Bäume contra HochwasserschutzAm Osenauer Bach in Odenthal sollen zwölf Erlen gefällt werden

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Bunte Bänder an den Stämmen von Bäumen in Osenau.

Mit Lebensbändern haben Bürger im Herbst gegen die geplante Fällung der Schwarzerlen protestiert. Doch die Pläne bestehen weiter.

Wupperverband, Kreis und Gemeinde wollen die Fließgeschwindigkeit des Baches erhöhen und die Bäume entfernen, Anwohner protestieren.

Zwölf große Schwarzerlen am Osenauer Bach sollen gefällt werden. Wupperverband, Rheinisch-Bergischer Kreis und Gemeinde halten die Abholzung der Bäume für nötig, um Ufer und Bachbett umzugestalten, damit das Bachwasser schneller abfließen kann als bisher. Auf diese Weise soll die Hochwassergefahr verringert werden.

Wie berichtet, hatte es gegen die Pläne bereits im Herbst Proteste von Bürgern gegeben, die mit einer Unterschriftenliste den Erhalt der Schwarzerlen forderten. Der Bach sei durch die unmittelbar angrenzende Siedlung im Unterlauf stark verändert und eingeengt, der Abfluss des Wassers werde durch Wurzeln und abgelagerte Sedimente erschwert.

Der Bach hat wenig Gefälle

Der Bach habe an manchen Stellen kaum Gefälle, an einigen Stellen sogar ein „Gegengefälle“, beschreiben Wupperverband, Kreis und Gemeinde in einer gemeinsamen Stellungnahme die Situation am Osenauer Bach. „Durch die hohe Wurzelaktivität und die Eigenschaft von Erlen, auch unter Wasser Wurzelwachstum zu betreiben, wird die Bachsohle immer weiter angehoben“, kritisieren sie.

Dies alles habe Folgen: Eine Berechnung habe einen Wasserabfluss von weniger als 300 Liter pro Sekunde ergeben. Das bedeute statistisch alle zwei bis fünf Jahre ein Hochwasser. Daher sehen die Behörden „dringenden Handlungsbedarf“.

Wupperverband hat drei Varianten geprüft

Für mehr Hochwasserschutz wurden insgesamt drei Varianten geprüft. Möglichkeit 1 sieht vor, dass der Wupperverband im Rahmen der Gewässerunterhaltung den Bach im Unterlauf „ertüchtig“, also verbreitert und/ oder vertieft. Vorher müsste dann die Gemeinde mit der Säge Fakten schaffen und die zwölf Alleebäume am Ufer entfernen.

„Grundsätzlich sind Bäume an Gewässern aus ökologischer Perspektive positiv zu bewerten, jedoch wurde durch Wald und Holz NRW attestiert, dass dieser konkrete Standort für Bäume dieser Größe nicht geeignet ist und die Bäume bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Ein Regenrückhaltebecken würde zwei Millionen kosten

Daher werde die „Entnahme der Bäume“, sprich ihre Fällung, auch aus forstwirtschaftlicher Sicht empfohlen. Nach Abschluss der Arbeiten könnten besser geeignete Pflanzen als Ersatz am Bach gepflanzt werden.

Plan B wäre der Bau eines Regenrückhaltebeckens, dessen Kosten von geschätzt bis zu zwei Millionen Euro die Gemeinde Odenthal zu tragen hätte und das wegen eines umfangreichen Genehmigungsverfahrens Jahre bis zur Fertigstellung in Anspruch nehmen würde, begründeten Wupperverband, Kreis und Gemeinde, warum sie diese Möglichkeit nicht empfehlen.

Verlegung des Bachlaufs scheitert am Grundstückseigentümer

Aus anderen Gründen ist auch Variante 3 in ihren Augen nicht umsetzbar: die Verlegung des Osenauer Bachs hinter die westliche Bebauung, da wo er topografisch eigentlich hingehören würde. „Dies wäre aus Gründen der Renaturierung wünschenswert. Kosten und Zeitbedarf wären aber auf der bereits vollständig erschlossenen Fläche sehr hoch“, so die Akteure.

Zudem hätten Gespräche der Gemeinde mit dem Grundstückseigentümer ergeben, dass dieser einer Verlegung des Bachs auf sein Grundstück nicht zustimme. Eine schnell zu realisierende und effektive Maßnahme sei daher nur die Verbesserung der Fließgeschwindigkeit des Baches und dafür müssten die Schwarzerlen fallen.

Anwohner haben Lebensbänder um die gefährdeten Bäume gebunden

Das allerdings gefällt vielen Anwohnern nicht. 55 von ihnen hatten im Herbst eine Unterschriftenliste zum Erhalt der markanten Bäume an der Osenauer Straße unterzeichnet, eine sanftere und umweltgerechtere Vorgehensweise gefordert und bunte Lebensbänder an die Baumstämme gehängt.

Schon die Entfernung der Sedimente, die sich im Bachbett abgelagert haben, das Freischneiden der Ufervegetation und möglicherweise auch ein winziges Überlaufbecken an der Einmündung zum Geus Garten könnten die Fließgeschwindigkeit des Baches erhöhen und Überschwemmungen verhindern, hatte Eva Kuhl gefordert, die sich für die Bäume starkmacht.

Der Bergische Naturschutzverein fürchtet um letzte Relikte der Aue

Überflutungen seien in der Vergangenheit ohnehin kaum vorgekommen. Und „ein Hochwasser wie 2021 könnte der Bach niemals führen, auch nicht nach einer Ufererweiterung“, meint Kuhl, Anwohnerin und Vorsitzende des FDP-Ortsvereins.

Auch der Bergische Naturschutzverein (RBN) forderte im Oktober die Erhaltung der „ortsbildprägenden Schwarzerlen“ und sprach von gesunden Bäumen. Es fehlten „stichhaltige Belege, die die Entfernung der vitalen Bäume erforderlich machen“, so Mark vom Hofe damals. Der Umbau des Gewässers zerstöre „die letzten Relikte einer natürlichen Aue“.

Bach sei zur Abflussrinne degradiert worden

Der derzeitige Zustand des Osenauer Baches im Unterlauf, sei Folge „einer Fehlentwicklung bei der örtlichen Siedlungsentwicklung“ und „degradiert den Bach zu einer bloßen Abflussrinne“, kritisierte der Naturschützer.

In der Sitzung des Umweltausschusses, Donnerstag, 29. Februar, 18 Uhr, im Bürgerhaus Herzogenhof, soll die Politik über das Schicksal der Schwarzerlen entscheiden.

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