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RösrathMinimalinvasiver Eingriff soll Verkehrslage in Menzlingen entschärfen

5 min
Rösrath Menzlingen. eine enge Ortsdurchfahrt

„Durchfahrt verboten“-Schilder an der Straße Schneekaule sollen den Verkehr aus der engen Ortsdurchfahrt Menzlingen (Foto) heraushalten.

Ein Verkehrsversuch soll die Gefahrenlage in der engen Ortsdurchfahrt entschärfen. 1400 Fahrzeuge in drei Stunden wurden gezählt.

Ein „minimalinvasiver“ Eingriff, um eine „qualifizierte Gefahrenlage“ abzuwenden – das Lob der Fraktionsvertreter für den Lösungsvorschlag der Verwaltung war am Dienstagabend im Hauptausschuss einhellig positiv. Der Punkt „Verkehrskonzept Menzlingen“ war „aufgrund von Dringlichkeit“ außerplanmäßig auf der Tagesordnung dieses Ausschusses gelandet. Normalerweise ist der Dauerbrenner Sache des Verkehrsausschusses. Allerdings hat sich die Situation für Anwohnende in den letzten Wochen nochmal verschärft. Das liegt vor allem an der aktuell besonders staugeplagten A4 und den Umleitungsrouten der Navis.

Sabine Ley, Fachbereichsleiterin im Ordnungsamt, hatte die Zahlen dazu. Am Montag- und Dienstagmorgen klickte das Verkehrszähl-gerät der Stadt zwischen sechs und neun Uhr insgesamt 1400 Mal – innerhalb von drei Stunden bogen 1400 Fahrzeuge von der K23 nach Lüghausen ein. Ihr Ziel: die enge Ortsdurchfahrt Menzlingen, um auf die Sülztalstraße zu gelangen. Hinzu kommen steigende Unfallzahlen, seit Juli 2025 seien weitere fünf Bagatellunfälle bei der Polizei gemeldet worden. „Das können wir definitiv nicht mehr wegdiskutieren“, fasste es die Fachbereichsleiterin zusammen. Und leitet daraus eine laut Straßenverkehrsordnung „qualifizierte Gefahrenlage“ ab.

Wir zimmern hier nichts fest, was am Ende wirkungslos ist oder Unmut hervorruft
Yannick Steinbach, Bürgermeister von Rösrath

Sabine Ley, Fachbereichsleiterin im Ordnungsamt, hatte die Zahlen dazu. Am Montag- und Dienstagmorgen klickte das Verkehrszähl-gerät der Stadt zwischen sechs und neun Uhr insgesamt 1400 Mal – innerhalb von drei Stunden bogen 1400 Fahrzeuge von der K23 nach Lüghausen ein. Ihr Ziel: die enge Ortsdurchfahrt Menzlingen, um auf die Sülztalstraße zu gelangen. Hinzu kommen steigende Unfallzahlen, seit Juli 2025 seien weitere fünf Bagatellunfälle bei der Polizei gemeldet worden.

„Das können wir definitiv nicht mehr wegdiskutieren“, fasste es die Fachbereichsleiterin zusammen. Und leitet daraus eine laut Straßenverkehrsordnung „qualifizierte Gefahrenlage“ ab.

Auf der Schneekaule bremsen „Durchfahrt verboten“-Schilder den Verkehr

Entschärfung soll nun ein Verkehrsversuch bringen. In der vorgelegten „Variante 1a“ bremsen künftig auf der Schneekaule hinter dem Hofferhof „Durchfahrt verboten“-Schilder nicht nur den morgendlichen Durchgangsverkehr aus. Das „a“ in „1a“ steht für die – nach Rückmeldungen aus der Bevölkerung – überarbeitete Version: landwirtschaftlicher und Liefer-Verkehr dürfen weiterhin einfahren. Die hätten sich ansonsten durch die höhenbeschränkte Eisenbahnunterführung Lüghauser Straße quälen müssen.

Damit Verkehrsteilnehmende vorgewarnt sind, gibt es auf der K 23 vorab schon Hinweise auf das Durchfahrtsverbot. Dieser Verkehr wird sich also künftig seinen Weg durch Hoffnungsthal bahnen müssen.

Ziel ist es, den überörtlichen Verkehr aus Menzlingen herauszuhalten

Auf der anderen Seite aus Richtung Sülztalstraße ist zugleich nur noch für Rad- und Mofafahrer ein Durchkommen sowie für Anlieger. Und zu denen sollen in einem ersten Schritt testweise auch Menschen aus Lüghausen gehören. Wichtig sei es, „den überörtlichen Verkehr hier rauszuhalten“, so Sabine Ley.

Natürlich sei auch die Variante 1a nicht ohne Nachteil, gab die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung zu: Das Durchfahrtsverbot von der K23 in die Schneekaule gelte auch für Bewohnerinnen und Bewohner aus Lüghausen: „Das bedeutet, man muss einen Umweg in Kauf nehmen.“ Dem stehe indes der „Mehrwert“ gegenüber, dass „ganz viel vom Durchgangsverkehr zu allen Tageszeiten draußen bleibt.“

Der Verkehrsversuch ist auf einen Zeitraum von etwa sechs Monaten angelegt

Zur Dauer des Verkehrsversuchs verwies die Stadtverwaltung auf die anstehenden Arbeiten an der Autobahnbrücke in Untereschbach. Spätestens dann sei mit einer weiteren Zuspitzung des Ausweichverkehrs zu rechnen. Der Verkehrsversuch sei deshalb auf einen Zeitraum von etwa sechs Monaten – bis in den Herbst hinein – angelegt, um belastbar beurteilen zu können, welche Auswirkungen die beschlossenen Maßnahmen haben.

Das Verkehrsnetz um Rösrath stößt immer mehr an seine Grenzen. Für alle, die im Stau stehen, sei das lästig, weiß auch die Vertreterin der Stadt. Eine Gefährdung für den Einzelnen stelle der Stillstand in der Regel aber nicht dar, „die sind breit ausgebaut und das sind Landstraßen und Kreisstraßen“.

An einem normalen Werktag im Februar wurden 500 bis 700 Fahrzeuge gezählt

Anders in Menzlingen. Was ein „normaler“ Werktag ohne ÖPNV-Streik und ohne Nadelöhr auf der A4 für die dortige Ortsdurchfahrt bedeutet, auch darüber kann das Zählgerät der Stadt Auskunft geben. Das registrierte im Februar laut Stadtverwaltung während der Rushhour durch Menzlingen bei ähnlicher Witterung wie Anfang dieser Woche zwischen 500 und 700 Fahrzeuge.

So freute sich auch Bürgermeister Yannick Steinbach über die positive Resonanz im Ausschuss. „Dann steigen wir also in diese Testphase ein.“ Um direkt hinzuzufügen: „Falls wir feststellen, dass wir dann Zustände hervorrufen, die nichts bringen oder schwierige Nebeneffekte hervorrufen, dann werden wir weiter überlegen. Dann müssen wir vielleicht über nicht nur die minimalinvasive Variante reden.“ Und: „Die Bürgerinnen und Bürger können der Politik insoweit vertrauen, dass wir hier nichts festzimmern, was am Ende wirkungslos ist oder Unmut hervorruft.“

Der Bürgerinformationsabend brachte neue Erkenntnisse

Ende Januar hatte die Stadt zu einem Bürgerinformationsabend eingeladen. Dort wurden verschiedene Lösungsvarianten mit Vor- und Nachteilen vorgestellt. Teilnehmende hatten damals den überörtlichen Ausweichverkehr als Hauptverursacher für die Belastung der Menzlinger Ortsdurchfahrt identifiziert.

Auch gestern meldeten sich Bürgerinnen und Bürger mit kritischen Hinweisen zu Wort. So verwies eine Anwohnerin auf die Eisenbahnunterführung. Diese Durchfahrt ohne Gehweg wird künftig wahrscheinlich häufiger von Fahrzeugen genutzt werden. Dort in der Nähe befinden sich zudem zwei Kindergärten. Auch sei die Hofferhofer Straße am Ortseingang von Hoffnungsthal bereits heute durch den Bahnübergang der RB25 und einen nicht funktionierenden Kreisverkehr belastet.

Weitere konstruktive Vorschläge und Ideen kamen auf den Tisch

Konstruktive Vorschläge und Ideen von Ausschussmitgliedern und Bürgern kamen ebenfalls auf den Tisch. „Anlieger frei“-Zonen räumte Fachbereichsleiterin Sabine Ley   direkt geringe Erfolgschancen ein. Um dies durchzusetzen, brauche es häufige Polizeikontrollen. Das sei nicht zu leisten. Eine andere Anregung galt der Sülztalstraße: Hier könnte eine mobile Ampel in der Rushhour für zügigeren Verkehrsfluss beim Abbiegen von der Schönrather Straße sorgen. Die hat allerdings ihre Kosten: 20.000 Euro für 14 Tage, wie die Verwaltung zu berichten wusste.

Schon kommenden Montag soll der Verkehrsversuch starten, spätestens. Damit er tatsächlich seine Chance bekommt, soll auch die Polizei kontrollieren. Der Verkehrsversuch wird zudem in die Navigationssysteme eingespeist. All denen, die gewohnheitsmäßig die Abkürzung nehmen, weisen spätestens die neuen Schilder den Weg. Und der führt nicht mehr durch Menzlingen.