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BrandKeiner hat Platz für den Lebensretter

3 min

Lebensretter Jerry mit Frauchen Petra Müller, die sich bei der Flucht aus den Flammen an der glühend heißen Türklinke die Hand verbrannt hat. Der Hausflur ist völlig verrußt.

Bergheim-Rheidt-Hüchelhoven – Um kurz nach 1 Uhr schreckt Petra Müller aus dem Schlaf. In der Nacht zu Dienstag in der vorigen Woche geschieht etwas sehr Ungewöhnliches. Ihr Hund Jerry, ein zwölf Jahre alter Mischling, springt an der Wohnungstür hoch, jault und bellt. „Das kenne ich von ihm nicht“, sagt Müller, die in Rheidt-Hüchelhoven in einem Mehrfamilienhaus an der Straße Am Krahnacker wohnt. „Das ist ein sonst völlig ruhiger, älterer Hund, der nie bellt.“ Zuerst versucht sie noch, Jerry ins Körbchen zu bringen und zu beruhigen. Aber der Hund springt sofort wieder auf, rennt zur Tür und knurrt sein Frauchen an. Erst da merkt Petra Müller, dass etwas nicht stimmt. „Es ist sehr, sehr heiß im Haus, aus dem Keller kommen komische Geräusche – es muss irgendwo brennen!“

Die 43-Jährige schnappt sich Jerry und ihren zweiten Hund, Juma, und will aus der Wohnung flüchten. Als sie die Tür aufreißt, kommt sie nicht weiter – dichter Rauch und Hitze versperren ihr den Weg. Auch über den Balkon kommt sie nicht aus der Hochparterre-Wohnung hinaus. Stickiger Qualm steigt von den Kellerfenster an der Hauswand empor. Müller ruft die Feuerwehr. In ihrer Panik entscheidet sie, doch die Flucht durch die Wohnungstür anzutreten. Mit beiden Hunden im Schlepptau flieht sie ins Freie – und merkt erst gar nicht, dass sie sich an der glühend heißen Metallklinke der Haustür die Hand schwer verbrannt hat. Als die Feuerwehr eintrifft, rettet sie einen weiteren Bewohner aus dem Mehrfamilienhaus, der noch tief und fest schläft. Wegen der Verletzung an der Hand und wegen einer Rauchgasvergiftung wollen Rettungssanitäter Petra Müller ins Krankenhaus bringen. Die Feuerwehr bietet an, sich um die Hunde zu kümmern und sie ins Tierheim zu bringen. Aber für Müller kommt das nicht in Frage, obwohl ihre Hand schwarz und bis aufs Fleisch verbrannt ist. Sie wartet, bis ihre Tochter eintrifft und die Hunde übernimmt. „Jerry hat mein Leben gerettet, denn ich wäre bestimmt nicht aufgewacht – ich gebe ihn nicht in fremde Hände.“

Schwere Brandstiftung

Doch ausgerechnet Lebensretter Jerry wird für Müller nun zum Hindernis. Das Haus ist nach dem Feuer im Keller völlig verraucht und unbewohnbar. Während die Polizei wegen schwerer Brandstiftung ermittelt, sucht Müller nun nach einer neuen Bleibe – was mit einem Staffordshire-Mix, der nach der Landeshundeverordnung als gefährlich gilt, nicht einfach ist. „Ich habe schon eine Reihe von Vermietern angerufen, aber wenn sie von der Hunderasse hören, winken alle gleich ab“, sagt Müller. Einer habe ihr sogar empfohlen, Jerry abzugeben, damit sie in die Wohnung einziehen dürfe. „In den ersten Tagen bin ich bei meiner Tochter in Frechen untergekommen, jetzt bin ich bei meiner Schwester in Bedburg. Auf Dauer geht das aber nicht.“ Bei der Wohnungswahl müsse sie zudem darauf achten, in welcher Kommune sie sich niederlässt. Manche Stadt verlangt hohe Steuern auf das Halten von Hunden, die als potenziell gefährlich eingestuft werden. Die Wohnungsbaugesellschaft sei sehr nett gewesen. Auch eine Notunterkunft, in der sie ihre Aquarien habe unterstellen können, habe die Gesellschaft ihr sofort zur Verfügung gestellt. „Sobald eine passende Wohnung frei wird, will man mir etwas anbieten“, sagt Petra Müller. „Aber wer weiß, wie lange das dauert. Ich brauche dringend eine neue Bleibe.“

Doppeltes Pech für Müller: Vorigen Mittwoch wollte sie eine neue Stelle als Kassiererin antreten. Wegen der Handverletzung ist sie ihren Arbeitsplatz aber schon wieder los. Wer der 43-Jährigen bei der Wohnungssuche helfen kann, meldet sich bei ihr unter ☎ 0157/37236482.