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Zank im DichterviertelErbitterter Streit um ein kleines Grundstück in Rösrath

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Christiane Linkenbach und Karl Hansmann müssen den Streifen räumen, den sie bisher als Teil ihres Vorgartens nutzten.

Rösrath – Wie wertvoll ist ein Grundstück, das ein bestehendes, bebautes Grundstück ergänzt? Insbesondere dann, wenn es sich um einen kleinen Streifen handelt, der nicht bebaut werden könnte, wenn er für sich allein betrachtet würde? Handelt es sich um Bauland, wie die Stadt Rösrath argumentiert, oder geht es um ein deutlich preiswerteres „Anschlussgrundstück“, wie Anwohner im Rösrather „Dichterviertel“ darlegen?

Über diese Frage können sich die beiden Seiten seit rund einem Jahr nicht einigen. Sie ist auch für andere Bürger relevant, weil die Stadt Rösrath im Zuge von Bauvorhaben immer wieder Restflächen zum Kauf anbietet. Ein Beispiel ist das Neuanlegen der Fahrbahn am Pestalozziweg im Vorjahr, dabei blieben einige Grundstücksstreifen übrig. Die Stadt bot sie den Anliegern an, die sie mittlerweile gekauft haben, zum Teil erst nach einigem Hin und Her.

Jahrelang mit genutzt

Auch im Fall von Christiane Linkenbach und Karl Hansmann, der Anwohner vom „Dichterviertel“, kümmerte sich die Stadt im Zusammenhang mit Bauarbeiten um städtische Grundstücke, die wegen ihrer Lage und geringen Größe nur schlecht zu verwerten sind. So schließt sich ein 88 Quadratmeter großer Streifen an den Vorgarten des Ehepaars an. Linkenbach und Hansmann haben ihn bisher mitgenutzt, bepflanzt und gepflegt, bei einem Sturmschaden auch drei Bäume auf eigene Kosten entfernen lassen.

Auch die Vorbesitzer hätten den städtischen Streifen mitgenutzt, berichtet Linkenbach – seit 1966. Doch nun wollte die Stadt den lange geduldeten Zustand beenden und damit auch Geld in die Stadtkasse bringen, die das durchaus nötig hat. Außerdem bot sie Linkenbach und Hansmann einen weiteren, 123 Quadratmeter großen Streifen an, der an deren Grundstück grenzt.

Das Ehepaar konnte sich den Zukauf der Flächen durchaus vorstellen, doch der Preis blieb strittig. Linkenbach holte die Meinung eines großen Maklerbüros ein. Danach sei bei Bauland in Rösrath ein „Richtwert“ von 360 Euro pro Quadratmeter zugrundezulegen, bei den betreffenden Flächen handele es sich allerdings um „Anschlussgrundstücke“, für die nur 29 bis 36 Prozent des „Richtwerts“ zu veranschlagen seien. Also nur 104 bis 129 Euro pro Quadratmeter. Die Stadt dagegen folgt einer anderen Logik, wie Bürgermeister Marcus Mombauer erklärt: Durch den Zukauf der Grundstücksstreifen werde ein bereits bebautes Grundstück ergänzt. Und damit entstehe ein Gesamtgrundstück, für das bei einem Wiederverkauf insgesamt der Preis einer bebauten Fläche anzusetzen sei.

Stadt habe einen „Nachlass“ gewährt

Also wären eigentlich 360 Euro fällig gewesen, mit Blick auf die Umstände habe die Stadt aber einen „Nachlass“ gewährt. „Man hat einen mittleren, moderaten Preis genannt“, sagt Mombauer. Linkenbach nennt auch die Zahlen: Zunächst habe die Stadt 240 Euro verlangt, bei einem persönlichen Gespräch habe Mombauer schließlich 220 Euro angeboten. Dazu sagt wiederum der Bürgermeister, dies sei ein „Kompromissangebot“ gewesen. Danach habe er keinen weiteren Spielraum gesehen – auch mit Blick auf die nötige Gleichbehandlung mit anderen Bürgern. Der Rest der Geschichte ist ein Streit um das Vorgehen der Stadt. Als Linkenbach und Hansmann an ihrem Standpunkt festhielten, verzichtete die Stadt auf weiteres Verhandeln und kündigte an, die bisher als Vorgarten mitgenutzte Fläche neu zu gestalten. Der Bauhof soll dort eine Bank aufstellen. Linkenbach und Hansmann blieb eine Frist von zehn Tagen, um die Fläche zu räumen.

„Es ist wirklich eine Frechheit“, ärgert sich Linkenbach über diese Frist. Bei der sommerlichen Witterung würden Gewächse beim Umpflanzen verderben. Nach Protest des Ehepaars gewährte die Stadt noch einmal kurzen Aufschub, um die Sache mit dem städtischen Sachbearbeiter zu klären, der gerade nicht im Dienst war. Die Frage, ob es um Bauland geht oder um ein preisgünstigeres „Anschlussgrundstück“, bleibt weiter umstritten.