Etwa 1000 Tiere hat das Tierheim in Niederaußem 2025 aufgenommen. Das Schicksal der Englischen Bulldogge ging den Mitarbeitern besonders nahe.
Englische BulldoggeHappy End für das traurige Sorgenkind Max aus dem Tierheim in Bergheim

Bulldogge Max war im Spätsommer 2024 in schlechtem, gesundheitlichen Zustand im Tierheim angekommen.
Copyright: Tierheim Bergheim
Nicht einmal „zwischen den Jahren“ ist es ruhig im Bergheimer Tierheim. Alleine am Tag vor Silvester hat Tierheimleiterin Heike Bergmann vier oder fünf Hunde aufgenommen. Das Telefon läutet, Menschen bringen Fundtiere vorbei oder kommen zum Gassigehen, „Huhni“ tippelt umher und lässt sich Brokkoli-Reste von Bergmanns Weihnachtsessen schmecken, während sie selbst am Schreibtisch die Stellung hält.
Am Ende des Jahres zieht die Tierheimleiterin Resümee: Etwa 1000 Tiere hat das Tierheim in Niederaußem 2025 aufgenommen, gepflegt und weiter vermittelt. Aktuell leben rund 40 Hunde, 120 Katzen sowie 70 Kleintiere und Bauernhoftiere im Tierheim. Zusätzlicher Platz ist durch das im Frühjahr fertig gestellte moderne Hundehaus entstanden.

Im Frühjahr dieses Jahres wurde das neue Hundehaus fertig gestellt, im August folgte innen der letzte Feinschliff.
Copyright: Melanie Specht
Tierliebe Menschen brachten gefundene Hunde und Katzen, Kaninchen und andere Nager, aber auch Wildtiere, wie ganze Igelfamilien, Tauben oder Schildkröten ins Tierheim. Die meisten bleiben für ein paar Wochen. Andere müssen sehr viel länger in Bergheim bleiben. Doch manchmal sind sie selbst dann nicht vergessen.
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Bergheim: Rund 5000 Euro Behandlungskosten für die Bulldogge
So wie die Englische Bulldogge Max, die den Tierheimmitarbeitern „noch heute nachläuft“, wie Bergmann es nennt. Das Tier war im Spätsommer 2024 ins Tierheim gekommen. Angekündigt worden war den Mitarbeitern eine Englische Bulldogge. „Ich war fassungslos“, erinnert sich Bergmann.
Denn die Tierkennerin hatte auf den ersten Blick gesehen, dass es Max nicht gut ging. Ein seltsamer Körperbau sorgte für ein sehr auffälliges Gangbild. Das rechte Auge des Tieres war stark getrübt und blutunterlaufen. Der Besitzer gab an, Max schon in diesem Zustand über eine Auktionsplattform gekauft zu haben. Durch seinen Job als Lkw-Fahrer habe er sich nicht weiter um das Tier kümmern können.
Ich war fassungslos, dass man für ein Tier, das man sich wissentlich angeschafft hat, so wenig tun kann
So kam Max abwechselnd bei Bekannten seines Besitzers unter – unter anderen hatte er ein ganzes Jahr lang bei einer Frau gelebt, die sich dann jedoch auch nicht mehr kümmern konnte oder wollte. Bei seinen Versuchen, Max privat zu vermitteln, sei der Besitzer gescheitert. Das Tierheim nahm sich des unkastrierten, achtjährigen Rüdens schließlich an.

Heike Bergmann - hier mit "Huhni" - hat ein Herz für Tiere, die besonders viel Hilfe benötigen.
Copyright: Melanie Specht
Bei Untersuchungen stellte sich heraus, dass nicht nur seine untypische Anatomie – Max hat krumme Beine und sein Rumpf ist deutlich breiter als die hintere Körperhälfte – dem Hund zu schaffen machte. „Seine Atmung war durch ein stark vergrößertes Gaumensegel so schlecht, dass man selbst schon anfing, zu röcheln, wenn man neben ihm stand – man kann das schlecht ertragen, wenn ein Hund so schlecht Luft bekommt.“
Viel zu dicke Nasenfalten und zu kleine Nasenlöcher erschwerten ihm das Atmen zusätzlich, die Falten sorgten für Hautprobleme. Zudem standen die Zähne des Hundes in alle Richtungen. „Ich war fassungslos, dass man für ein Tier, das man sich wissentlich angeschafft hat, so wenig tun kann“, erinnert sich Bergmann.
Nach einem halben Jahr fand Max ein neues Zuhause in Norddeutschland
Max habe das Tierheim in den folgenden Monaten sicher 5000 Euro gekostet. Fehlende Impfungen wurden nachgeholt, Max wurde an den Lidrändern operiert, die eingerollt waren. Auch das Gaumensegel wurde operiert. Ab dem ersten Tag pflegten die Mitarbeiter Max’ trockene Augen mit einer Salbe, um dem Tier etwas Linderung zu verschaffen. Auch die Betreuung vor und nach den Operationen, der Transport nach Neuss und Köln habe viel Zeit gekostet.
Bergmann weiß, dass sich viele Menschen diese Arbeit nicht gemacht hätten und das Tier stattdessen hätten einschläfern lassen. Doch es seien „gerade diese Tiere, die so viel Hilfe brauchen, die ich besonders gern aufnehme.“ Bis Max alle Operationen gut überstanden und sich erholt hatte, ging ein gutes halbes Jahr ins Land. Dann fand er ein neues Zuhause.
Ein Ehepaar aus Norddeutschland, das schon eine weibliche englische Bulldogge mit exakt den gleichen, gesundheitlichen Problemen besaß, nahm ihn zu sich. „Die wussten genau, worauf sie sich einlassen und haben sich das sehr gut überlegt“, sagt Bergmann. „Ein Hund, der so lieb ist, ist normalerweise nach vier oder fünf Wochen wieder weg“, so Bergmann.
Interessenten für die von der Redaktion vorgestellte Hündin
Doch wenn der gesundheitliche Zustand sei wie bei Max, wolle sie meist niemand mehr haben. „Max hat bei so vielen verschiedenen Menschen gelebt und seit seiner Geburt hat sich nie jemand um seine gesundheitlichen Probleme gekümmert. Wir hatten einen unheimlichen Willen, diesem Tier etwas Lebensqualität zu schenken“, so Bergmann.
Seit seiner Vermittlung im April dieses Jahres haben Max’ neue Besitzer auch schon mehrmals Bericht erstattet: Der Rüde darf jetzt regelmäßig zur Physiotherapie und zum Lauftraining und verträgt sich gut mit seiner neuen Freundin. Max geht es gut.
Die Vermittlung hatte über die TV-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ stattgefunden, in der Max als Notfall vorgestellt worden war. Auch unsere Rubrik „Tier der Woche“ hilft, Tieren aus dem Bergheimer Tierheim ein neues Zuhause zu verschaffen. Am Montag haben wir Mila vorgestellt – noch am selben Tag haben sich Interessenten für die Hündin telefonisch bei Bergmann gemeldet.

