Die SPD Rhein-Berg steht erstmals vor einer Doppelspitzenwahl mit zwei konkurrierenden Duos: Schipper und Lehmann versus Schirmann und Krasniqi.
KampkandidaturEin zweites Duo will an die Spitze der SPD Rhein-Berg

Zwei Duos kandidieren nun um den SPD-Vorsitz in Rhein-Berg: Gegen Heike Lehmann und Amtsinhaber Hinrich Schipper (links, v.l.) sind Lydia Schirmann und Kastriot Krasniqi (rechts, v.r.) angetreten. Und bis zum Parteitag könnten es noch mehr werden.
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Aus einer gemeinsamen Kandidatur für die erstmals geplante Doppelspitze der SPD Rhein-Berg wird ein echter Wettbewerb: Nur wenige Tage nachdem der amtierende Kreisvorsitzende Hinrich Schipper aus Kürten und seine Stellvertreterin Heike Lehmann aus Wermelskirchen ihre gemeinsame Bewerbung angekündigt haben, hat am Dienstagnachmittag ein zweites Duo seinen Hut in den Ring geworfen. Lydia Schirmann aus Rösrath und Kastriot Krasniqi aus Bergisch Gladbach wollen beim Kreisparteitag am 26. September ebenfalls gemeinsam für die Führung des Kreisverbands kandidieren.
Damit haben die Delegierten – sofern der Parteitag zuvor die für eine Doppelspitze notwendige Satzungsänderung beschließt – erstmals die Wahl zwischen zwei Teams. Für die Kreis-SPD dürfte der Parteitag damit deutlich spannender werden als zunächst erwartet.
Schirmann und Krasniqi verstehen ihre Kandidatur ausdrücklich als gleichberechtigtes Führungsmodell. „Die Gesellschaft ist vielfältig. Mit unserer Kandidatur als Co-Vorsitzende möchten wir dazu beitragen, diese Vielfalt auch in unseren Parteigremien abzubilden“, erklären sie. Unabhängig von Alter, Geschlecht oder Dauer der Parteizugehörigkeit wollten sie den Kreisverband „auf Augenhöhe“ führen.
Ein Parteiamt ist keine Selbstverständlichkeit. Für uns ist Demut das Gebot der Stunde.
Ganz neu ist die Zusammenarbeit der beiden nicht. Seit 2018 haben Schirmann und Krasniqi nach eigenen Angaben in verschiedenen Wahlkämpfen zusammengearbeitet. Vor dem Parteitag wollen sie nun die Ortsvereine besuchen und dort für ihre Kandidatur werben. Inhaltlich kündigen sie vor allem eine engere Vernetzung der Ortsvereine und eine stärkere Einbindung der Mitglieder an.
„Ein Parteiamt ist keine Selbstverständlichkeit. Für uns ist Demut das Gebot der Stunde“, erklären Schirmann und Krasniqi. Gemeinsam mit den Mitgliedern wollten sie „um die besten Lösungen für die Menschen in unserem Kreis ringen und die politische Arbeit auf allen Ebenen stärken“.
Neues Duo fordert auch den aktuellen SPD-Kreisvorsitzenden heraus
Mit ihrer Bewerbung fordern sie ein politisch erfahrenes Duo heraus. Schipper führt die Kreis-SPD derzeit allein, sitzt im Kreistag und ist Zweiter stellvertretender Landrat. Der 1971 geborene Förderschulrektor hatte Anfang Februar für die SPD den Koalitionsvertrag mit der CDU unterzeichnet. Heike Lehmann ist ebenfalls Kreistagsmitglied und stellvertretende Kreisvorsitzende. Zudem tritt die Wermelskirchenerin bei der Landtagswahl 2027 für die SPD im Wahlkreis Rhein-Berg II an.
Vorsitzender reagiert gelassenSchipper reagiert auf Anfrage der Redaktion gelassen auf die Konkurrenz. Völlig überraschend kommt sie für ihn offenbar nicht. „Das hat sich bereits in der vergangenen Vorstandssitzung abgezeichnet“, sagt der Kreisvorsitzende. Bis zum Parteitag könnten sich selbstverständlich auch noch weitere Bewerber melden.
Wettbewerb in solchen Wahlen ist immer gut, aber wenn man selbst betroffen ist, natürlich auch von einer gewissen Aufregung begleitet.
Dass die Abstimmung für ihn dennoch mehr ist als ein gewöhnlicher innerparteilicher Wettbewerb, verhehlt Schipper nicht. „Wettbewerb in solchen Wahlen ist immer gut, aber wenn man selbst betroffen ist, natürlich auch von einer gewissen Aufregung begleitet“, sagt er.
Für ihn wird die Abstimmung zugleich zu einer Vertrauensfrage. Schipper legt sich fest: Er kandidiere gemeinsam mit Heike Lehmann für die Doppelspitze. Sollte dieses Duo beim Parteitag keine Mehrheit bekommen, werde er anschließend für kein anderes Amt im Kreisvorstand zur Verfügung stehen.
Herausforderer bringen unterschiedliche politische Biografien mit
Das zweite Bewerberteam bringt unterschiedliche politische Biografien mit. Lydia Schirmann ist 67 Jahre alt, ausgebildete Hotelfachfrau und seit 2018 SPD-Mitglied. Seit 2019 ist sie in der Rösrather Kommunalpolitik aktiv, seit 2024 gehört sie als Beisitzerin dem SPD-Kreisvorstand an. Nach der Kommunalwahl 2025 zog sie in den Rösrather Stadtrat ein und gehört zudem dem Seniorenbeirat an.
Kastriot Krasniqi ist mit 33 Jahren deutlich jünger. Der gebürtige Kosovare kam als Kind mit seiner Familie nach Deutschland und wuchs im Rheinisch-Bergischen Kreis auf. Er ist ausgebildeter Sozialversicherungsfachangestellter und freigestellter Personalrat. Der SPD gehört er bereits seit 2008 an. Seit der Kommunalwahl 2025 sitzt Krasniqi im Kreistag; dort ist er Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Pflege und Gesundheit. Dass Krasniqi dem neuen Kreistag angehört, weist auch die offizielle Zusammensetzung aus.
Krasniqi koordinierte Teile des Koalitionsvertrags, Schipper unterschrieb ihn
Bei den Koalitionsverhandlungen mit der CDU koordinierte Krasniqi nach Angaben seines Bewerberteams für die SPD die Bereiche Arbeit, Soziales, Pflege und Gesundheit sowie Bevölkerungsschutz, Rettungswesen und Verbraucherschutz. Damit bewirbt sich auch ein Politiker um die Parteispitze, der an der Vorbereitung jener Zusammenarbeit mit der CDU beteiligt war, für deren Kreisverband Schipper anschließend den Koalitionsvertrag unterzeichnete.
Politisch liegen die beiden Bewerberduos zumindest bei einem erklärten Ziel nicht weit auseinander: Sowohl Schirmann und Krasniqi als auch Lehmann und Schipper wollen die Zusammenarbeit der Ortsvereine stärken und die Mitglieder stärker in die Arbeit des Kreisverbands einbinden. Die Unterschiede zwischen den Teams dürften daher auf dem Weg zum Parteitag noch deutlicher herausgearbeitet werden.
Fest steht bereits: Die geplante Doppelspitze, die zunächst vor allem eine organisatorische Neuerung für die Kreis-SPD zu werden schien, bekommt nun auch eine machtpolitische Komponente. Am 26. September entscheiden die Delegierten nicht nur darüber, ob künftig zwei Personen gemeinsam an der Spitze stehen. Sie können voraussichtlich auch darüber entscheiden, welches Duo die SPD Rhein-Berg künftig führen soll.

