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KVBPasst eine Verlängerung der Linie 1 planerisch nach Kürten-Spitze?

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Die mögliche Fläche für das Gewerbegebiet Spitze würde durch eine Verlängerung der Linie 1 verkleinert.

Kürten – Passt eine Verlängerung der Stadtbahnlinie 1 von Bensberg bis nach Kürten-Spitze planerisch überhaupt in ein dortiges Gewerbegebiet?

Mit dieser Fragestellung überraschte Bürgermeister Willi Heider (parteilos) am Donnerstagabend im Bau- und Planungsausschuss. „Das sind neue Herausforderungen für uns“, erklärte Heider den verdutzten Politikern.

Die Trasse, die von Herkenrath kommend quer über die Wiesen und Weiden gen Spitze verlaufen würde, hätte demnach größere Auswirkungen aufs Plangebiet als bislang angenommen und würde die nutzbaren Flächen offenbar einschränken.

Die Politik müsse dazu eine Aussage treffen, ob die Linienverlängerung weiterhin gewollt sei. Ein Nein würde dann wohl bedeuten, dass die Trassen-Idee eingestampft wird.

Das Problem der Kürtener: Niemand weiß, ob diese seit den 60er-Jahren (damals Stadt Bensberg) geplante Bahnlinie jemals kommen wird. Die schwierige Topographie ist die eine Hürde, die andere die Finanzierung eines Projekts, das mindestens einen Finanzbedarf in hoher zweistelliger, möglicherweise dreistelliger Millionenhöhe benötigt.

Die Bahnlinie soll irgendwann das drängende Kürtener Verkehrsproblem lösen, denn ohne schnelle Anbindung nach Köln erscheint die Gemeinde nicht konkurrenzfähig beim Buhlen um die Zielgruppe junge Familien.

Allerdings: Schnellbuslinien nach Gladbach oder Bensberg wären wohl leichter zu installieren als ein finanziell unklares Großprojekt.

Gleichwohl hatte es in den vergangenen Monaten klare Signale der Kürtener Politik für eine Stadtbahn-Trasse nach Kürten-Spitze gegeben. Der Zukunftsausschuss fasste zuletzt im November 2015 auf SPD-Antrag einen Beschluss zur Linie 1.

Darin heißt es, dass die Verwaltung die Stadtbahn-Verlängerung in den ÖPNV-Bedarfsplan 2017 der Bezirksregierung als Kürtener Vorschlag einbringen und „bei Bedarf erforderliche Verhandlungen mit den beteiligten Behörden führen“ soll.

Umgehend nach dem Ausschussvotum hatte die Gemeinde die Trassenverlängerung als Kürtener Wunsch an die Bezirksregierung gemeldet.

Der Rheinisch-Bergische Kreis flankierte ebenfalls mit Aufnahme in den kreisweiten Verkehrs-Bedarfsplan. Auch im Regionalplan Köln ist die Trasse seit Jahrzehnten skizziert.

In der derzeit diskutierten Fortschreibung des Leitbilds Kürten 2030 spielt die Stadtbahn eine wichtige Rolle, neben der Idee, Schnellbusse rollen zu lassen.

Kürten-Spitze als Umstiegsort für Park-and-Ride/Schnellbusse zu nutzen, ist eine Kern-Idee; hierfür hat die Verwaltung bereits verschiedene Vorschläge erarbeitet (Altdeponie Spitze, Dorfplatz Spitze, Mulden-Wiese an der Hauptkreuzung). Alles mit dem Ziel, die Mobilität für die Kürtener Bürger zu erhöhen.

In der Nachbarstadt Bergisch Gladbach würde eine Kürtener Diskussion ebenfalls aufmerksam verfolgt. Gerade wird in der Kreisstadt der neue Flächennutzungsplan diskutiert.

Im Entwurfsplan ist die Trasse der Linie 1 bis zur Gladbach-Kürtener Ortsgrenze eingezeichnet. Und: Im Stadtteil Herkenrath sieht der Entwurfsplan entlang der Trasse zahlreiche neue Wohnbaugebiete vor. Die Stadtbahn soll die Garantie für die Neubürger sein, schnell zur Rheinschiene zu gelangen.

Thema im Ausschuss

Eine Umsetzung des Gewerbegebiets Kürten-Spitze rückt offenbar näher: Für die nächste Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am 8. Dezember kündigt Bürgermeister Willi Heider entscheidende Schritte an. Der Planungsstand solle auf der Sitzung vorgestellt und der Weg zur Realisierung skizziert werden. Heider: „Die Politik muss bis dahin die Frage beantworten, welchen Weg wir gehen wollen.“ Ein Umlegungsverfahren könnte ein Modell sein, meint Heider. Zu diskutieren sei auch, ob die kommunale Erschließungsgesellschaft („E-GmbH“) nach dem Rücktritt des vormaligen Erschließungspartners Dohrmann/Remscheid in Spitze tätig werden könnte.

Für die seit drei Jahren festgefahrenen Grundstücksverhandlungen bei der erforderlichen Schlüsselimmobilie an der Bensberger Straße sieht Heider Licht am Ende des Tunnels. Der Eigentümer und die weiteren betroffenen Akteure sendeten „durchweg positive Signale“ aus. Seit Herbst 2011 laufen im Kürtener Rathaus die Planungen für Gewerbe in Spitze. (cbt)