Bürgerinitiative gegen Feuerwache in Rösrath„Mit uns wurde ein falsches Spiel gespielt“
Rösrath – Herr Bitter, Herr Finke, Sie sind führende Mitglieder der Bürgerinitiative, die für den Erhalt des Forsbacher Parks am Ehrenmal gekämpft hat. Nun ist der politische Beschluss gefallen, die neue Feuerwache dorthin zu bauen. Sie haben jetzt das offizielle Ende der Initiative verkündet. Haben sich Zeit und Mühe gelohnt?
Werner Bitter: Ja. Ich bin damals gestartet mit der Überlegung, dass ich nicht eines Tages das Feuerwehrhaus im Park sehen möchte und mir vorwerfen muss, ich hätte nichts dagegen unternommen. Insofern bin ich mit mir im Reinen.
Maximilian Finke: Das Ergebnis ist zwar ein anderes, als wir uns gewünscht haben. Aber wir haben gezeigt, dass es Alternativen gibt.
Können Sie die Absage des Stadtrats an Ihre Alternativpläne nachvollziehen?
Bitter: Der einzige wirkliche Grund ist in meinen Augen, dass die politischen Entscheider auf gar keinen Fall die Freiwillige Feuerwehr gegen sich aufbringen wollen. Diese ist für eine Stadt, die Angst vor den Kosten einer hauptamtlichen Wehr hat, enorm wichtig. Das kann ich nachvollziehen. Aber Verwaltung und Rat müssen doch auch über diesen Rahmen hinaus denken.
Welche Fragen bleiben für Sie offen?
Finke: Unsere Alternativen sind nicht so geprüft worden, wie es versprochen worden war. Das Gutachten ist in meinen Augen ein Gefälligkeitsschrieb in Richtung Rathaus. Wir sind nicht eingebunden worden. Man hat mit uns ein falsches Spiel gespielt und ist mit uns nicht fair umgegangen. Ich würde gerne wissen, warum.
Aber der Beschluss, die Wache zu bauen, ist im letzten Jahr von der Politik eigens vertagt worden. War das nicht fair?
Bitter: Der Beschluss wurde vertagt, weil der Wahlkampf vor der Tür stand. Wir hatten ja damals angeregt, dass sich Bürger, Politiker und Feuerwehr zusammen an den Tisch setzen und einen neuen Vorschlag ausarbeiten. Einen runden Tisch. Dieser Vorschlag ist immer wieder abgelehnt worden beziehungsweise einfach nicht zustande gekommen. Was hätte denn dagegen gesprochen?
Stattdessen hat man Sie aufgefordert, einen Alternativplan zu entwerfen.
Bitter: Ja. Dass Politiker eine Bürgerinitiative auffordern, eine Alternativplanung vorzulegen, finde ich schon in hohem Maße ungewöhnlich. Das ist nicht die Aufgabe einer Initiative, und das war in der kurzen Zeit von uns Laien auch kaum zu leisten. Und dann lief es ja auch noch so, dass wir nach dem Erscheinen des Gutachtens im Rat und Ausschuss gar nicht mehr die Möglichkeit erhalten haben, etwas dazu zu fragen, obwohl wir schriftlich im Vorfeld um Redezeit gebeten hatten.
Finke: Auch die von Bürgermeister Marcus Mombauer versprochene öffentliche Diskussion hat es nach dem Erscheinen des Gutachtens nicht gegeben. Das enttäuscht mich. Der Ortsfriede ist nachhaltig gestört, und das wird sich noch verstärken, wenn der Bau im Park dann realisiert wird.
Zuletzt haben Politiker argumentiert, eine Alternativlösung am Halfenhof sei nicht unmöglich, aber zu teuer. Kein Argument für Sie?
Bitter: Es wurde ja über längere Zeit in der Diskussion mit den Politikern gesagt, dass Alternativen nicht an den Kosten scheitern sollten. Natürlich müssen die Kosten im Rahmen bleiben. Nur ist eine Summe, die unsere Alternative tatsächlich mehr kosten würde, nicht genannt worden. Es wurde am Ende nur gesagt: zu teuer. Punkt.
Finke: Wir haben in unserer Machbarkeitsstudie auch ein deutlich größeres Haus entworfen als gefordert. Das ist in der Kostendiskussion nicht berücksichtigt worden.
Das Meinungsbild in Forsbach ist in Sachen Feuerwachen-Standort geteilt. Hätten Sie sich mehr Unterstützung von Mitbürgern gewünscht?
Finke: Vielen ist es egal, was in ihrem Ort passiert. Das ist eine generelle Entwicklung. Man schaut auf seinen Garten und will Parkplätze vor dem nahen Supermarkt, das reicht. Das muss man hinnehmen. Man kann aber auch nicht behaupten, dass die, die unsere Listen nicht unterschrieben oder sich zu nicht Wort gemeldet haben, automatisch für die Bebauung im Park waren.
Hat das jemand getan?
Finke: So direkt nicht, aber im Rat fiel schon die Äußerung, man wisse ja nun, wie 800 Unterschriften zusammen kämen. Darin ist ja eine gewisse Unterstellung enthalten, wir hätten die Unterschriften unserer dementen Oma vorgelegt oder unsere unmündigen Kindern unterschreiben lassen. Das stimmt nicht. Wir haben viele persönliche Gespräch geführt, eine Internetseite eingerichtet, informiert. Unsere Unterschriftenlisten hat niemand blind unterschrieben. Das waren 800 mündige Bürger.
Bitter: Wir haben auch bewusst drauf verzichtet, uns mit Ständen an den Halfenhof zu stellen, weil wir den Ortsfrieden nicht stören wollten. Wir konnten auch keine Unterschriftenlisten in Geschäften auslegen, weil die Händler neutral bleiben wollten. Wir hatten es also viel schwerer als etwa die Initiative in Hoffnungsthal, Stimmen der Bürger einzusammeln.
Warum wollen Sie sich jetzt nicht darin engagieren, nach dem Bau den Restpark zu verschönern?
Bitter: Wenn wir das jetzt täten, würden wir dem Bürgermeister ja im Nachhinein noch recht geben, wäre mein Gefühl. Unser Ziel war es, den gesamten Park zu erhalten und den schön zu gestalten. Aber von den 800 Menschen, die unsere Listen unterschrieben haben, werden sicher auch einige Leute dabei sein, die mit anpacken werden.
Finke: Man hätte ja auch darüber nachdenken könne, am Halfenhof an der Stelle des bald abgerissenen Feuerwehrhauses eine Grünfläche zu schaffen, um das Ortszentrum zu verschönern. Es war ja einst die Rede davon, dass am Halfenhof ein echtes Ortszentrum entstehen soll. Es gäbe doch die Chance, noch ein bisschen Schönheit reinzubringen. Aber auch diese Sache wird vertan werden. Dabei können Grünflächen Publikumsmagneten sein, wie das Beispiel Köln zeigt.
Würden Sie eine Bürgerinitiative in Rösrath vielleicht noch einmal gründen?
Finke: Ich werde mich auf absehbare Zeit nicht mehr für meine Heimat engagieren, dafür habe ich mich einfach zu sehr geärgert.
Bitter: Ich würde es nicht völlig ausschließen, aber im Moment kann ich es mir nur schwer vorstellen. Mir hat das letzte Jahr die Illusion geraubt, dass man mit Verwaltung und Rat auf Augenhöhe kommunizieren kann. Die Art und Weise, wie insbesondere CDU-Politiker sich missbilligend darüber geäußert haben, dass man als freier Bürger seine Meinung kundtut, das fand ich nicht schön.
Finke: Ich würde gerne noch einmal betonen, dass es der Bürgerinitiative nie um den persönlichen Vorteil ging, sondern um den Ort. Ich wäre von einem Bau nicht persönlich betroffen, ich bin auch nie in diesem Park spazieren gegangen. Aber die Grünanlage wäre die letzte Möglichkeit gewesen, Forsbach ein Gesicht, eine Identität zu geben und nicht nur ein Meer an Parkplätzen wie am Halfenhof. Die Chance ist vorbei, und das bedauere ich einfach.
Bitter: Dem habe ich nichts hinzuzufügen.
Das Gespräch führten Sarah Brasack und Thomas Rausch
