Entsorgung in RösrathGelbe Tonne ist reif für den Müll
Rösrath – Seit fünf Jahren wohnt Christian Feike in Rösrath, seit fünf Jahren wird sein Müll problemlos abtransportiert. Auch der Müll in der gelben Tonne. Zumindest bis vor kurzem. Doch von einem Tag auf den anderen musste Feike feststellen, dass der Entsorger seine gelbe Tonne nicht mehr leerte.
Nach mehreren Telefonaten erfuhr er, dass seine 120-Liter-Tonne nicht „satzungskonform“ sei. Zulässig seien nur 240-Liter-Tonnen. Solche Tonnen würden aber nicht mehr neu ausgegeben, Feike solle künftig gelbe Säcke nutzen. Der Rösrather mochte das nicht hinnehmen. „Es ist doch ein Witz, nach fünf Jahren zu sagen: Wir leeren deine Tonne nicht mehr“, sagt Feike. Er wollte sich eine 240-Liter-Tonne auf eigene Kosten anschaffen, bekam aber auch dafür eine Absage.
Umstellung für Neukunden
Was der Hintergrund ist, erklärt Marion Schnippering von der Bergischen Wertstoff-Sammel-Gesellschaft (BWS) in Engelskirchen.
Die BWS ist für die Entsorgung von Verpackungsmüll und Altglas in 20 Kommunen in Rhein-Berg und Oberberg zuständig. Laut Schnippering hat sich die BWS schon vor rund einem Jahrzehnt grundsätzlich von der gelben Tonne verabschiedet. Neukunden erhielten seither nur noch gelbe Säcke. „Es gibt definitiv keine neuen gelben Tonnen mehr“, sagt Schnippering. Folglich könne auch Feike keine neue Tonne erhalten.
Anders sei die Situation für alte Kunden, deren „Besitzstand“ bleibe gewahrt. Im Klartext: Wer schon vor über zehn Jahren eine gelbe Tonne von der BWS erhalten hat, bekommt diese auch weiter geleert.
Das gilt auch für denjenigen, der eine einst von der BWS angeschaffte Tonne vom Vormieter oder Vorbesitzer übernommen hat. Denn die Tonne ist dem jeweiligen Haus zugeordnet. Die BWS hat laut Schnippering allgemein nur gelbe Tonnen mit 240 Litern Inhalt ausgegeben, daher ließ sich Feikes 120-Liter-Tonne problemlos als Tonne fremder Herkunft identifizieren.
Tatsächlich hat Feike sie, wie er selbst erklärt, von seiner früheren Wohnung in Köln mitgebracht. Warum dies jedoch über fünf Jahre unbeanstandet blieb, kann Schnippering nicht aufklären. Doch hätte Feike eigentlich schon vor fünf Jahren gelbe Säcke nutzen müssen.
Grund für den grundsätzlichen Wechsel zum gelben Sack sei der verbreitete Missbrauch von gelben Tonnen, erklärt Marion Schnippering. Nach Analysen der BWS habe der Inhalt der gelben Tonnen zu mehr als 70 Prozent aus Restmüll bestanden. In den gelben Säcken dagegen lasse sich der Inhalt leichter überprüfen: Denn das Gewicht des Müll-Behälters sei gering, außerdem seien die Säcke durchsichtig.
Besser kontrollierbar
Feike wiederum weist auf die immer wieder genannten Einwände gegen den gelben Sack hin: Meist würden die Säcke schon abends vor die Tür gestellt, nachts könnten Tiere die Folie aufbeißen und Müll aus den Säcken holen. Am Morgen liege er dann verstreut auf der Straße.
Schnippering sind diese Einwände bekannt. Letztlich sei eine Abwägung der Vor- und Nachteile zu treffen. Angesichts des massiven Missbrauchs von gelben Tonnen sei die bessere Kontrollierbarkeit des gelben Sacks ausschlaggebend. Christian Feike schlägt dagegen vor, stattdessen den Missbrauch der gelben Tonnen wirksam zu bestrafen. Er selbst fühlt sich ungerecht behandelt: „Derjenige, der vernünftig sortiert, ist der Gekniffene.“
