Test aus Bergisch GladbachDer schnellste Weg durch den Stau in die Kölner Innenstadt

Lesezeit 6 Minuten

Laura Büchler, Marc Werheit, Hendrik Stamm und Sarah Breuer (v. l.) machen sich gleichzeitig auf den Weg.

Bergisch Gladbach/Köln – Jeden Tag dasselbe Elend: Wer von Bergisch Gladbach nach Köln möchte, steht zwangsläufig im Stau. Oder doch nicht? Die Redaktion hat morgens um 8 Uhr den Versuch gestartet, welcher Weg am schnellsten in die Nachbarstadt führt.

Mit Auto, Fahrrad oder den möglichen Kombinationen an öffentlichen Verkehrsmitteln steuerten Kollegen einen Treffpunkt an der Stolkgasse in der Kölner Innenstadt an.

Mit dem Auto

Das geht ja gut los mit dem Auto: Stau auf der A4.

8.17 Uhr Normalerweise brauche ich mit dem Auto von Moitzfeld nach Köln 20 Minuten. Da habe ich aber nicht mit dem morgendlichen Berufsverkehr gerechnet. Bereits sieben Minuten, nachdem ich losgefahren bin, stehe ich auf auf der Auffahrt zur A4 in Richtung Köln im Stau, muss sogar auf dem Standstreifen stehenbleiben, um mich in den Verkehr einfädeln zu können. Ähnlich ist die Situation sowohl an der Autobahnauffahrt Bensberg als auch in Refrath.

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8.47 Uhr Eine halbe Stunde später fahre ich von der Autobahn ab. Trotz der Baustelle vor und auf der Zoobrücke komme ich gut voran. Auch die Straßen in der Kölner Innenstadt sind nicht übermäßig voll, trotzdem muss ich an der einen oder anderen Ampel auch mal zwei Ampelphasen lang stehen bleiben. Eigentlich wäre ich um 9 Uhr in der Kölner Innenstadt angekommen, habe dort jedoch keine Möglichkeit zu parken. Elf Minuten später steht mein Auto dann im Parkhaus am Dom. Die Parkplatzsuche ist in Köln ja zum Glück recht einfach, man muss nur einfach den Schildern folgen.

9.20 Uhr Nach einem neunminütigen Spaziergang erreiche ich das Ziel in der Stolkgasse.

Mit dem Fahrrad

8.17 Uhr Pünktlich mache ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg, gleichzeitig mit dem Bus. Über die Wipperfürther Straße bin ich in fünf Minuten an der Kreuzung kurz vor dem Bensberger Busbahnhof. Von dort aus fahre ich die Friedrich-Offermann-Straße entlang, die im Laufe der Kilometer mehrmals ihren Namen wechselt und schließlich zur Bundesstraße 55 wird.

8.36 Uhr Ich überquere mit dem Rad die A4 und sehe die stehenden Autos auf dem Weg in Richtung Köln. Kurz darauf erreiche ich die Kölner Ostgrenze. Bis hierher bin ich mit dem Fahrrad ziemlich gut vorangekommen, doch jetzt wird es etwas schwieriger. Viele rote Ampeln machen die Fahrt anstrengender, und dort, wo es keinen Fahrradweg gibt, muss ich mich an meistens stehenden Autos rechts vorbeiquetschen. Insgesamt läuft der Verkehr aber flüssig. In Deutz macht die B55 einen Linksknick über die Severinsbrücke, ich aber kämpfe mich auf den Hügel der Lanxess-Arena, um auf die Hohenzollernbrücke zu kommen. Ich habe Glück, dass der Weg leer ist.

9.12 Uhr Ich passiere die Domplatte, die Treppen von der Domplatte auf die Komödienstraße und fahre an der Apostelkirche vorbei in Richtung meines angepeilten Ziels.

Kurze Zeit und ein paar Ampeln später stehe ich schließlich − zu meiner Überraschung − als erster von allen in der Stolkgasse.

Mit Bus und S-Bahn

Bus in Bergisch Gladbach.

8.17 Uhr Den ersten Abschnitt der Strecke fahre ich zusammen mit Laura in der Buslinie 227. Der Busfahrer hat unseren Startschuss an der Bushaltestelle beobachtet und gibt eine erste Einschätzung zum Ausgang unserer Testfahrt. „Gestern hätte ich auf das Auto gewettet, heute sehe ich aber eher das Fahrrad vorn.“ Trotz dieser schlechten Prognose bleibe ich mir meines Sieges sicher und setze mich mit Laura in den fast leeren Bus, der sich pünktlich auf den Weg macht. Bis zum Busbahnhof in Bensberg steigen nur wenige Fahrgäste zu, wodurch wir die Haltestelle pünktlich erreichen. Laura verabschiedet sich hier und nimmt ab jetzt die Linie 1 nach Köln.

Zwischen dem Bahnhof und der Kreuzung Kölner Straße/Buddestraße gibt es einen leichten Stau, der mich eine Minute kostet. Diese Verspätung kann der Busfahrer trotz des fließenden Verkehrs im weiteren Verlauf nicht mehr aufholen. Die Baustelle an der Kreuzung Bensberger Straße/Schnabelsmühle kostet mich eine weitere Minute.

8.50 Uhr Mit zwei Minuten Verspätung erreiche ich den Bahnhof in Bergisch Gladbach. Zeitgleich erreicht die S 11 aus Köln die Haltestelle. Ich bin froh darüber, den Anschluss trotz zwei Minuten Verzögerung zu erreichen, und setze mich drei Minuten vor Abfahrt in die noch leere S-Bahn. Verärgert schaue ich dann um 8.55 Uhr auf meine Uhr , während sich die Bahn langsam in Bewegung setzt. Die zwei Minuten Verzug werde ich heute wohl nicht mehr los.

9.14 Uhr Der Zug passiert die Hohenzollernbrücke, und ich mache mich nach dem Halt im Kölner Hauptbahnhof gleich auf den Weg zur Stolkgasse.

Als ich nach fünf Minuten Fußweg in die Zielstraße einbiege, sehe ich schon von weitem zwei meiner Konkurrenten am Zielpunkt stehen. Dort erfahre ich, dass der Busfahrer Recht hatte und das Fahrrad dem Bus und der S-Bahn heute überlegen war.

Mit BUS und KVB-Bahn

8.17 Uhr Das Experiment beginnt im Bus in Moitzfeld. Marc steigt mit mir ein. Das Fahrrad und das Auto fahren mit uns los. Während das Auto nach kürzester Zeit außer Sichtweite ist, bremst das Fahrrad die Linie 227, in der wir sitzen, aus. Da wir an jeder Haltestelle stoppen, ist Hendrik bald doch nicht mehr zu sehen.

8.30 Uhr In Bensberg angekommen, bleibt mein Pendelkollege im Bus sitzen, und ich wechsle in die Straßenbahnlinie 1 – die mir natürlich vor der Nase wegfährt. Wenigstens fährt sie alle zehn Minuten und damit doppelt so häufig wie die S11. Während ich um 8.48 Uhr in Refrath Köln schon ganz nahe bin, fährt die S11 in Bergisch Gladbach erst in fünf Minuten los – aber sie fährt ihre Strecke schneller. Ich fahre beide Wege oft, aber ich habe keine Ahnung, welcher schneller ist.

Während ich gemütlich in der Straßenbahn Richtung Köln rausche, aus dem Fenster schaue und mich ganz nach meinem Geschmack beschäftigen könnte − lesen, E-Mails beantworten, Pokémon Go spielen – schaue ich kurz herunter von der Brücke auf die Autobahn. Der Verkehr fließt, die Autofahrer haben Glück, aber ich bin wohl entspannter. Auf der Deutzer Brücke frage ich mich, wo die anderen wohl gerade sind. Auf einer der anderen Brücken? Oder vielleicht schon an unserem Zielpunkt?

9.11 Uhr Als ich am Neumarkt ankomme, fließt der Verkehr neben der stehenden Bahn. Vielleicht sollte ich mir ein Auto zulegen. Schnell raus aus der Bahn und in die Linie 18 umsteigen. Eine Station bis zum Appellhofplatz. Noch ein Stück zu Fuß und ein letztes Mal abbiegen.

9.25 Uhr Ich erreiche unseren Treffpunkt in der Kölner Innenstadt. Da stehen schon alle drei anderen. Ich bin die Letzte. Waren sie schon viel früher da und haben lange auf mich gewartet? Falsch gedacht: Wir sind alle innerhalb der letzten fünf Minuten angekommen. Es ist also egal, ob mal im Berufsverkehr von Gladbach nach Köln mit Auto, Fahrrad, Straßenbahn oder S-Bahn fährt. Vielleicht schaffe ich mir doch kein Auto an und lese beim Pendeln.

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