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Rhein-Bergs erster WolfszaunSpezialbarriere soll den Wolf abhalten

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Menschen stehen an einem Wolfsschutzzaun in Kürten-Bechen.

Mehr Litzen und eine höhere elektrische Energie hat der wolfssichere Zaun, für den RBN-Vorsitzender Mark vom Hofe (links, mit den Weidetierhaltern Alexandra Broich und Marcus Dernerth) eigens eine Baugenehmigung zu beantragen hatte. Und das war nicht die einzige Hürde.

Rhein-Bergs erster wolfssicherer Festzaun steht in Kürten-Bechen – Naturschutzinitiative: Aufwendig, aber notwendig

Sechs Drähte übereinander und besonders starke Isolatoren hat der Zaun. Er soll nicht nur die dahinter bald wieder grasenden Schafe vom Ausbüchsen abhalten, sondern vor allem auch Wölfe davon abhalten auf der Streuobstwiese bei Kürten-Bechen Tiere zu reißen. „Das ist der erste und bislang auch einzige wolfssichere Zaun im gesamten Kreisgebiet“, sagt Mark vom Hofe.

Ein Wolf läuft über eine verschneite Wiese.

Dieser Wolf wurde vor wenigen Wochen bei Kürten-Spitze gesichtet.

Der Vorsitzende des Bergischen Naturschutzvereins (RBN) hat ihn mit seinen Mitstreitern und   Alexandra Broich, deren Schafe bald wieder auf der Streuobstwiese weiden, initiiert. Und obwohl sie wissen, wie wichtig derartige Schutzmaßnahmen angesichts durchziehender Wölfe sind, hätten sie nicht gedacht, wie aufwendig es ist, einen solchen vom Land geförderten Zaun auch wirklich zu installieren.

„Als erstes mussten wir – obwohl hier auch vorher ein normaler Zaun stand – eine Baugenehmigung beantragen“, berichtet Mark vom Hofe. „Und dann bezahlt das Land nur das Material, nicht aber die Aufstellung.“ Weil die aber bei sechs Litzen für den wolfssicheren Zaun und Hangabschnitten auf den 500 Metern, entlang denen er installiert wurde, recht kompliziert ist, musste eine Fachfirma beauftragt werden. Ergebnis: Neben der vom Land übernommenen Summe von 7000 Euro für den Zaun, musste der Verein noch mal 7000 Euro für die Installation der wolfssicheren Barriere aufbringen.

Naturschützer empfehlen, Tiere gegen durchziehende Wölfe zu schützen

Dennoch würden sie jedem Schafhalter empfehlen, sich gegen die immer häufiger gerade im Winter durch Rhein-Berg ziehenden Wölfe zu schützen. „Wir werden immer wieder damit leben müssen, dass ein Wolf hier bei uns durchgeht“, sagt auch der Artenschutzbeauftragte des Kreises, Wilfried Knickmeier, der zugleich Wolfsberater des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (Lanuk) ist.

Elektrodrähte sind zwischen Isolatoren an einem Tor zu einer Weide bei Kürten-Bechen gespannt.

Aufwendig ist der Aufbau eines wolfssicheren Zauns.

Die Anforderungen an die wolfssicheren Schutzmaßnahmen sind hoch. Die 20 Zentimeter unter der untersten Litze des in Bechen stehenden 1,20 Meter hohen Zauns müssen regelmäßig freigeschnitten werden, damit der Elektrozaun nicht „geerdet“ wird und der Strom nicht in den Boden „abfließt“, wie Alexandra Broich weiß. Alle zwei Wochen ist sie daher während der Vegetationswachstumsperioden mit einem Freischneider an dem 500 Meter langen Zaun im Einsatz. Auch das Weidezaungerät ist kein reguläres, wie man es sonst von Viehweiden kennt, sondern hat eine höhere Entladeenergie, um auch den Wolf abzuschrecken.

Ob der wolfssichere Zaun in Bechen schon eine Wolfsattacke abgewehrt hat? „Das weiß man erst, wenn einer dagewesen ist“, sagt Alexandra Broich. Sobald ein Spannungsabfall an dem Zaun auftritt, erhält sie eine Nachricht auf ihr Handy. Bislang habe sie aber an der Bechener Streuobstwiese noch keine Wolfsspuren ausfindig machen können, sagt die Schafhalterin.

Die Wölfe müssen wissen: Menschen sind gefährlich.
Alexandra Broich, Schafhalterin

Über jegliche Arbeit rund um ihre Tierherden führt sie ein entsprechendes Tagebuch. „Sollte einmal ein Tier gerissen werden, muss man zum Beispiel für eine Entschädigung nachweisen, dass Strom auf dem Zaun war“, sagt sie. Das Beste sei, wenn der Wolf kein Nutztier reiße und dadurch lerne, wie leicht dieses ohne entsprechenden Schutz zu bekommen sei. „Die Wölfe müssen wissen: Menschen sind gefährlich.“ Dann näherten sie sich ihm und seinen Gebieten auch nicht, so Broich. Insofern sei die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz auch richtig gewesen, sagt die Schafhalterin.

Naturschützer Mark vom Hofe ist da zurückhaltender: „Wir waren nicht dafür“, sagt er. „Willkommen Wolf ist schon richtig, aber es müssen auch die geschützt werden, denen er gefährlich werden kann“, sagt vom Hofe und schaut den ersten wolfssicheren Zaun im Kreis entlang. Auch wenn der Aufwand, ihn zu errichten, nicht unerheblich war, würde er ihn doch weiter empfehlen. Er setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt auch als Vorsitzender der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW für die Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung ein. Zäune wie der in Bechen könnten dabei helfen.