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SchulsanierungAuftragsvergabe ist in Kürten geplatzt

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Das Foto zeigt Bauarbeiten am Schulzentrum Kürten

Im Oktober 2023 wurde die Gymnastikhalle am Schulzentrum Kürten abgebrochen

Die Planungsleistungen müssen neu ausgeschrieben werden, die Kürtener Verwaltung hat kein geeignetes Planungsbüro für die weitere Schulsanierung gefunden

Die Kürtenerinnen und Kürtener sind weniger gute Nachrichten von der Gesamtschulsanierung mittlerweile gewöhnt. Die Neueste betrifft die weitere Planung in Gänze: Die Gemeinde hat das laufende Verfahren für die Neuvergabe der Planungsleistungen für Sülztalhalle und Gymnastikhalle (beide im Rohbau) sowie für die Schulgebäude abbrechen müssen.

Mit einer europaweiten Ausschreibung hatte die Verwaltung die Nachfolger für das ausgeschiedene Büro Pannhausen und Lindener finden wollen. Jetzt berichtet Bürgermeister Mario Bredow (parteilos), dass es kein wirtschaftlich tragfähiges Ergebnis gegeben habe.

Damit steht die Verwaltung weiter ohne Planungsbüro da, es muss neu ausgeschrieben werden, mit veränderter Struktur. Verzögerungen im Bauablauf erscheinen nach dieser Wende möglich bis wahrscheinlich. Bislang sollten Sülztalhalle und Gymnastikhalle Ende 2027 fertiggestellt sein, auch dies bereits mit deutlicher Verspätung. Neben den Schülerinnen und Schülern von Gesamtschule und Grundschule warten auch Sportvereine und Karnevalsgesellschaften auf die neuen Hallen.

Showdown im Sommer

Außerdem: Vor dem Sommer will die Politik entscheiden, wie es beim 124-Millionen-Euro-Projekt nach Fertigstellung der Sporthallen weitergehen könnte. Als Folge der gescheiterten Auftragsvergabe sollen jetzt zunächst nur Planungsleistungen für die Fertigstellung der Sporthallen ausgeschrieben werden. Für die Objektplanung der Gesamtschulgebäude (ab Leistungsphase 6) ,so Bredow, müsse die politische Entscheidung des Sommers abgewartet werden.

„Es ist immer leicht gesagt, das Verfahren sei zu komplex gewesen“, erklärt Kürtens Bürgermeister. Schon vor seinem Amtsantritt im November sei das Vergabeverfahren eingeleitet worden, stellt er fest. „Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung ist es unsere Pflicht, sorgfältig mit öffentlichen Mitteln umzugehen.“ Um voranzukommen, sollten Sporthallen und Schulgebäude jetzt getrennt betrachtet werden.

Neue Ausschreibung im April

Von Positionen, die für die Gemeinde nicht verhandelbar oder annehmbar waren, berichtet auf Nachfrage der Vorsitzende des Sanierungsausschusses, Michael Hardt (Grüne). Die im Rohbau befindlichen Sporthallen müssten so bald wie möglich weiter und zu Ende gebaut werden. Den ersten Winter ohne Bautätigkeit hätten die beiden Rohbauten hinter sich. Einen zweiten Winter dürfe es nicht geben. Hardt spricht von einer „Notsituation.“

Mario Bredow hofft, dass schon im April eine erneute Ausschreibung des Vergabeverfahrens europaweit auf den Markt kommen könnte. Beschränken wolle sich Kürten dann auf die beiden Sporthallen.

Überwachung der Leistungen

Es gehe dabei in erster Linie um die Überwachung der Bauunternehmen und Handwerker. Ohne eine Objektüberwachung könne nicht weiter gebaut werden. Vielleicht gelinge schon im Monat Juli die Vergabe, nach einer diesmal erfolgreichen Ausschreibung. Dass die beiden Sporthallen zu Bauruinen werden könnten, sieht Bredow nicht. Im aufgehobenen Verfahren hätten die Planer nun drei Monate Zeit bekommen für eine Einarbeitung.

Damit sei man im Monat Juni. Bei einer Neuvergabe im Juli lägen die Zeitplanungen nicht weit auseinander. Bredow: „Die getrennte Betrachtung ermöglicht es, beide Projekte zielgerichtet weiterzuentwickeln und die jeweils passenden Schritte einzuleiten.“ Sollte sich die Politik zu einem Fortgang des Projekts mit Sanierung der Schulgebäude im nächsten Schritt entscheiden, sähe diese Ausschreibung im Vergleich zu den Sporthallen anders aus, Architektenleistungen ab Leistungsphase müssten ausgeschrieben werden.

Sprechen über Bauabläufe

In Kontakt ist die Kommune auch mit dem Handwerk. Für die Fertigstellung der Sporthallen müssen noch diverse Bauleistungen erbracht werden. Jetzt gehe es darum, auch mit diesen Unternehmen über Bauabläufe zu sprechen, sagt Bredow. Hintergrund ist die Krise in den Innungen: Fachkräfte fehlen überall, auch für die Kürtener Projekte müssen freie Kapazitäten vorhanden sein.

Dass das Sanierungsprojekt nicht einfach werden würde, sei ihm schon bei Amtsantritt klar gewesen, sagt Bredow. Er sei zuversichtlich, dass es bei beiden Rohbauten weitergehen werde. Eine neue Zeitschiene könne zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht mitgeteilt werden. Er setze darauf, dass die neue Ausschreibung mit verkürzten Fristen gelingen werde.

Zu besprechen haben die Kürtener zunächst mal wenig bis nichts. Die für diesen Donnerstag geplante Sitzung des Sonderausschusses Schulsanierung hat die Gemeinde Kürten kurzfristig abgesagt.