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NaherholungAus für die Diepentalsperre?

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Die Diepentalsperre.

Rhein-Berg – Wer die idyllischen Orte im Rheinisch-Bergischen Kreis schätzt, kennt auch die Talsperre Diepental. Doch das über 100 Jahre alte Ausflugsziel an der Grenze zwischen Leichlingen und Leverkusen steht möglicherweise vor ihrem endgültigen Aus. Denn die Bezirksregierung in Köln, der die Talsperrenaufsicht obliegt, hat angekündigt, den Betreibern aus Sicherheitsgründen die Betriebsgenehmigung zu entziehen und anzuordnen, dass der bereits seit Anfang 2012 abgelassene Wasserspiegel erneut abgesenkt wird – wenn nicht eine Lösung für die existierenden Probleme gefunden wird.

Seit Jahren schwelen Diskussionen

Probleme? Die gibt es jede Menge. Seit Monaten, Jahren schwelen Diskussionen zwischen den privaten Eigentümern der Talsperre, der Bezirksregierung und den Lokalpolitikern. Immer geht es um die Zukunft der Talsperre, insbesondere um Finanzen. Das zentrale Problem: Die maroden Anlagen der Talsperre inklusive Kraftwerk müssen für geschätzt eine Million Euro saniert werden.

Denn nach Auffassung der Bezirksregierung Köln besteht die Gefahr, dass das unterhalb des Staudamms gelegene Murbachtal überschwemmt wird. Unklar ist, wer für diese Sanierung zahlen soll: die Eigentümer, die mit Campingplatz, Freibad, Angelteich, Bootsverleih und Gastronomie auch Geld an der Talsperre verdienen, oder die Steuerzahler der angrenzenden Städte Leichlingen und Leverkusen sowie der Wupperverband. Eine Möglichkeit, den drohenden Untergang des Ausflugsgebietes an der Stadtgrenze noch abwenden zu können, stand in den vergangenen Wochen im Raum: Eine Machbarkeitsstudie sollte Aufschluss über Sanierungsmöglichkeiten für die Talsperre, über Kosten und Fördermöglichkeiten geben.

Drei Varianten und deren Kosten sollte das Gutachten aufzeigen:

Den Erhalt der Talsperre mit Staudamm und Tourismus in jetziger Form.

Die Trockenlegung und Renaturierung des mehr als 100 Jahre alten Stausees, also die Reduzierung der Talsperre auf einen Bachlauf.

Den Erhalt der Seenlandschaft, aber den Abbau der historischen Talsperrenanlage mit Kraftwerk. Leichlingen und Leverkusen sowie der Wupperverband hatten ihren Beitrag zum Sanierungskonzept zugesichert, diesen aber davon abhängig gemacht, dass sich die Familien, denen die Stauseen gehören, ebenfalls an den Kosten der gut 30 000 Euro teuren Studie beteiligen. Jeweils ein Sechstel, also 5000 Euro, sollten die drei Zweige der Halbach-Familie übernehmen, die anderen drei Anteile Leichlingen, Leverkusen und Wupperverband.

Rat lehnt Auftragsvergabe ab

Ob der Erhalt der Talsperre für die Zukunft gesichert werden kann, ist seit der jüngsten Leichlinger Ratssitzung aber ungewisser denn je. Der Leichlinger Stadtrat lehnte es nämlich in der vergangenen Woche ab, die Studie in Auftrag zu geben. Damit ist die Studie vorerst geplatzt.

Der Grund für die Weigerung: Die Eigentümer beteiligen sich finanziell nicht im erwarteten Ausmaß an den Kosten des Gutachtens. Zwei der Eigentümer haben zusammen 5000 Euro zugesagt, ein Teil der Verwandtschaft hat gar nicht reagiert. Der Stadtrat zeigte sich erbost über die Eigentümer, diese hätten ein falsches Signal gesetzt. Wenn die Privateigner des Naherholungsgebietes schon jetzt die Bereitschaft zur Rettung der Seenlandschaft vermissen ließen, so der Tenor der enttäuschten Kritiker, dann wisse man nicht, wie man die millionenschwere Sanierung der Anlagen später finanzieren solle. Die Kommunen jedenfalls haben in der Vergangenheit bereits mehrfach erklärt, dass sie dafür kein Geld haben.

Auch für Bernd Wille, Vorstand des Wupperverbands, lässt das Verhalten der Eigentümer nicht erkennen, dass sich alle Beteiligten für die gemeinsame Aufgabe in der Pflicht sehen und Verantwortung übernehmen wollen. Darum sei auch der Wupperverband nicht mehr bereit, sich für die private Freizeit-Anlage zu engagieren. Sie diene nicht dem Hochwasserschutz und falle daher auch gar nicht in die Zuständigkeit des Kommunalverbandes.

Bei Lea Becker steht das Telefon seit der vergangenen Woche nicht mehr still. Die Initiatorin der Internet-Kampagne „Rettet die Talsperre Diepental“ hat seit Anfang April inzwischen mehr als 16 000 Unterschriften für den Erhalt gesammelt. Auf der Facebook-Seite der Initiative löste die neue Entwicklung eine Flut von Reaktionen aus allen Lagern aus. Es hagelte vor allem wütende Proteste von Anhängern der Bürgerinitiative.

Erik Weiglhofer-Halbach und Ursula Halbach meldeten sich ebenfalls zu Wort. Ihnen gehört der untere See mit Wasserkraftwerk und Fischereirecht. Sie hätten zwar ihren finanziellen Beitrag zur Studie verweigert, geben sie zu Protokoll: Den „Schwarzen Peter“ wollen sie dafür nicht bekommen. Denn sie hätten sich nie am Freizeitwert des oberen Sees bereichern können, dafür aber stets die volle Verantwortung für den Hochwasserschutz getragen und seit 1992 bereits rund 300 000 Euro Sanierungskosten geleistet. Sie würden ihren See am liebsten verkaufen.

Fakt ist: Die Zeit zum Handeln wird knapp. Gut möglich, dass die Bezirksregierung nur noch bis zum Jahresende Geduld hat. Dann könnte sie veranlassen, dass der Stöpsel gezogen, das Wasser vollends aus der Talsperre abgelassen wird. Diese Angst hat auch die zerstrittenen Eigentümer gepackt: Am Wochenende trafen sie sich erstmals seit Jahren zu einem Familienrat, um gemeinsam nach einem Ausweg aus der Krise zu suchen.