Über vier Tage geht der Mittelaltermarkt in Nümbrecht. Die ersten zwei Tage wurde es bereits voll. Am Samstag und Sonntag, 2. und 3. Mai, geht es weiter.
Am SchlossWalpurgis-Fest und tausende Gäste beim Auftakt des Mittelaltermarktes in Nümbrecht

Künstlerin Mirimah zeigte als Verkörperung des Frühlings eine Feuershow.
Copyright: Michael Kupper
Tausende Gäste bevölkerten am Maifeiertag das Gelände rund um Schloss Homburg in Nümbrecht. Ritter in blitzenden Rüstungen tummelten sich am Freitag zwischen Burgfräuleins, Gauklern und Tänzerinnen. Die rund 800 Jahre alte Anlage erlebte bereits zum Auftakt des ingesamt viertägigen Mittelaltermarkts ein Gewusel, wie es dereinst wirklich geherrscht haben mag. Der Markt ist auch in diesem Jahr ein Publikumsmagnet. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher, teils in historischen Gewändern gekleidet, füllten die Gassen zwischen den liebevoll hergerichteten Ständen. Dazwischen bat ein zerlumpt gekleideter Bettler um ein Almosen.
Bereits am Vorabend wurde das Spektakel mit einem Beltane-Umzug der Akteure um den Herold Walther von der Pferdeweide, alias Jürgen Körber aus dem Organisationsteam des Veranstalters Kramerey und Kurtzweyl, und Äbtissin Adelheid eingeleitet. Mit frischem Birkengrün getarnt hatten sich auch einige Hexen angesichts der bevorstehenden Walpurgisnacht unter das lustige Völkchen gemischt.

Die fünfjährige Wanja genoss das Auf und Ab auf einer antiken Wippe.
Copyright: Michael Kupper
Vor dem Konzert der Gruppe Tanzwut (siehe unten in diesem Artikel) erlebten die Gäste noch eine tolle Feuershow mit den Tänzerinnen Solei, Polina Lux und Mirimah. Daran beteiligten sich auch der Gummersbacher Gaukler Lupus und „Fin de Filou“ vom Duo Confilius mit einer Feuerjonglage.
Ihren Mut musste die holde Maid Vanessa aus dem Publikum unter Beweis stellen. Zur Musik von „Herzgespann“ ließen die beiden Jongleure brennende Keulen vor ihrem Gesicht und hinter ihrem Rücken in atemberaubenden Tempo durch die Luft wirbeln, während die Zuschauerinnen und Zuschauer den Atem anhielten und anschließend begeistert applaudierten. Ungerührt von dem Tohuwabohu um sie herum genoss die fünfjährige Wanja derweil mit ihrer Oma das Auf und Ab auf einer antiken Wippe.
Neben jeder Menge kulinarischen Angeboten gab es auch allerlei Handwerk zu sehen. Vor dem Roten Haus hatte sich Frennzus, der Besenbinder, aus dem Raum Stuttgart postiert. Scherzend bekundete er, dass seine Reisigbesen auch für Linkshänder geeignet seien: „Ich habe sogar Besen für Kurzbeinige.“ Entscheidend sei die richtige Spannung der Klammer, mit der er die Reisigbündel in Form brachte: „Wenn ich am Ende den Stiel in das Bündel treibe, bekommt man ihn nicht mehr heraus“, erklärte er.

Vor dem Roten Haus hatte sich am Freitag Frennzus postiert. Er stellt im Rahmen des Mittelaltermarkts das alte Handwerk des Besenbindens vor.
Copyright: Michael Kupper
Während Mirimah als Verkörperung des Frühlings über und über mit Blumen geschmückt vor der Rembold-Bühne im unteren Burghof zur Musik von „Chapelloise“ zum Tanzen animierte, begeisterte sich der zehnjährige Elia aus Windeck an den historischen Waffen des Hamburgers Thomas Samek im Landschaftshaus. Auf kindgerechte Weise vermittelte dieser – als Robin Hood gewandet – die Entwicklung des Schwertes zum Degen. Auf der Rasenspirale lud das Theater „Gimolino“ die Kinder zum mittelalterlichen Kegeln ein.
Auch in der Neuen Orangerie gab es spannende Ausflüge in die Vergangenheit. Dort konnten sich die Kinder bei Eckhard Pfiffer, ehemaliger Lehrer an der Realschule Bielstein, in die Kunst des Buchdrucks einweihen lassen und das gleich selbst ausprobieren.
Nebenan präsentierte die Archäologin Ulrike Claßen-Büttner die mittelalterliche Kunst des Schlaufenflechtens, was einerseits als Dekoration, und andererseits als Vorläufer von Knöpfen sowie in einer breiteren Form als Gürtel gedient habe. Mit der elfjährigen Pauline aus Nümbrecht fertigte sie ein Armband, was das Mädchen gleich mitnehmen konnte. Ihre Mutter Toska Will war begeistert. „Es ist toll, wie man nach dem ganzen Trubel hier oben zur Ruhe kommt“, sagte sie erfreut.
Walpurgis-Fest mit der Band Tanzwut zum Auftakt des Mittelaltermarktes
Ein fast voller Mond strahlt am Donnerstagabend über dem Gelände von Schloss Homburg in Nümbrecht. Die kleinen Buden und Zelte sind von Kerzen erleuchtet, ein Tag voller Sonne, Lachen und Musik geht zu Ende. Fast 500 Menschen haben ein aus der Zeit gefallenes Walpurgis-Fest im Rahmen der Eröffnung des Mittelalterlichen Marktes gefeiert und auf Schloss Homburg eine Zeit der Gaukler und Spielleute erleben dürfen.
Am Vormittag hatten zunächst unzählige Kinder den Handwerkern auf dem Markt beim Schulpädagogischen Tag über die Schulter geschaut, sie hatten jede Menge Fragen gestellt und viel über das Mittelalter erfahren. Die Kinder der Helen-Keller-Schule aus Wiehl weihten mit ihrem Chor die neue Bühne ein, bevor die Aktion für die jungen Gäste um 15 Uhr zu Ende ging. Nach der offiziellen Eröffnung des Festes am Spätnachmittag spielten dann zunächst Chapelloise aus Wiehl zum Tanz auf. Der große Beltane-Umzug mit Feuerspektakel folgte und schließlich wurde es gar teuflisch auf der hölzernen Bühne.

Tanzwut sorgten am Donnerstagabend für die passende Stimmung auf dem Mittelaltermarkt.
Copyright: Michael Kupper
Schwungvolle TanzschritteDie Band Tanzwut aus Berlin spielte auf, präsentierten mit Dudelsäcken, Pauken und Trommeln ihr mittelalterliches Programm, schafften es sogar, dass grimmige Recken und holde Maiden, sich fest an den Händen haltend, schwungvolle Tanzschritte wagten.
Frontmann Teufel erzählte zwischen den Melodien wilde Geschichten – einer Mär aus seinem Munde folgend, wurden Tanzwut in orientalischen Landen in einem Harem eingesperrt, weil sie zuvor dem Alkoholgenuss gefrönt hatten. Die Flucht gelang nach sieben Jahren, Tanzweib Mirimah schloss sich den Spielleuten an und tanzte nun auf Schloss Homburg für die Konzertbesuchenden. Ebenso wie Soleil, die die Dämmerung mit ihrem Feuertanz erhellte und Polina, die ihrerseits einen lodernden Feuerstab zum Rhythmus der Musik schwang.
Ganz unmittelalterlich hielten viele Gäste dieses Geschehen mit ihren Smartphones fest, um sich dann aber doch wieder, fast durchgehend kreativ gewandet, dem Tanzen hinzugeben. Ein paar Geschichten und Zugaben später, ging ein harmonisches Walpurgis-Fest schließlich, vom Mond freundlich beschienen, zu Ende.
Am Wochenende geht es weiter
Der Mittelaltermarkt auf Schloss Homburg in Nümbrecht findet noch das gesamte Wochenende statt. Am heutigen Samstag ist der Markt in der Zeit von 11 bis 20 Uhr, und am morgigen Sonntag in der Zeit von 11 bis 19 Uhr geöffnet. An beiden Tagen erwartet die Besucherinnen und Besucher neben Handwerkskunst ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm. Das Marktwochenende endet am Sonntag mit dem Ruf des Nachtwächters um 19 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro. Das detaillierte Programm findet sich auf der Homepage der Veranstaltung.
