Katrin Ivanov-Below fürchtet den Verlust des Hofes, der auch ein besonderer Bildungs- und Lebensort ist.
Bauernhof und NaturerlebnisÖkosystem Klefhof bei Overath ringt um seine Zukunft

Agraringenieurin und Biobäuerin Katrin Ivanov-Below hat eine Spendenkampagne auf einer Crowdfunding-Plattform gestartet, um den Klefhof zu retten.
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Overath Außergewöhnliche Lebenssituationen können manchmal außergewöhnliche Ressourcen aktivieren. So wie im Fall von Katrin Ivanov-Below. Sie lebt seit 20 Jahren auf dem Klefhof in Overath-Klefhaus und hat dort neben Öko-Landwirtschaft seit einigen Jahren auch einen außerschulischen Lernort aufgebaut. Als Teil-Eigentümerin eines kleinen Bioland-Bauernhofs im Bergischen sei sie in einer besonderen Lebenssituation in wirtschaftliche Not geraten, so Katrin Ivanov-Below. In dieser Lage hat sie eine Spendenkampagne auf der sozialen Crowdfunding-Plattform GoodCrowd.org gestartet und öffentlich um Unterstützung gebeten – und auch schon erhalten.
Von außen betrachtet ist auf dem kleinen Klefhof, der inmitten von Weiden und Obstwiesen am Ende eines schmalen steilen Weges liegt, alles beim Alten. An der Hofeinfahrt hält Ganter Martin Wache; an dem Vogel im prächtigen Federkleid kommt niemand unbemerkt vorbei. Dafür sorgt Martin mit seinem lauten aufgeregten Schnattern und Zischen.
Diese Solidarität rührt und trägt uns alle gerade durch diese unglaubliche Herausforderung; es ist schön, das zu erleben.
Im halboffenen Stall gleich daneben liegen neun braunwollige Glanrinder auf einem dicken warmen Bett aus Stroh entspannt wiederkäuend in der Sonne. Fell an Fell mit ihrem Nachwuchs, dem Ochsen Mario und dem Bullen Ivan. Über den Hof spazieren derweil gemächlichen Schrittes zwölf Hähne und Puter,. Nur ab und an durchbricht ein entschiedenes Kikeriki die bergische Ruhe. „Da kommt die Männer-WG“, lacht Katrin Ivanov-Below.
Die 47-Jährige hat nach eigenem Bekunden „Tiere schon immer geliebt“ und sich der Natur verbunden gefühlt. Das alles bedeutet für sie der Klefhof. Dessen Zukunft sieht sie nun bedroht.
Sie möchte Menschen einen achtsamen Zugang zu Tieren und zur Natur geben
Auslöser für die finanzielle Notlage war, dass ein Miteigentümer auszuzahlen sei, erzählt sie. Gelänge dies nicht, drohe dem Hof das Aus. Um dies zu verhindern, würden kurzfristig 85.000 Euro benötigt: „Diese Summe können wir allein nicht aufbringen. Wenn wir den Miteigentümer nicht fristgerecht auszahlen können, verlieren wir nicht nur unseren Hof, sondern auch diesen besonderen Bildungs- und Lebensort“, fürchtet Katrin Ivanov-Below.
Anderen Menschen, Groß und Klein, einen achtsamen Zugang zu Tieren und zur Natur zu geben und praktisches Wissen über nachhaltige Entwicklung zu vermitteln, das sei ihr von Anfang an wichtig gewesen, erzählt die 47jährige Agraringeneurin. „Aber ich wollte keine Vorträge halten“, sagt sie kopfschüttelnd. „Mein Herz schlägt dafür“, und sie zeigt auf Tiere, Ställe , die Obstwiese und Weiden. Deshalb habe sie aus ihrem Zuhause einen Ort des Lernens, der Begegnung und der Naturpädagogik gemacht.
Für Erwachsene bietet sie Workshops an, für die Kleinen ‚Klefkids‘-Gruppen
Auf dem Klefhof gibt die gebürtige Kölnerin Erwachsenen und Kindern Einblicke in den Ökolandbau, das Bauernhofleben, artgerechte Tierhaltung, das Leben in und mit der Natur und in die Bergische Wildnis. Zum Hof gehören rund zwölf Hektar Wiesen und Weiden, von denen viele als Naturschutzflächen ausgewiesen sind. Mit ihrer hohen Artenvielfalt spielen sie eine wichtige Rolle für den regionalen Naturschutz, so die Agraringenieurin.
Für Erwachsene gibt es Workshops – etwa zu Sauerteigbrot, Balkongärtnern oder Jungpflanzenanzucht. Kinder können sich einer von inzwischen drei Klefkids-Gruppen anschließen oder an Ferienfreizeiten teilnehmen und „hier hineinwachsen, erleben, wie die Lämmer geboren und groß werden.“ Gemeinsam mit zehn verschmusten Ziegen können Familien oder Gruppen als „Ziegen-Mensch-Herde“ auf ausgedehnte Waldspaziergänge gehen. Wer mag, kann dabei Details über das „Ökosystem Wiese“ erfahren.
Gemüse-Jungpflanzen für Garten und Balkon verkauft sie auf Märkten
Im Frühjahr zieht der Hof samenfeste Gemüse-Jungpflanzen für Garten und Balkon, die direkt ab Hof, auf eigenen Klefhof-Märkten und auf regionalen Märkten verkauft werden: Salate, Kohl, Fenchel, Tomaten, Paprika, Chili, Physalis, Gurken, Kürbis und Zucchini. Auch eine Vielzahl an insektenfreundlichen Blumen ist im Angebot. Nachdem zunächst viele Gäste und Kursteilnehmende aus Köln kamen, ist das Angebot inzwischen auch bei Familien aus der Region gut bekannt.
Die Biobäuerin und Wildnispädagogin, lebt und arbeitet auf dem Klefhof gemeinsam mit ihren drei Kindern, ihrem Partner sowie mit Freiwilligen aus aller Welt. Sie kommen über Programme wie WWOOF oder Workaway auf den Hof, um zu arbeiten. Manche gehen nach der vereinbarten Zeit – und kommen dann noch ein zweites oder auch drittes Mal. „Jeder und jede von ihnen bringt etwas mit – und lässt etwas hier“, sagt sie mit warmer Stimme. Das aktuelle Team war es auch, das die Idee zum Crowdfunding hatte.
Nicht nur finanzielle Ressourcen helfen und geben Kraft für die Zukunft
„Durch das Crowdfunding ist uns eine unglaubliche Solidarität entgegengebracht worden,“ so die Agraringenieurin. „Mit Worten, jeder noch so kleinen Spende bis hin zu Angeboten für Privatdarlehen.“
Und es sind nicht nur finanzielle Ressourcen, die ihr in ihrer aktuellen schwierigen Lage helfen und Kraft für die Zukunft geben: „Diese Solidarität rührt und trägt uns alle gerade durch diese unglaubliche Herausforderung; es ist schön, das zu erleben. Durch die Menschen, die sich gemeldet haben, schaffen wir das.“
Weitere Informationen und die Möglichkeit zu spenden finden sich auf der Klefhof-Webseite oder auf der sozialen Crowdfunding-Plattform GoodCrowd.

