Im Jahresinterview spricht Kürtens Bürgermeister Mario Bredow (parteilos) über die Herausforderungen im Jahr 2026
InterviewKürtens Bürgermeister Mario Bredow ordnet Verwaltung neu

Mario Bredow ist seit November Bürgermeister der Gemeinde Kürten
Copyright: Christopher Arlinghaus
Ein zunehmend teurer werdendes Mammut-Sanierungsprojekt am Schulzentrum ist nur eine der Herausforderungen, mit denen sich Kürtens neuer Bürgermeister Mario Bredow (41, parteilos) zwei Monate nach seinem Amtsantritt auseinanderzusetzen hat. Über seinen Weg ins Amt, Krisenmanagement und Pläne für dieses Jahr hat Claus Boelen-Theile mit dem Rathauschef gesprochen.
Sie sind keine 100 Tage im Amt, und schon steht mit dem Abschied Ihres Allgemeinen Vertreters Willi Hembach und der Geschäftsbereichsleiterin Monika Chimtschenko eine große Zäsur im Kürtener Rathaus an. Wie gehen Sie damit um?
Einvernehmlich mit dem Ältestenrat ist die Nachbesetzung der Stelle von Frau Chimtschenko derzeit intern ausgeschrieben. Ich hoffe, der Politik in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses im Januar bereits einen Personalvorschlag machen zu können. Ich bin da optimistisch.
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Hat der Personalwechsel auch Auswirkungen auf Ihre Arbeit? Ja, das ist so. Ich werde die Leitung des Geschäftsbereichs Zentrale Dienste von Herrn Hembach übernehmen. Dieser Bereich wird um die Bereiche Ordnung, Feuerwehr und Bevölkerungsschutz erweitert. Der Bereich Finanzen ist dafür künftig im Geschäftsbereich der derzeit intern ausgeschriebenen Nachfolge von Frau Chimtschenko zugeordnet.
Warum gerade der Ordnungsbereich?
Dort ist es sehr dynamisch gerade und die Arbeit umfasst auch den Bevölkerungsschutz. Da kommen auf die Gemeinde viele neue Dinge zu, die auch Geld kosten werden. Auf alle Kommunen in NRW, das ist übergreifend. Etwa das Erstellen von Einsatzplänen für den Ernstfall. Aus der Vergangenheit kennen wir so etwas nicht. Aber die Zeiten haben sich mit dem russischen Angriff auf die Ukraine geändert. Auch die Kürtener Feuerwehr ist eng einzubinden.
Sind Sie in Ihrer neuen Rolle als Bürgermeister angekommen?
Ja. Mir kommt dabei zugute, in Overath und Lüdenscheid, meinen vorherigen Stationen, ebenfalls in der Verwaltungsführung verantwortlich mitgearbeitet zu haben. Vielleicht muss sich der ein oder andere noch umstellen, der mich aus meiner ehrenamtlichen Arbeit als Ratsmitglied in Kürten noch kennt. Aber ich habe schon von einigen Kolleginnen und Kollegen positives Feedback hierzu bekommen, was mich sehr freut.
Wie geht es nach der knappen Ratsentscheidung mit dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept, dem Isek, weiter? Es hätte auch anders ausgehen können bei der Abstimmung.
Wichtig ist mir: Es sind viele Sachen dabei, die wir auch ohne Förderprogramm angehen müssen, das Schulgelände, die Umgestaltung der Straße Marktfeld, die Veränderungen auf dem Stockhausen-Platz. Der Platz wird zur Hälfte entsiegelt, aber vielleicht lassen sich auf der entsiegelten Fläche weitere Parkplätze schaffen. Das muss noch eingehender geprüft werden. Es wird weitere Entscheidungen im Rahmen von Isek geben. Mein Ziel ist es, die Notwendigkeit noch deutlicher herauszustellen, so dass die politische Mehrheit klarer wird.
Und bei der Gesamtschule, was ist da oben auf der Agenda?
Hier gilt es zunächst der Politik einen Vorschlag zu unterbreiten, wer die externe Untersuchung der Alternativen und Varianten vornehmen soll. Für die größtmögliche Akzeptanz werden wir hier Büros vorschlagen, die bisher nicht im Projekt eingebunden waren.
Können Sie uns etwas über den Neubau der Feuerwehrgerätehäuser in Olpe und Dürscheid mitteilen? Stillstand oder Fortkommen?
Für Olpe sind die Planungen weit fortgeschritten. Ich denke, dass wir 2026 mit dem Neubau beginnen können. Für Dürscheid muss die Verkehrssituation mit dem Landesbetrieb Straßen weiter untersucht werden, da geht es um Ein- und Ausfahrten auf die Landstraße zwischen Dürscheid und Spitze. Es gibt noch Klärungsbedarf.
Was liegt noch oben auf Ihrem Schreibtisch?
Wir wollen im Januar mit Social Media starten, um die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar erreichen zu können. Ein erster Schritt ist hier bereits im Dezember erfolgt. Die Gemeinde ist seitdem bei Linked-In vertreten, was uns beim Gewinnen von Arbeitskräften helfen soll.
Wie bedeutend ist das Bauprojekt an der Bergstraße in Kürten?
Mit Investor Markus Berghaus, der ja an der Bergstraße sein Bauvorhaben plant, hoffe ich, im ersten Quartal 2026 eine verbindliche Regelung zu finden. Das Jugendzentrum soll nicht zu sehr durch die Wohnbebauung eingeschränkt werden.
Gelingt der Spagat zwischen Bauland und den Interessen der Jugend?
Ich bin da zuversichtlich. Das Bauprojekt als solches ist natürlich sinnvoll und stellt einen nachvollziehbaren Lückenschluss im Innenbereich dar. Und man muss sagen: Der Eigentümer (die katholische Kirche, A. d. Red.) hatte das Gebiet in der Vergangenheit auch der Kommune angeboten. Jetzt entwickelt es Markus Berghaus. Ich bin optimistisch, dass sich hier gemeinsam die verschiedenen Ziele am besten erreichen lassen.
Vorwärts wird es auch mit dem Bau von festen Wohnhäusern für Geflüchtete gehen im kommenden Jahr?
Das ist das Ziel. Allerdings sind die Zuweisungen von geflüchteten Menschen aktuell rückläufig. Vielleicht denken wir auch in Richtung Sozialwohnungen beim Bau dieser Häuser. Wir machen Vorschläge, und über die Standorte in den Dörfern muss der Gemeinderat entscheiden. Für die Geflüchtetenunterkunft in Spitze steht in nächster Zeit die Belegung an, letzte Abnahmen laufen. Sie sind von vier Fraktionen unterstützt worden bei Ihrer Kandidatur.
Wie wirkt sich das aus?
Ich bin nicht der Bürgermeister von CDU, Grünen, Bürgern für Bürger oder FDP. Ich bin der Bürgermeister für Kürtener. Vorrangige Aufgabe ist es, die Verwaltung zu leiten und gute Vorschläge für die Politik zu entwickeln. Das ist der Verwaltung jetzt gerade bei der Beratung über die Gesamtschulsanierung gelungen, hoffe ich. Aber diese 124 Millionen sind ein großer Brocken für die Gemeinde. Das ist uns allen bewusst, und auch bei 80 Millionen wären die Ausgaben noch sehr hoch. Warten wir ab, was unsere Untersuchungen ergeben.Im Frühjahr wissen wir mehr.
Das Hallenbad ist erstmal zur Ruhe gekommen?
Vor ein paar Wochen war Willi Hembach am Bad und hat mit den Verantwortlichen gesprochen. Bei den Nebenkosten, die wir für das Schul- und Vereinsschwimmen zu tragen haben, sieht es offenbar gut aus. Der monatliche Abschlag von 40.000 Euro wird wohl passen, es könnte sogar etwas günstiger werden für die Kommune. Da müssen wir auch die Entwicklung der Schwimmschule am Bad abwarten.
Was wünschen Sie sich besonders für das kommende Jahr?
Dass Bund und Land den Kommunen mehr vertrauen. Statt komplexer Fördermitteltöpfe muss die Grundfinanzierung auskömmlich gestaltet sein. Sonst wird uns die Ertüchtigung der kommunalen Infrastruktur nicht ohne entsprechende Mehrbelastungen der Bürgerinnen und Bürger gelingen. Vor dem Hintergrund der instabilen geopolitischen Lage möchten wir auch die Kontakte zu unserer Partnerstadt Rodenge Saiano wiederbeleben. Hier gibt es einen ersten schriftlichen Austausch, der uns optimistisch stimmt.
Haben Sie zu Rodengo Saiano Rückmeldungen aus der Gemeinde bekommen?
Viele Kolleginnen und Kollegen im Rathaus unterstützen den neuen Anlauf. Auch aus den Kürtener Vereinen sind positive Rückmeldungen gekommen.

