Melissa Sündram kombiniert in ihrem Buch „Mom goes Business“ erfolgreich Mutterschaft und Karriere, indem sie flexible Arbeitsmodelle betont.
Mutterschaft und KarriereMelissa Sündrams erfolgreiches Arbeitsmodell im Homeoffice

Melissa Sündram vor Exemplaren ihres ersten Buchs: Mom goes Business – Erschaffe dein Universum
Copyright: Sündram
Wer „Mom goes Business – Erschaffe dein Universum“ aufschlägt, fragt sich womöglich, was an der Verbindung von Mutterschaft und Erwerbsarbeit heute noch ungewöhnlich sein soll. Dass Männer mehr Care-Arbeit übernehmen müssen, damit Frauen mehr arbeiten können, gilt längst als Binsenweisheit. Der Alltag bleibt dahinter zurück: Laut Statistischem Bundesamt lag der Gender Care Gap 2022 bei 43,4 Prozent – Frauen leisten pro Woche fast neun Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer, bei Eltern sind es über 14 Stunden.
Karriere mit Kind: Wie Melissa Sündram ihren Arbeitsalltag organisiert
Wie das im Alltag aussieht, schildert Melissa Sündram am eigenen Leben. Wenn die in Bergisch Gladbach geborene Overatherin gegen neun Uhr den Rechner aufklappt, hat sie Frühstück gemacht und ihre Tochter zur Kita gebracht. Im Homeoffice drängen zugleich Waschmaschine, Paketbote und Familientermine in den Tag. Ihr über Deutschland verteiltes Team führt sie nicht nach Bürozeiten, sondern nach Ergebnissen und Verlässlichkeit.
Ihr Arbeitstag endet selten mit dem Zuklappen des Rechners: Schläft die Tochter, arbeitet sie – die Nachteule – oft weiter. Sie nennt sich selbstironisch einen „Workaholic“, eine Arbeitssüchtige. Gleichzeitig betont sie, dass andere ihr persönliches Arbeitspensum nicht als Maßstab nehmen sollten.
Flexible Arbeit statt klassischer Karrierebilder
Nach der Realschule machte Sündram eine Ausbildung im Einzelhandel, später bewarb sie sich auf fast alles, was nach Personalwesen klang. Heute leitet die 32-Jährige beim Personaldienstleister Adecco Group Holding die interne Talentgewinnung. Adecco Group ist deutscher Marktführer bei Zeitarbeitsunternehmen. Die Personaldienstleistungsbranche erlebt sie als schnelllebig. Gleichzeitig beobachtet sie, dass in Teilen der Arbeitswelt weiterhin klassische Karrierebilder vorherrschen, bei denen Präsenz, hohe Verfügbarkeit und Reisebereitschaft als wichtige Voraussetzungen gelten.
Schon als Kind war Sündram laut, direkt und ständig in Bewegung. Eine Grundschullehrerin warnte, sie müsse lernen, sich zu zügeln. Kollegen nannten sie später „Flummi“. Was als anstrengend galt, wurde im Beruf ihr Antrieb. Bei Einstellungen misstraut sie makellosen Lebensläufen und sucht nach Potenzial. Als Personalerin erlebt sie, wie Unternehmen dieses Potenzial verspielen, wenn sie die Vereinbarkeit von Kind und Beruf nicht fördern. Dass es anders geht, zeigt ihr Führungsalltag: Ihr Team arbeitet zeitlich flexibel. In acht Jahren Führung habe sie nie erlebt, dass dieses Vertrauen missbraucht worden sei.
Mit dem Diensthandy im Kreißsaal
Am deutlichsten zeigt sich Sündrams beruflicher Antrieb rund um die Geburt ihrer Tochter. Sie arbeitete bis kurz vor dem errechneten Termin. Das Diensthandy lag mit im Kreißsaal, zwischendurch beantwortete sie eine E-Mail. Acht Wochen nach der Geburt per Kaiserschnitt kehrte sie in Vollzeit zurück. Das Angebot für eine größere Führungsaufgabe erhielt sie noch im Mutterschutz. Ihr Vorgesetzter besuchte sie zu Hause und fragte auf der Terrasse, zwischen Baby, Schlafmangel und den Blumen ihrer Kollegen, ob sie künftig mehrere Marken und ein über Deutschland verteiltes Team führen wolle. Sündram sagte ohne Zögern zu.
Möglich wurde dieser Weg nur, weil andere ihn mittrugen: Ihr Mann versteht sich nicht als Helfer, sondern als ebenso verantwortlicher Vater; Großeltern, Tante und Onkel unterstützen das Paar. Während der Stillzeit nahm Sündram Mutter und Tochter zu einer Firmenveranstaltung nach Berlin mit und verließ Besprechungen zum Stillen.
Was Karriere und Mutterschaft kosten können
Das Buch gewinnt dort, wo Sündram vom Preis ihrer Entscheidung erzählt: schlaflose Nächte, Streit mit ihrem Mann: „Ich glaube, ein Paartherapeut hätte an manchen Tagen wahrscheinlich auch nicht geschadet“. Wird der Druck zu groß, sitzt sie weinend auf der Couch; auf beruflichen Abendveranstaltungen fallen ihr bisweilen um 22 Uhr die Augen zu. Dann schreibt sie ihrem Mann, sie wolle sich nur noch ein Hotelzimmer nehmen und schlafen.
Diese Offenheit ist die größte Stärke des Buches. So entsteht keine makellose Erfolgsgeschichte, sondern das Bild eines Lebens, das Kraft kostet und dennoch erfüllt. Ein neues Ideal für Mütter soll daraus nicht werden, betont sie selbst: Ihr Weg sei kein Maßstab. Sie will Frauen ermutigen, eigene Entscheidungen zu treffen und Erfolg selbst zu bestimmen.
Nicht jede Familie hat dieselben Voraussetzungen
Auch die günstigen Voraussetzungen ihres Lebensmodells benennt Sündram ausdrücklich als Privileg: verständnisvolle Vorgesetzte, bewegliche Arbeitszeiten, Arbeit von zu Hause, einen gleichberechtigten Partner und Angehörige in der Nähe. Auf Fragen wie fehlende Kitaplätze, Schichtdienst oder Alleinerziehung kann ihr persönlicher Bericht keine umfassenden Antworten geben – diesen Anspruch erhebt er auch nicht.
Sündram möchte mit dem Buch Gespräche in Unternehmen anstoßen. „Wir haben eine Arbeitswelt von 1960“, lautet ihre zugespitzte Diagnose. Väter bestimmten ihre Rolle neu; nun müssten Arbeitgeber folgen.
„Mom goes Business“: Persönlicher Denkanstoß statt klassischer Ratgeber
Ihr erstes Buch beschreibt sie als „kein Dramabuch und kein Ratgeberbuch“. Dennoch ist es ähnlich aufgebaut. In 13 Kapiteln wechseln Erlebnisse, direkte Ansprachen, zusammenfassende „Take-aways“ – Merksätze – und knappe „wissenschaftliche Impulse“.
Letztere bleiben bewusst knapp. Sündram wollte ihr Buch nicht mit Studien überfrachten, sondern einen persönlichen und leicht zugänglichen Denkanstoß geben. Die Ordnung erleichtert die Lektüre, führt aber auch zu Wiederholungen. Mut, Vertrauen und Kommunikation erscheinen immer wieder als Antwort.
Melissa Sündrams Buch erscheint im Selbstverlag
Veröffentlicht hat Sündram nicht bei einem klassischen Verlag, sondern im Selbstverlag über Books on Demand (BoD).
„Mom goes Business – Erschaffe dein Universum“ ist am 20. August erschienen. Das Buch kostet 21,99 Euro, ist über den Buchhandel erhältlich und kann auch bei der Buchhandlung Bücken in Overath gekauft oder bestellt werden.