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PfingstkirmesDie Kirmessen sind das besondere Kulturerbe in Bergisch Gladbach

5 min
Im Vordergrund Menschen, im Hintergrund ein Riesenrad

Das Riesenrad ist eine der Attraktionen, die zur Pfingstkirmes erwartet werden.

Burkhardt Unrau gibt als ehrenamtlicher Kirmesorganisator einen Ausblick auf die Bergisch Gladbacher Pfingstkirmes, die in weniger als drei Wochen ihren Platz in der Stadtmitte einnimmt.

Von den 184 Jahren, in denen das Kirmesbrauchtum für Bergisch Gladbach urkundlich überliefert ist, liegen 46 Jahre in der Hand von Burkhardt Unrau (73). Ihn kennt eigentlich jeder in der Stadt. Früher als Geschäftsführer des Schaustellervereins, seit 2024 als Ehrenamtlicher Organisator für die Stadt kümmert er sich auch um die bald anstehende Pfingstkirmes in der Stadtmitte. 46 Jahre von 184: Das ist exakt ein Viertel, ein gewaltiger Zeitraum.

Zum Pfingstwochenende (23. bis 26. Mai) rollen die Schausteller wieder nach Bergisch Gladbach zum Konrad-Adenauer-Platz. Sie bringen das Riesenrad mit, den Breakdancer, den weiter aufgehübschten Autoscooter und diverse Laufgeschäfte. „Die Schausteller, ich kenne sie alle“, sagt Unrau am Dienstag beim Pressegespräch im Restaurant des Bergischen Löwen. „Ich bin im August 1952 auf der Laurentiuskirmes geboren, das ist alles meine Familie.“ Unrau erzählt von der Geschichte der Kirmes, vom Zusammenhalt, von seiner Heirat auf dem Autoscooter im Juni 2011, von den Problemen, die die Schausteller in Köln haben. Und davon, dass es in Bergisch Gladbach zum Glück ganz anders ist. Einklagen in die Gladbacher Kirmes wollten sich in der Vergangenheit auch andere Fahrgeschäfte. „Ist nicht gelungen. Wenn man nicht auf mich hört, muss man die Konsequenzen tragen“, stellt er fest. Natürlich, auch Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) und Landrat Arne von Boetticher (CDU) sind gekommen, beide würdigen das Brauchtum der Kirmes.

Ich könnte vor Freude in die Luft springen
Burkhardt Unrau Ehrenamtl. Kirmesorganisator

„Ich bin so stolz, ich könnte in die Luft springen“, sagt Unrau. Es geht um die Aufnahme der „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ in das Immaterielle Kulturerbe der UNESCO. Ende März kam die Zustimmung, die auch die beiden Gladbacher Großkirmessen zu Pfingsten und zu St. Laurentius im August adelt. Unrau zitiert ausführlich aus den Schreiben, gerichtet an den Deutschen Schaustellerbund. Damit ist das Brauchtum der Schausteller gleichrangig etwa der Rheinischen St. Martinstradition, der Bolzplatzkultur oder der Kleinen Küstenfischerei an der Ostseeküste in Mecklenburg, es gibt bundesweit 173 Eintragungen momentan. „Das ist für alle Schaustellerinnen und Schausteller und auch für mich als Ehrenschausteller eine außergewöhnliche und großartige Nachricht.“

Unrau springt gedanklich zu Innenminister Herbert Reul und dessen Einsatz für die Kirmes während der Coronajahre ab 2020, zu Reuls Ehren-Auszeichnung mit dem „Goldenen Karussellpferd“ vom Schaustellerbund und weiter zum doppelten Besuch von Angela Merkel in Bergisch Gladbach (1999 und als Kanzlerin 2017). Ein Foto, das 1999 mit ihr auf einem Karussell entstanden sei, habe er ihr beim zweiten Besuch überreicht. Da seien die Leibwächter kurz davor gewesen, ihn außer Gefecht zu setzen. „Weil ich mich vorgedrängelt hatte“, sagt er. Erst später habe er auf Videos gesehen, dass die Personenschützer wegen ihm sehr nervös gewesen waren.

Er hat als Kirmesorganisator neun Bürgermeister und sieben Landräte erlebt

Mit am Tisch sitzen auch Ordnungsamtsleiterin Ute Unrau, seit der Heirat auf dem Autoscooter seine angetraute Ehefrau, und Heike Hiebert, ebenfalls aus dem Ordnungsamt. Beide organisieren die Kirmes in der Verwaltung, unterstützen Burkhard Unrau. „Ein großes Dankeschön an die Stadt“, gibt er weiter, mit vielen Grüßen an die Abteilungen. Viele sind es, die zum Gelingen der Kirmes beitragen. „Schon wenn ein Verkehrsschild einige Meter versetzt wird, kann es das gewesen sein“, erklärt Unrau. Es komme auf dem Konrad-Adenauer-Platz auf jeden Zentimeter an. Kürzlich sei er in Ründeroth auf der Kirmes gewesen. „Ein Fahrgeschäft nur zehn Zentimeter entfernt von einer Hauswand“, beschreibt er den Aufbau. „Wie haben die das geschafft?“ fragt er in die Runde. Neun Gladbacher Bürgermeister und sieben Landräte habe er als Kirmesorganisator erlebt, und alle hätten das Brauchtum unterstützt. Marcel Kreutz, seit 1. November im Amt, wird an Pfingsten seine erste Großkirmes in Bürgermeisterfunktion erleben. „Es ist Brauchtum, das funktioniert“, sagt er. Landrat Arne von Boetticher, ebenfalls Neuling, ergänzt, dass die Aufnahme in das Immaterielle Kulturerbe die Kirmes sichtbar mache für die Menschen.

Unrau weiß, dass er nicht unumstritten ist in der Stadt. „Ich habe ein großes Maul, ich weiß. Entweder man mag mich oder man hasst mich.“ Aber er sei der ehrlichste Mensch auf der Welt, den es gebe. „Wir haben hier ein Alleinstellungsmerkmal“, führt er zum Gladbacher Kirmesgeschäft aus. In Köln gebe es seit drei Jahren keine Großkirmes mehr. „Und wer ist schuld: die Menschen.“ Einer der Schausteller klage gegen die Stadt, ein Anwohner wolle abends seine Ruhe haben. So komme eines zum anderen. Und am Ende gebe es kein Brauchtum mehr.

Die Absage des Weihnachtsmarkts Overath 2025 konnte Unrau nicht nachvollziehen

„Jetzt sage ich euch was“, kommentiert Unrau auch die Absage des Overather Weihnachtsmarkts im vergangenen Jahr. Das sei auch nicht nachvollziehbar gewesen. Dabei gebe es in Overath mit Norbert Kuhl von der Humanitären Hilfe jemanden, der ähnlich wie er ticke. „Ich bin sehr froh, dass ich Norbert Kuhl kenne.“

Dass er nicht der Freund aller in der Stadt sei, wisse er, betont Unrau mehrfach. Aber manches, was über ihn gesprochen werde, sei „einfach falsch“. „Ich habe noch nie einen Pfennig bekommen für meinen Einsatz für die Kirmes, alles zahle ich aus meiner Tasche.“ Das sei früher so gewesen, und das sei heute auch noch so.