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Es hagelt KritikLetzte Fahrt zum Jahresende in Herkenrath

Die Stadt Herkenrath will den Schülerspezialverkehr in Zukunft einstellen. Es hagelt jedoch Kritik an den Alternativen.

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Eine Schulbushaltestelle ist am 24.10.2016 in der Ortschaft Weetzen in der Region Hannover (Niedersachsen) nahe einer Schule ausgeschildert. Foto: Holger Hollemann/dpa (zu dpa "ADAC gibt Schulbussen in Niedersachsen gute Noten" vom 24.10.2016) ++ +++ dpa-Bildfunk +++

Aus für den Schülerspezialverkehr

Für die Grundschüler aus Herkenrath und Moitzfeld soll mit dem Jahreswechsel Schluss sein mit dem Schülerspezialverkehr. Nach erneuter Prüfung kommt die Stadtverwaltung zu dem Ergebnis, dass die Kinder ab 1. Januar 2027 mit regulären Linienbussen zur Schule fahren können. Doch vor der Beratung an diesem Donnerstag im Schulausschuss gibt es neue Zweifel, vor allem in Herkenrath.

Dort sieht CDU-Ratsherr Dr. Oliver Schillings eine Reihe ungeklärter Fragen. Am Dienstagabend konfrontierte er die Verwaltung im Stadtrat mit einem umfangreichen Fragenkatalog. Unter anderem will er wissen, wie gewährleistet werden soll, dass die Kinder pünktlich zum Unterricht kommen, wenn der vorgesehene Linienbus später ankommt als der bisherige Spezialverkehr.

Auch die Verkehrssituation an der Haltestelle Ball bereitet ihm nach eigenen Angaben Sorgen. Während die Schulverwaltung die Umstellung für zumutbar hält, sieht die Verkehrslenkung dort laut Schillings Handlungsbedarf. Morgens kämen in dem Bereich ohnehin rund 1000 Schüler an. Mit der Linie 453 sollen zusätzlich etwa 40 Grundschüler befördert werden. Schillings fragt deshalb, ob die Busse genügend Kapazität haben.

Sind größere Fahrzeuge die Lösung?

Die Verwaltung kommt in ihrer Vorlage zu einer anderen Einschätzung. Die Wupsi habe ausreichende Kapazitäten bestätigt; falls nötig, könnten größere Fahrzeuge eingesetzt werden. Die bisher vom Spezialverkehr angefahrenen Haltestellen würden auch vom Linienverkehr bedient; die Wege dorthin änderten sich nicht.

Schillings hält allerdings den Weg am anderen Ende für problematisch: In Herkenrath kämen die Kinder künftig nicht mehr unten an der St.-Antonius-Straße, sondern an der Haltestelle Ball an. Sie müssten dort die Straße überqueren und noch etwa 200 Meter bis zur Grundschule gehen. Wie eine sichere Querung gewährleistet werden könne, will er wissen.

Offen ist zudem die Abstimmung zwischen Busfahrplan und Unterricht an der GGS Herkenrath. Die Verwaltung hatte geprüft, den Unterrichtsbeginn um etwa fünf Minuten zu verschieben. Die Schulleitung erklärte, dies sei nicht möglich. Weil zunächst keine nähere Begründung vorlag, hat die Stadt um Darlegung zwingender pädagogischer Gründe gebeten. Die Antwort stand bei Erstellung der Vorlage noch aus. In Moitzfeld sieht die Stadt dagegen kein Zeitproblem: Die Linie 421 erreicht Grube Weiß um 7.54 Uhr, der Fußweg zur Schule dauere acht bis zehn Minuten, Unterrichtsbeginn ist um 8.10 Uhr.

Gerade für Erst- und Zweitklässler unzumutbar

Auch die Rückfahrt wirft für Schillings Fragen auf. Nach der vierten und fünften Stunde müssten Kinder rund 20 Minuten auf den Bus warten; nach der sechsten Stunde blieben nur sechs Minuten bis zur Abfahrt. Zudem fahren Busse der Linie 453 in unterschiedliche Richtungen. Er fragt, ob gerade Erst- und Zweitklässlern zuzumuten sei, selbst den richtigen Bus zu wählen.

Der Streit reicht bis in den Sommer zurück. Die Verwaltung wollte den bis Ende des Schuljahres 2025/26 befristeten Spezialverkehr nicht neu ausschreiben. Nach Protesten brachte die CDU das Thema im Juli per Dringlichkeitsantrag in den Rat. SPD und Grüne schlugen vor, die Busse bis Jahresende weiterfahren zu lassen und parallel eine dauerhafte Lösung zu prüfen. Der Rat beschloss die Verlängerung einstimmig.

Die neue Prüfung fällt eindeutig aus: Eine dauerhafte Fortführung sei nicht erforderlich. Nach der Schülerfahrkostenverordnung habe der zumutbare und wirtschaftlichere ÖPNV grundsätzlich Vorrang. Eine neue Ausschreibung für beide Schulen würde rund 145.000 Euro pro Schuljahr kosten. Beim Umstieg auf den Linienverkehr könnten rund 96.000 Euro jährlich eingespart werden.

Zuletzt nutzten laut Stadtverwaltung morgens etwa 25 Kinder aus Moitzfeld und 40 aus Herkenrath die Spezialbusse.

Die Stadt führt auch die Gleichbehandlung ins Feld: Für 142 Grundschüler anderer Schulen seien bereits Primatickets ausgegeben worden. Beim Linienverkehr müssten Eltern einen Eigenanteil leisten, der Spezialverkehr in Herkenrath und Moitzfeld sei dagegen kostenlos.

Schillings fordert vor dem Aus zum Jahresende Verbesserungen bei der Sicherheit. Er nennt Parkverbote, andere Ampelschaltungen oder veränderte Verkehrsführungen und einen intensiveren Austausch mit der Wupsi. Über die offenen Fragen muss nun der Schulausschuss beraten. (wg)