher als verschollen galten“, so Schönfeld. Aufgenommen wurde auch der digitale Nachlass des kurz darauf verstorbenen Siegfried Raimann, langjähriger Bürgermeister von Overath, der seine berufliche Laufbahn als Bergmann auf dem Lüderich begonnen hatte.
Kleine Silberbarren, römische Münzen und eine Axt schlummerten im Boden
Es fanden sich bei Geländeuntersuchungen aber auch kleine Silberbarren, so Schönfeld, römische Münzen und Keramik, eine Doppelbart-Axt aus dem 9. bis 12. Jahrhundert, ein Werkzeug, das schon auf dem berühmten „Teppich von Bayeux“ zu sehen ist, zwei Spaten aus der späten Eisenzeit oder auch eine Bulge, ein schlauchförmiger Ledersack, wohl aus der Karolingerzeit, „ein einzigartiges Stück“, schwärmt Schönfeld, „ich kenne nichts Vergleichbares“.
Wie wenig dem historische Forschungsprojekt, das Andreas Schwann in einer filmischen Dokumentation festhielt, der Staub der Geschichte anhängt, das zeigen die digitalen Entdeckertouren die bei Kuladig und ClickRhein darüber entstanden. Sie sollen auch jungen Menschen Lust darauf machen, den Spuren des Bergbaus nicht nur auf einer interaktiven Karte, sondern auch auf ausgeschilderten Wanderrouten nachzugehen, erklärten Lea Recken und Samuel Dreßen, die mit der medialen Umsetzung beauftragt waren.
Erhalten gebliebene Steigerhäuser, alte Bergwerksanlagen haben heute längst ein neues Leben, auf alten Bergbauflächen entwickelte sich teilweise eine nur hier anzutreffende Vegetation, so Alexander Kierdorf über die oberirdischen Relikte eines Bergbaus, der seine großen Zeiten schon in den 1930er Jahren hinter sich hatte, seinen endgültigen Abschluss aber erst 1978 auf dem Lüderich fand.
