Reporterin Leslie Hendricks berichtet vom Internationalen Journalismus Festival in Perugia, von Deep-Fakes und Künstlicher Intelligenz.
Festival in Perugia Overather Reporterin begibt sich auf die Suche nach der Zukunft des Journalismus

Betroffene und Journalistinnen sprechen über den Umgang der Medien mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Copyright: Leslie Hendricks
In den Redaktionen dieser Welt stellen sich eigentlich alle dieselbe Frage: Was ist die Zukunft des Journalismus? In der Hoffnung, eine Antwort auf diese Frage zu finden, reisten viele nach Perugia. Schon zum 20. Mal wurden die mittelalterlichen Gassen der italienischen Stadt zum Treffpunkt für Journalisten, Medienmacher und Neugierige aus aller Welt.
Schon am ersten Tag wurde klar, dass das IJF so viel mehr ist als „nur“ eine Konferenz. Es ist ein Ort, an dem Gleichgesinnte zusammenkommen, um in spannenden Podiumsdiskussionen und Workshops zu diskutieren, wie man den Journalismus wieder weiter nach vorne bringt. Wer auf das Programm schaute, konnte etwas feststellen. Ein Thema zog sich inhaltlich ganz besonders durch die einzelnen Veranstaltungen des Festivals: Vertrauen.
Zu neuen Ideen zählen Reportagen als Live-Hörspiele oder Theaterstücke
In einer Welt voller Deep-Fakes, Künstlicher Intelligenz und häufiger Verbreitung von Desinformation durch die sozialen Medien verliert der Journalismus laut Studien vor allem für junge Menschen an Relevanz. Um dieses Problem anzugehen, wurden verschiedene Lösungsansätze vorgestellt.

Leslie Hendricks fragt während einer Podiumsdiskussion nach.
Copyright: Leslie Hendricks
Einige Journalisten zum Beispiel inszenierten Reportagen als Live-Hörspiele oder Theaterstücke wieder andere wandelten ihre Recherchen in Videospiele um. Während die einen überzeugt waren, der Journalismus müsse immer mehr Neues produzieren, waren andere der Meinung, dass Weniger eben doch mehr ist.
Im Vordergrund stand auch die Zielgruppe
So stellte Joshi Herrmann, Gründer von Mill Media in Manchester, Wege vor, den Journalismus wieder „romantischer“ zu gestalten. Den Fokus wieder mehr auf Qualität statt Quantität zu legen, habe beispielsweise bei der New York Times einiges geändert. Sie reduzierten die Anzahl der Artikel um 25 Prozent und steigerten dadurch in kurzer Zeit ihre Artikelaufrufe und Abonnementzahlen.

Lea Korsgaard und Joshi Herrmann sprechen über romantischen Journalismus.
Copyright: Leslie Hendricks
Auf anderen Podien wurde der Dialog mit der Zielgruppe in den Vordergrund gestellt. Wie wolle man denn zielgruppengerecht arbeiten ohne Analysen? Oder ohne Humor? Auch mit unseriösen Kurzvideos könne man Menschen für seriöse Themen begeistern, sagte ein ehemaliger Redakteur der Washington Post. Besonders spannend: die Vielfalt dieser Ideen und innovativen Ansätze zur Zukunft des Journalismus.
Journalisten müssen wieder mehr zuhören
Dennoch wurde auf der Konferenz auch über die vergangenen Fehler der Medien gesprochen. So ging es in zwei Podiumsdiskussionen um die Epstein-Files und darum, wie die Medien mit den Betroffenen umgegangen sind. Eine Überlebende des Sexualstraftäters, Jessica Michaels, sagte: „Es wurde viel über uns gesprochen, aber nicht mit uns.“ Sie plädierte dafür, dass Journalistinnen und Journalisten wieder mehr und besser zuhören sollten.
Auch viele andere Teilnehmende teilten diese Einschätzung. Zum Nachdenken regten zudem die Podiumsdiskussion zu digitaler Gewalt gegen Journalistinnen an.
Vor Ort gab es Raum, viele Themen offen zu adressieren
Journalistinnen und Journalisten der deutschen und internationalen Medienlandschaft nutzten die Gelegenheit und den Raum, auf dem Event auch solche Themen offen zu adressieren.
Jeder und jede auf diesem Festival hat einen eigenen Weg in den Journalismus gefunden. Nun müssen die Akteure einen Weg finden, gemeinsam die Zukunft des Journalismus zu gestalten.
